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Langjähriger Leiter des Wolfenbütteler Kirchenarchivs Hermann Kuhr verstorben (3/2013) Programm zur Südschienentagung, 12.-14. Mai 2013, in Herrnhut (3/2013) Kassationsrichtlinie, Empfehlung des Verbandes kirchlicher Archive, zum Download (3/2013) Vorläufiges Programm zum 23. Norddeutschen Kirchenarchivtag in Güstrow, 13./14. Mai 2013 (11/2012) Bericht vom 22. Norddeutschen Kirchenarchivtag in Bremen, 14./15. Mai 2012 (11/2012) Ltd. Archivdirektor a. D. Dr. Kurt Schmitz ist im Alter von 77 Jahren verstorben (3/2012) EZA-Bibliothekarin Helga Zeller verstorben (12/2011) Aus evangelischen Archiven (Neue Folge der „Allgemeinen Mitteilungen“) Nr. 50 (2010) erschienen (12/2010) 19. Tagung der süddeutschen Kirchenarchive in Frankfurt am Mai am 17./18. Mai 2010 (6/2010) Landeskirchenarchiv Dresden: Am 26. September 2009 verstarb Archivmitarbeiter Rudolf Schmelzer im Alter von 58 Jahren. Erklärung des Verbandes kirchlicher Archive zur Unterstützung des Wiederaufbaus des Stadtarchivs Köln (20.3.2009) 18. Tagung der Norddeutschen Kirchenarchive in Düsseldorf (6/2008) 17. Tagung der süddeutschen Kirchenarchivare und -archivarinnen in Eisenach am 2./3. Juni 2008 (6/2008) Kurzbericht über das Kirchenbuchportal (9/2007) 16. Tagung der süddeutschen Kirchenarchivare und -archivarinnen in Speyer am 7./8. Mai 2007 (6/2007) 75 Jahre Landeskirchliches Archiv der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (5/2007) Regionaltagungen des Verbandes kirchlicher Archive im Mai 2007 (3/2007) Kirchenbücher zu verkaufen? (3/2007) Fachtagung zur Kirchenbuchnutzung in Hannover Wolfgang Eger, früherer Archivdirektor der pfälzischen Kirche, starb mit 76 Jahren Empfehlungen zur Aufbewahrung von Archivgut Neuerscheinungen des Verbandes Richtlinien zum Umgang mit digitalen Informationen in der Verwaltung (5/2003) Früherer Württembergischer Kirchenarchivdirektor Gerhard Schäfer verstorben (3/2003) Rundbrief des Verbandes jetzt online verfügbar (1/2003)
Langjähriger Leiter des Wolfenbütteler Kirchenarchivs Hermann Kuhr
verstorben Nach dem Studium der Theologie, Soziologie und Archivwissenschaft leitete er vom 1. März 1963 bis zum 31. März 2001 das Archiv der Ev.-luth. Landeskirche in Braunschweig an den Standorten Braunschweig und Wolfenbüttel. Der Aufbau des erst 1952 eingerichteten Archivs nach fachlichen Kriterien geht im Wesentlichen auf sein Wirken zurück. Seit Juni 1967 war Hermann Kuhr Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Sektion Archivwesen in der Arbeitsgemeinschaft für Archiv- und Bibliothekswesen in der evangelischen Kirche in Deutschland. Leiter der Sektion wurde er im März 1977. Seit diesem Jahr vertrat er die Braunschweigische Landeskirche bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand im Vorstand des Verbandes der Archivarinnen und Archivare und in der Arbeitsgemeinschaft. Er hat dort insbesondere sein großes Interesse an der Archivtechnik und EDV eingebracht. Weitere Schwerpunkte seiner Tätigkeit für den Verband und die Arbeitsgemeinschaft waren die Schriftgutverwaltung (Fortbildung für Registratoren, Entwicklung von Aktenplan und Registraturordnung), die Kirchenbuchordnung und die Archivgesetzgebung. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landeskirchlichen Archiv Wolfenbüttel denken an Hermann Kuhr und wissen ihn in Gottes Hand aufgehoben. Wolfenbüttel, 22.03.2013
Südschienentagung 2013 in Herrnhut Dienstag, 14. Mai 9:00 – 9:15 Morgenandacht individuell: Besichtigung Herrnhuter Sterne Manufaktur
Kurt Schmitz verstorben Ltd. Archivdirektor a. D. Dr. Kurt Schmitz ist im Alter von 77 Jahren verstorben. Der langjährige Leiter der Archivberatungsstelle Brauweiler war in vielerlei Weise mit Kirche und Diakonie verbunden. Er engagierte sich auch tatkräftig für den Verband kirchlicher Archive, für den er mehrere Fortbildungsveranstaltungen organisierte wie z.B. 1977-1981 die sogenannten Leichlinger Lehrgänge für Mitarbeitende in kirchlichen Registraturen. Ebenso war er an der Planung des erfolgreichen Internationalen Kirchenarchivtages in Prag 1995 federführend beteiligt.
EZA-Bibliothekarin Helga Zeller verstorben Am 30. Dezember 2011 verstarb plötzlich und unerwartet unsere Kollegin Frau Helga Zeller im Alter von 59 Jahren. Sie war seit 1992 als Bibliothekarin im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin tätig und seit 2009 als einzige Bibliothekarin in unserem Archiv für die gesamte Bibliothek verantwortlich. Wir haben mit Helga Zeller eine versierte, zuverlässige und engagierte Bibliothekarin verloren; vor allem aber war sie für uns eine stets freundliche und liebenswürdige Kollegin, deren menschliche Wärme, Offenheit und Hilfsbereitschaft wir sehr geschätzt haben. Wir haben sehr gern mit ihr zusammen gearbeitet und sind dankbar für die Zeit, die wir mit verbringen konnten. Wir werden sie in guter Erinnerung behalten. Evangelisches Zentralarchiv in Berlin
Grußwort des Verbands kirchlicher Archive zur Eröffnung der Archive am Bethelplatz am 31. Januar 2011 Sehr geehrter Herr
Präses Dr. Buß, sehr geehrter Herr Pastor Pohl, ich freue mich sehr, anlässlich der Eröffnung der Archive am Bethelplatz, zum einen des Hauptarchivs der von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel und zum anderen des Landes-kirchlichen Archivs der Evangelischen Kirche von Westfalen, zu Ihnen sprechen zu dürfen. Ich tue dies als Leiterin des Verbands kirchlicher Archive, aber ein bisschen auch als Leiterin des Landeskirchlichen Archivs Kassel, die in den 1990erJahren in Kassel als Berufsanfängerin einen Archivbau mit zu planen hatte und diesen schließlich 1997 auch einweihen konnte. (Und ich bin immer noch zufrieden ...) Der Verband kirchlicher Archive existiert als seit gut einem Vierteljahrhundert als Teil der Arbeitsgemeinschaft der Archive und Bibliotheken in der evangelischen Kirche. Ihm gehören rund 60 kirchliche Archive an, gut 40 Prozent davon sind landeskirchliche Archive. Wir arbeiten mit dem Ziel, das Archivwesen in Mitverantwortung für das kulturelle Erbe auf allen Ebenen zu fördern. Es gilt, den Professionalisierungsschub der letzten Jahrzehnte mitzunehmen und auszubauen. In Zeiten schwindender Erinnerungskultur hilft der Verband dabei, kirchliche Identitäten für die Zukunft zu sichern. Herr Prof. Dr. Hey hat bis zu seiner Pensionierung tatkräftig im Verband mitgewirkt. Als ich 1994/95 in die Verbandsleitung kooptiert wurde, habe ich Bernd Hey als sehr aktiven und hilfsbereiten Kollegen schätzen gelernt. Kennen gelernt habe ich ihn schon ein paar Jahre früher. Die Archivreferendare des Staatsarchivs Detmold hatten das Landeskirchliche Archiv Bielefeld im Rahmen ihrer Ausbildung als kirchliches Vorzeige-Archiv besucht und einen sehr beeindruckenden Archivleiter erlebt. Es ist sehr schade und traurig, dass Herr Hey heute bei der Eröffnung nicht mehr dabei ist. Das neu gebaute, moderne Archivzentrum, ein Null-Emissions-Haus mit Platz für 22 laufende Kilometer Archivgut und guten klimatischen Bedingungen hätte ihm sicherlich gefallen. Es handelt sich
übrigens um den dreizehnten und vierzehnten Archivneu- oder -umbau eines
evangelischen landeskirchlichen Archivs der letzten 20 Jahre: Und was machen wir dann? Dann, wenn alle kirchlichen Archive bautechnisch perfekt ausgestattet sind? Keine Angst, dann sind wir nicht arbeitslos, dann widmen wir uns noch intensiver unserem Lieblingsprojekt, einem Kirchenbuchportal im Internet, natürlich – wie Sie sich denken können – öffentlich, digital und professionell. Und an dieser Stelle schaue ich intensiv zu Herrn Winterhoff, dem juristischen Vizepräsidenten der Evangelischen Kirche von Westfalen, der ja auch EKD-Funktionen wahrnimmt ... Ich wünsche Ihnen beiden, liebe Frau Stockhecke und lieber Herr Murken und Ihren Teams eine gute Zeit in den neuen Räumlichkeiten und erfolgreiches Arbeiten! Bettina Wischhöfer Professor Dr. Bernd Hey ist tot. Der langjährige Leiter des Landeskirchlichen Archivs Bielefeld verstarb im Alter von 68 Jahren Professor Dr. Bernd Hey ist tot: Der langjährige Leiter des Landeskirchlichen Archivs Bielefeld verstarb am Donnerstag, 27. Januar, im Alter von 68 Jahren in Bielefeld. Präses Alfred Buß würdigte ihn als „leidenschaftlichen Historiker“, der die landeskirchliche Archivarbeit mit Kompetenz und Engagement weit über die landeskirchlichen Grenzen hinaus geprägt habe. Durch persönlichen Einsatz und den Dialog sowohl in der Kirche als auch mit Wissenschaft und breiter Öffentlichkeit hat Bernd Hey einen wichtigen Beitrag zu einer geschichtlich verantworteten Präsenz der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) geleistet. Seit 1985 bis zu seinem Ruhestand im Mai 2007 stand der Historiker an der Spitze des Landeskirchlichen Archivs. Geboren und aufgewachsen in Bielefeld, studierte Hey an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster Geschichte, Germanistik, Publizistik, Philosophie und Pädagogik. Nach Referendariat und Dissertation arbeitete er als Wissenschaftlicher Assistent an der Pädagogischen Hochschule und Universität Bielefeld. 1980 folgten die Habilitation in Geschichte und ihre Didaktik an der Universität Bielefeld sowie die Berufung zunächst zum Privatdozenten, 1984 zum Professor. 1985 wechselte Bernd Hey als Direktor an das Landeskirchliche Archiv. Lehraufträge an der University of Illinois/USA und in Potsdam sowie zahlreiche Veröffentlichungen runden seine wissenschaftliche Tätigkeit ab. Hey war von 1997 bis 2009 auch Vorsitzender des Vereins für Westfälische Kirchengeschichte. Als Nachlassverwalter hat er darüber hinaus einen wesentlichen Beitrag zur Rehabilitierung und Anerkennung von Kurt Gerstein geleistet, der als Christ innerhalb der SS Widerstand gegen das Naziregime leistete. EKvW 19. Tagung der süddeutschen Kirchenarchive in Frankfurt am Mai am 17./18. Mai 2010 Zur 19. Tagung der süddeutschen Kirchenarchive trafen sich Archivarinnen und Archivare aus 15 Archiven in der Evangelischen Stadtakademie Frankfurt. Die insgesamt 32 Teilnehmenden folgten zum dritten Mal in der Geschichte der süddeutschen Tagungen einer Einladung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. In ihrem Grußwort nahm die Leiterin der Kirchenverwaltung, Frau Oberkirchenrätin Sigrid Bernhardt-Müller auf den gegenwärtigen Reformprozess in den beiden hessischen evangelischen Landeskirchen Bezug, der unter anderem neue Modelle der Kooperation erzeuge. Gerade in dieser Situation seien Identität und Selbstvergewisserung, die sich aus der Geschichte speisten, wichtige Faktoren, die in den Kommunikationsprozessen beachtet werden müssten. Dies gelte gerade auch für Frankfurt mit seiner Kirchenlandschaft in der Großstadt. Anschließend begrüßte Ute Knie, die Leiterin der Evangelischen Stadtakademie, die Gäste. Sie stellte die besonderen Aufgaben einer Stadtakademie im großstädtischen Kontext dar, die sich im Spannungsfeld von Kultur, Religion und städtischem Umfeld positioniere. Nicht von ungefähr nimmt die Adresse der Einrichtung „Römer 9“ auf den Römerbrief Bezug. Das eigentliche Tagungsprogramm eröffnete Gerlind Lachenicht vom Landeskirchlichen Archiv Berlin mit ihrem Projektbericht über die Entwicklung einer Erinnerungskultur mit Hilfe ehrenamtlicher Kräfte. Im Mittelpunkt der inhaltsreichen und eindrucksvollen Darstellung standen Erfahrungen in den Projekten „NS-Zwangsarbeit“ und „Christen jüdischen Herkunft im Nationalsozialismus“. Gerlind Lachenicht machte deutlich, dass es in beiden Projekten eine starke Wechselwirkung zwischen engagierter Basis und Impulsen aus der Kirchenleitung gegeben habe. Insbesondere der Aufruf Bischof Hubers zum Gedenken an die Christen jüdischer Herkunft habe einen nachhaltigen Impuls erzeugt. Am zweiten Projekt waren 12 Berliner Gemeinden beteiligt, die zunächst die Taufbücher von 1865 bis in die 1940er Jahre als grundlegende Quelle auswerteten. Indikator für eine Aufnahme in die Liste war der Zusatz „mosaisch“ bei den Eltern von Täuflingen. Insgesamt konnten 4.000 Personen ermittelt werden. In dem 2008 publizierten Gedenkbuch „Evangelisch getauft – als Juden verfolgt“ werden die Lebenswege dieser Menschen dokumentiert. Die traumatischen
Erinnerungen überlebender Christen jüdischer Herkunft führen auch die
Projektbeteiligten oft an ihre Grenzen. Da immer mehr Berliner
Kirchengemeinden seit 1935 Taufverbote für jüdische Mitbürger aussprachen,
fanden Taufen häufig in der Messiaskapelle statt, eine Einrichtung der so
genannten „Judenmission“. Insgesamt 700 Taufen konnten dort belegt werden.
Nach einem Eigentümerwechsel wurde der denkmalgeschützte Gebäudekomplex, in
dessen Hinterhaus die Messiaskapelle liegt, im April 2009 für eine Sanierung
geschlossen, die aber derzeit noch nicht begonnen hat. Die lebendige
Erinnerungskultur an diesem Ort musste deshalb vorläufig eingestellt werden.
Seit 2001 besteht eine Arbeitsgemeinschaft Berliner Kirchengemeinden, die während der Zeit des Nationalsozialismus Zwangsarbeiter beschäftigt haben. Hier wird eine besondere Erinnerungs- und Versöhnungsarbeit geleistet. Ein wichtiges Ergebnis ist die Publikation „Zwangsarbeit in Kirche und Diakonie. Spezialinventar zu den Quellen in Archiven Berliner Kirchengemeinden 1939-1945 (=Archivbericht Beiheft Nr. 63)“. Die Bedeutung des ehrenamtlichen Engagements sieht Gerlind Lachenicht insbesondere in den vielfältigen Lernerfahrungen, in einer Vernetzung der Gemeinden und in der ganz persönlichen Biographiearbeit einzelner. In beiden Projekten hätten sich Ehrenamtliche als wertvolle Träger eines Prozesses von Erinnerungskultur und Identitätssuche erwiesen. In Ergänzung des Vortrags aus Berlin wies Holger Bogs, Leiter des Zentralarchivs der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), auf den Vorbildcharakter des Berliner Projektes für Fortführung und Ertragssicherung des von EKHN und EKKW gemeinsam durchgeführten wissenschaftlichen Projektes „Die hessischen Kirchen und ihr Umgang mit Christen jüdischer Herkunft während der NS-Zeit“ in Kirchengemeinden, insbesondere in Frankfurt am Main hin. Der erste Tag wurde abgerundet durch eine historische Stadtführung und einen Besuch im Bibelhaus Erlebnismuseum, das alle Teilnehmenden zum interaktiven Besuch der Ausstellung „Judäa und Jerusalem. Leben in römischer Zeit“ einlud. Den Ausklang bildete ein gemeinsames Abendessen in einem Restaurant in Sachsenhausen, zu dem die gastgebende EKHN einlud. Der zweite Sitzungstag wurde von Ute Dieckhoff vom Zentralarchiv der EKHN eröffnet. Sie referierte über „Kirchliche Oberbehörden und Territorien am Beispiel der EKHN und ihrer Vorgängerkirchen“. Der Überblick über die territoriale und administrative Entwicklung der Evangelischen Landeskirchen, aus denen die EKHN 1947 entstand – Hessen(-Darmstadt), Nassau und Frankfurt am Main – wurde ergänzt durch den Hinweis auf die entsprechend verschiedenen Verwaltungstraditionen verhafteten Archivbestände. Infolge des Zweiten Weltkrieges sind starke Verluste in der Überlieferung eingetreten. Eine Hilfe bei der Orientierung bieten die Online-Findbücher, die auf der Homepage des Archivs (www.ekhn.de) und im Archivportal unter ekhn-zentralalarchiv.findbuch.net eingesehen werden können. Anschließend stellte Anette Neff unter dem Titel „Verba sacra. Zeitzeugenschaft im kirchlichen Kontext“ die im Zentralarchiv der EKHN zumeist systematisch erstellten und archivierten Zeitzeugenberichte vor. Dabei handelt es sich um Lebensberichte kirchlich engagierter Menschen aus verschiedenen Projekten. Inzwischen sind über 100 Tondokumente vorhanden, wobei sich die Länge der Interviews zwischen 40 Minuten und 16 ½ Stunden bewegt. Die im Zentralarchiv verorteten Projekte sind den wissenschaftlichen Grundsätzen der Oral History verpflichtet. Besonders das Herzstück dieser Interviews, die 50 Lebensberichte aus dem Projekt “Erzählte Geschichte der EKHN“ bieten eine wichtige Ergänzung zur amtlichen Überlieferung. Die Bandbreite der Themen umfasst Kirchenkampf in Wiesbaden, Evangelische Frauenhilfe, Kirche und Politik, Kriegserlebnisse von Pfarrern, Zwangsarbeit und die EKHN im Fokus der DDR-Staatssicherheitsbehörden 1949-1990. Die interviewten Einzelpersonen sind zu 60% männlich und zu 40% weiblich. Als Interviewtechnik wird das halboffene, narrative Interview mit Leitfragen angewandt. Die lebensgeschichtlichen Interviews sind auf eine Zweitverwertbarkeit angelegt, das heißt die hier erzeugten Quellen sollen zu vielfältigen Forschungszwecken herangezogen werden können. Alle Interviews werden digital aufgezeichnet, in den PC überspielt und verschriftet. Innerhalb des Teams besteht eine Vereinbarung über die Grundsätze der Verschriftung, wobei Einvernehmen darüber herrscht, dass die Transkription das geführte Gespräch nicht ganzheitlich abbilden kann. Beide Versionen, die mündliche und die schriftliche, werden daher archiviert. An zahlreichen Beispielen belegte Anette Neff die Sensibilität, die eine Gesprächsführung erfordert, wenn das Gespräch gewinnbringend sein soll. Die lebhafte Diskussion im Anschluss an alle Vorträge der Tagung belegte die Bedeutung der Projektarbeit in Archiven. Die nächste Tagung der süddeutschen Kirchenarchive wird nach derzeitigem Planungsstand am 9./10. Mai 2011 auf Einladung der Württembergischen Landeskirche in Stuttgart stattfinden. 2012 wird die Südschienentagung voraussichtlich Gast der Evangelischen Kirche im Rheinland sein. Gabriele Stüber, Speyer Grußwort
des Verbands kirchlicher Archive zum 20. Norddeutschen Kirchenarchivtag in
Oldenburg am 31. Mai und 1. Juni 2010 nach Zinnowitz 2007 (ausrichtendes Archiv war damals das Landeskirchliche Archiv der Pommerschen Evangelischen Kirche), Düsseldorf 2008 (Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland) und Hildesheim 2009 (Landeskirchliches Archiv der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers) treffen sich die norddeutschen Kirchenarchive in diesem Jahr in Oldenburg. Ausrichtendes Archiv ist diesmal das Archiv des Evangelisch-Lutherischen Oberkirchenrats. Nach zwei großen kirchlichen Archiven sind wir diesmal wieder zu Gast bei einem kleinen Archiv. Die großen wie die kleinen Archive haben ein breites Spektrum an Archivarbeit zu bedienen. Es sind eben nicht nur die Kernaufgaben Aufbewahren, Sichern, Erschließen zu erledigen, sondern es ist zunehmend auch den digitalen Herausforderungen zu begegnen. Der Benutzer versteht sich als Kunde und möchte auch so „bedient“ werden. Das hiesige Archiv des Evangelisch-Lutherischen Oberkirchenrats unter der Leitung von Karen Jens befindet sich da auf einem guten Weg. Der Verband kirchlicher Archive bietet ein gutes Netzwerk - 65 Mitgliedsarchive weist unsere Website www.evangelische-archive.de aktuell aus. Der Verband erfüllt Aufgaben, die von einzelnen kirchlichen Archiven nicht geleistet werden können: etwa bei der Klärung von Grundsatzfragen. Aktuell ist eine EKD-Empfehlung in Kassationsfragen auf dem Weg zur EKD-Kirchenkonferenz. Das Groß-Projekt des Verbands, das Kirchenbuchportal, ist ebenfalls auf dem Weg in die EKD-Kirchenkonferenz. Wir sind guten Mutes, mit Unterstützung der EKD in den nächsten Jahren ein marktreifes Portal mit digitalisierten Kirchenbüchern zu etablieren, in dem dann nicht nur die großen kirchlichen Archive vertreten sind, sondern eben auch die mittleren und kleinen vorkommen. Der Verband bemüht sich in diesem Projekt auch um die Einbindung der katholischen Archive und um eine internationale Anbindung (www.matricula-online.eu). Erste Erfolge finden alle Interessierten unter www.kirchenbuchportal.de mit den Visitenkarten von aktuell 31 Archiven und den Kirchenbuchmetadaten von immerhin sieben Archiven. Am Ende soll ein Portal stehen, das Digitalisate für den interessierten Kunden verfügbar hält, und zwar unter Wahrung der Rechte an den Quellen und den digitalisierten Kirchenbüchern. Wie gesagt, die Existenzberechtigung des Verbandes basiert auf Projekten wie den eben skizzierten. Kooperation und aktive Teilnahme ist dabei (über)lebensnotwendig – her wie hin. Das Archiv des Oberkirchenrats Oldenburg ist gut in den Verband integriert wie der gerade stattfindende 20. Norddeutsche Kirchenarchivtag anschaulich demonstriert. Der Verband ist auch gern beratend behilflich, sollten die Pfarrarchive der 117 Kirchengemeinden und die Archive der sechs Kirchenkreise in einem angedachten kirchlichen Zentralarchiv untergebracht werden. Dass sich das hiesige Archiv natürlich auch Partner vor Ort sucht, etwa das Niedersächsische Staatsarchiv Oldenburg, um beim Tag der Archive präsent zu sein, ist schon in Ordnung – dabei sollte es dann aber auch bleiben... Ich möchte mich zum Schluss ganz herzlich bei Frau Jens und allen, die an der Vorbereitung und Durchführung der Tagung beteiligt waren, bedanken. Mein Dank geht auch an Herrn Oberkirchenrat Friedrichs, der heute die Kirchenleitung vertritt, für die Ausrichtung des Empfangs der Evangelisch-lutherischen Kirche in Oldenburg. Bettina Wischhöfer Kulturarbeit evangelischer Archive und Bibliotheken. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft der Archive und Bibliotheken in der evangelischen Kirche (Güstrow, 5.-7. Mai 2010) 53 Vertreter und Vertreterinnen kirchlicher Archive und Bibliotheken und ihrer Trägereinrichtungen reflektierten auf der Gesamttagung der Arbeitsgemeinschaft der Archive und Bibliotheken in der evangelischen Kirche in Güstrow vom 5. bis 7. Mai 2010 intensiv die kulturelle Bedeutung ihrer Arbeit. Praxisberichte zeigten eindrucksvolle Beispiele für die Teilhabe von Bibliotheken und Archiven an der kirchlichen Kulturarbeit. Allerdings wird dieser Aspekt ihrer Arbeit gern ignoriert, ja ihre Notwendigkeit mitunter in Frage gestellt.
Abb.: Tagung
Arbeitsgemeinschaft Archive und Bibliotheken 7. Mai 2010 in Güstrow, In seinem einleitenden
Vortrag „Archive und wissenschaftliche Bibliotheken als Teil kirchlicher
Kultur“ setzte Dr. Hans Otte, Landeskirchliches Archiv Hannover, sich
zunächst mit der Infragestellung durch die „Sparfüchse“ auseinander. Dem
„Totschlagargument“, die Unterhaltung von Archiven und Bibliotheken gehe in
wirtschaftlich schwierigen Zeiten zu Lasten der Verkündigung, liegt ein zu
enges Verständnis von Verkündigung zu Grunde. Denn Verkündigung kann in
unterschiedlichen Formen unter unterschiedlichen Handlungsbedingungen
geschehen. Kirchliche Archive und Bibliotheken ermöglichen gerade
kirchenfernen Besuchern einen offenen Zugang zum kirchlichen Handeln und zum
Evangelium. So könne – frei nach Luther - der Heilige Geist auch in Archiven
und Bibliotheken erfahren werden. Hierfür ist natürlich ein positiver
Eindruck des Benutzers Voraussetzung, beginnend mit einer angemessenen
Ausstattung der Leseräume und höflichem Umgang der Mitarbeiter untereinander
und mit Benutzern. Die Benutzerinnen und Benutzer müssen sich –
einschließlich der Familienforscher – willkommen fühlen. Kirchenarchive sind
eine unaufgebbare Voraussetzung der Bewahrung kirchlicher Tradition. „Die
Fürsorge für die eigene Tradition ist tief im Christentum verankert.“ Immer
wieder wurden der Rückgriff auf die Heilige Schrift und auf die Tradition
zum Movens geistlicher Neuerungsbewegungen. Die Landeskirchen vergewissern
sich ihres Ursprunges aus der Reformation. Auch eine Kirchengemeinde kann es
sich nicht erlauben, ihre historische Verankerung zu ignorieren. Deshalb
bedarf sie unbedingt eines Kirchengemeindearchivs. Allerdings bedürfen die
Pfarrer für die Ordnung und Nutzung ihres jeweiligen Archivs unbedingt der
kompetenten Unterstützung durch die Archivare, denn paläographische
Kenntnisse können nicht von ihnen erwartet werden. Unentbehrlich für
Kirchengemeindearchive ist auch die fachkundige Bewertung und Kassation
durch Archivare. Die Notwendigkeit der Kassation begründete Otte mit einem
Zitat Niklas Luhmanns: „Sinn stellt sich erst durch die Reduktion von
Komplexität her.“ Bewertung kirchlichen Schriftguts setzt allerdings auch
Kenntnis kirchlicher Verwaltungsgeschichte voraus, die in der Regel nur
Kirchenarchivare haben. Otte illustrierte das am Verlust zentraler
Überlieferung zur Geschichte der Ev.-Luth. Landeskirche Schaumburg – Lippe
durch Kassationen in deren Depositalbestand durch das verwahrende
Staatsarchiv. Eine Einführung in kirchliche Strukturen und Begriffe durch
einen kompetenten Archivar ist auch für kirchenferne Studierende
unentbehrlich. Archivarinnen und Archivare müssen in ihrer
Beratungstätigkeit Orientierung anbieten, ohne allerdings Fehler und Schuld
in der Vergangenheit schönzureden oder zu leugnen. Die kommunikative Funktion
kirchlicher Archive und Bibliotheken betonte Klaus-Dieter Kaiser,
Evangelische Akademie Mecklenburg-Vorpommern, in seinem Vortrag
„Auferstehung geschieht im Zeigen. Kunst in der Kirche zwischen Archivieren
und Inszenieren“. In Bibliothek oder Archiv entstehe ein Kosmos, der einen
Dialog mit Abwesenden ermögliche. Voraussetzung sei, dass das Archiv nicht
zum „Friedhof der Dinge“ (Boris Groys) werde, sondern Korrespondenzen und
Strukturen herstelle, die neue Einsichten ermöglichen. Kaiser übertrug das
von Albrecht Grözinger für das Pfarramt postulierte „Amt der Erinnerung“
[Albrecht Grözinger, Das Amt der Erinnerung – Überlegungen zum künftigen
Profil des Berufs der Pfarrerinnen und Pfarrer, in: Ders., Die Kirche – ist
sie noch zu retten? Anstiftungen für das Christentum in postmoderner
Gesellschaft, Gütersloh ²1998, S. 134-141] auch auf kirchliche Archive und
Bibliotheken. Als Orte der Traditionssicherheit könnten sie über
Zeiterfahrungen hinweg das Gespräch mit den Toten ermöglichen. Die Ausübung
des Amtes der Erinnerung koste Geld. Zu berücksichtigen sind aber soziale
Konsequenzen des Archivierens, das auch zu einer Sammlung von Menschen
führe. Abschließend schilderte Kaiser die widerständigen Funktionen
kirchlicher Kulturarbeit unter den Bedingungen des real existierenden
Sozialismus. Die Kulturarbeit der Archive und Bibliotheken der katholischen Kirche in Mecklenburg wird angeleitet und unterstützt vom Heinrich-Theißing-Institut in Schwerin. Wie dessen Leiter Dr. Georg Diederichs erläuterte, ist dieses Institut mit seinen vielfältigen Funktionen in der katholischen Kirche in Deutschland „ein Experiment.“ Das Institut hat als Dokumentationszentrum für Kirchen- und Zeitgeschichte die Aufgabe, die mecklenburgische Kirchengeschichte in der Zeit der Diktaturen darzustellen. Die Archivarin des Instituts leitet die Pfarreien beim Ausbau ihrer Archive an. Ebenso unterstützt es die Pfarreien bei Ausstellungsprojekten. Zum Institut gehört auch ein Verlag. Diederichs stellte die Ausstellungsprojekte zur Historischen Bibliothek St. Anna vor, der von ihm wiederentdeckten Bibliothek des Proseminars der Jesuiten in Schwerin aus dem 18. Jahrhundert. Beispiele aus der Praxis ihrer Kulturarbeit stellten am 6. Mai die Landeskirchliche Zentralbibliothek Stuttgart, das Zentralarchiv der Ev. Kirche der Pfalz, Speyer, das Nordelbische Kirchenarchiv Kiel gemeinsam mit dem Landeskirchlichen Archiv Schwerin, die Bibliothek der Theologischen Hochschule Friedensau und die Nordelbische Kirchenbibliothek, Hamburg, vor. Anlass der Stuttgarter Ausstellung „Aus dem Staube gezogen- zum Schmuckstück gemacht“ war die Schenkung einer eigens restaurierten Dillher-Bibel aus dem Jahr 1690 durch den früheren Schuldekan Dietrich Elsner. Dr. Andreas Lütjen hatte zu seiner Präsentation den Band mitgebracht, in dem die Restauratoren Arbeitsschritte der Restaurierung für die Ausstellungsbesucher durch eingeklebte Materialien wie z.B. Japanpapiere, aber auch vorgefundene Schädlinge anschaulich dokumentiert hatten. Außer in diesem Band durften die Besucher selbst in der restaurierten Bibel und in noch zu restaurierenden Bänden blättern. Die Ausstellung wurde im Lesesaal gezeigt. Dr. Julia Hamelmann stellte mit der Ausstellung „Gesangbücher – „Weggefährten des Glaubens“ die Konzeption für die Ausstellungsarbeit des Ev. Zentralarchivs Speyer vor. Grundsätzlich werden Ausstellungen zu übergreifenden Themen angeboten, keine expliziten Archivalienausstellungen. Zur Verfügung stehen 12 Tafeln im Format 83x83 cm in weißen Wechselrahmen mit Licht- und UV-Schutz, zwei Tischvitrinen und eine Hochvitrine. Die Tafeln gestaltet das Archiv gemeinsam mit einem Designer. In den Vitrinen werden Archivalien gezeigt, Die Ausstellungen sind von vornherein als Wanderausstellungen so konzipiert, dass die Wandtafeln auch ohne die Archivalien verständlich sind, zugleich aber auch durch eigene Archivalien des Entleihers ergänzt werden können. Die Kosten pro Ausstellung belaufen sich auf 4000 bis 5000 €. Die Gemeinden zahlen für die Ausleihe 130 €. Auf Initiativen der jeweiligen Landessynode geht die Wanderausstellung „Kirche, Christen und Juden 1933-1945“ zurück, die von 2001 bis 2007 in Nordelbien gezeigt wurde und ab Herbst 2007 in einer Fassung des Landeskirchlichen Archivs Schwerin zwei Jahre in Mecklenburg zu sehen war. Ihr Thema ist das Schweigen der evangelischen Kirche und ihrer Glieder angesichts der Judenverfolgung, nicht die neuerliche Darstellung des sog. Kirchenkampfs. Dies veranschaulichen Biographien von Opfern, Tätern und Menschen, die sich der Judenverfolgung widersetzten. In der Präsentation von Dr. Annette Göhres, Kiel, beeindruckte, wie realistisch die Konzeption auf die Gegebenheiten in Kirchengemeinden ausrichtet ist. So werden z.B. die Zeittafelnschilder in die Bankreihen geklebt. Das Ziel, in den Kirchenkreisen zu einer vertiefenden Beschäftigung mit dieser Problematik anzuregen, wurde über ein lokales Fenster zu den Ereignissen im jeweiligen Kirchenkreis erreicht. Bei ihrer Bewerbung um die Wanderausstellung mussten die Kirchenkreise eine Arbeitsgruppe zur Darstellung ihrer eigenen Geschichte im lokalen Fenster und ein Vortragsprogramm vorweisen. Auf diese Weise waren in Nordelbien knapp 1000 Menschen an der Vorbereitung der Ausstellungen beteiligt; weitere wurden über die zu den biographischen Stationen ausliegenden Dialogbücher aktiv miteinbezogen. Die Hauptlast trug im Wortsinn das Team des Nordelbischen Kirchenarchivs, das Außenlogo und Freischwinger – angefertigt in der Metallwerkstatt der Justizvollzugsanstalt Kiel – von Ort zu Ort schleppen musste. Die Ergebnisse des Projektes dokumentieren Veröffentlichungen und die Website http://www.kirche-christen-juden.org. Die Übernahme der Ausstellung in die Ev.-Luth. Landeskirche Mecklenburgs war nur mit ausführlichen Ergänzungen zur kirchlichen Zeitgeschichte in Mecklenburg möglich, wie Dr. Johann Peter Wurm, Schwerin, schilderte. Sie erarbeitete das Landeskirchliche Archiv Schwerin innerhalb von vier Monaten gemeinsam mit dem Leiter des Stadtarchivs Schwerin, Dr. Bernd Kasten. Neu eingefügt wurde eine Abteilung zur mecklenburgischen Sippenkanzlei, die „die Mittäterschaft der Kirche bei der Erbringung der Ariernachweise“ thematisiert. 20 Personen aus der Ev.-Luth. Landeskirche Mecklenburgs wurden exemplarisch mit Kurzbiografien, Quellentexten und Fotos auf je einem Faltblatt vorgestellt. Diese Faltblätter zum Mitnehmen ergeben den Katalog. Vitrinen und Freischwinger wurden in Kiel ausgeliehen. Zeittafeln im Format DIN A 2 werden auf leichten, mit Stoff überzogenen Hartschaumtafeln mit Kreppfolien angebracht. An der Ausstellungseröffnung im Schweriner Dom beteiligte sich auch der Landesrabbiner mit einem Grußwort. Die mecklenburgische Ausstellung richtet sich primär an die Gemeinden. In beiden Bundesländern wurde „Kirche, Christen und Juden 1933-1945“ auch im jeweiligen Landtag gezeigt. Eine Erkrankung hinderte Ralph Köhler, Friedensau, an der Teilnahme an der Tagung. Seinen Beitrag „Kleine Ressourcen – großer Effekt“ über Einsätze von Teilnehmern am Freiwilligen Sozialen Jahr Kultur in der Bibliothek der Hochschule der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten präsentierte Armin Stephan, Augustana-Bibliothek, Neuendettelsau. Möglichkeiten des Fundraisings auf lokaler Ebene schilderte Dr. Joachim Stüben, Hamburg, in seinem Vortrag „Konzert- und Vortragsveranstaltungen im Rahmen von Fundraisingprojekten“. Am Beispiel ausgewählter Benefizveranstaltungen im Rahmen der Restaurierungsprojekte „Breitenberger Predigerbibliothek“ und „Wöhrdener Bücher“ führte er aus, worauf zu achten ist, wenn sich ein Ort oder eine Region die Restaurierung von Büchern oder Archivalien zu Eigen machen und auch private Spender aktiviert werden sollen: Die zu restaurierenden Objekte wie – in einer späteren Phase – die erfolgreich restaurierten müssen vor Ort im Original präsentiert werden. (Die Wöhrdener Wirtschaftsbücher wurden am Sitz des Propstes, im Dom zu Meldorf, vorgestellt.) Kirchengemeinde, ggf. auch Kirchenkreisvorstand und Propst, müssen von der kulturpolitischen Bedeutung des Projekts überzeugt werden. Die Zuwendungen regionaler Körperschaften wirbt eher der Ortspfarrer ein, überregionale Stiftungen werden u. U. eher über eine landeskirchliche Einrichtung erreicht. Die Benefizveranstaltungen müssen in einem geistlichen Rahmen stehen, z.B. durch die Lesung des Tagesevangeliums. Rede – und Musikbeiträge müssen gut gegeneinander abgestimmt werden. Die Musikstücke dürfen nicht zu lang und müssen abwechslungsreich sein. Reden und Vorträge zu den beworbenen Objekten sind in verständlichem Deutsch und überschaubarer Länge zu halten. Günstig wirkt die Verbindung eines Wortbeitrags mit der Überreichung eines Schecks. Die Veranstaltungsbesucher wollen erfahren, wie sie die Restaurierung konkret unterstützen können. Die an der Restaurierung beteiligten Firmen erhalten die Gelegenheit sich vorzustellen. Zum Abschluss der Veranstaltung wird um eine Spende am Ausgang gebeten. Dr. Jens Murken, Landeskirchliches Archiv Bielefeld, konnte aus dringenden familiären Gründen das 2009 eröffnete Kulturzentrum „Martin Luther Forum Ruhr“ in Gladbeck nicht selbst vorstellen; sein Manuskript trug Anja Emmerich, Bibliothek des Landeskirchenamts Bielefeld, vor. Das Martin Luther Forum Ruhr, Bestandteil des Programms der Kulturhauptstadt Ruhr 2010, wird von einem gleichnamigen, von Privatpersonen gegründeten Verein unterhalten, dem auch die Ev.-Luth. Kirchengemeinde Gladbeck und der Kirchenkreis Gladbeck-Bottrop-Dorsten angehören. Neben Gesprächsabenden zu gesellschaftspolitischen Themen und kulturellen Angeboten präsentiert das unabhängige Bürgerforum seit April 2010 eine Dauerausstellung „Reformation und Ruhrgebiet“, die die Auswirkungen der Reformation bis in die Gegenwart verfolgt. Am Donnerstagnachmittag fanden die Mitgliederversammlungen und die Sitzungen der Verbände statt. Den neu gewählten Vorstand bilden: Vorsitzender: Dr. Michael Häusler, Archiv und Bibliothek des Diakonischen Werkes der EKD, Berlin; Stellvertreterinnen: Anja Emmerich, Bibliothek des Landeskirchenamts Bielefeld, und Dr. Bettina Wischhöfer, Landeskirchliches Archiv Kassel; weitere Vorstandsmitglieder: Jürgen Drechsler, Landeskirchenamt Hannover, Dr. Stefan Flesch, Landeskirchliches Archiv Düsseldorf, Rainer Gritzka, Kirchenamt der EKD, Hannover, Timo Koch, Landeskirchenamt Kassel, Renate Kuffart, Evangelische Hochschule Ludwigsburg, Rainer Rausch, Ev. Oberkirchenrat Schwerin, Armin Stephan, Augustana-Bibliothek, Neuendettelsau und Dr. Johann Peter Wurm, Landeskirchliches Archiv Schwerin. Am 7. Mai informierten Dr. Gabriele Stüber, Zentralarchiv der Ev. Kirche der Pfalz, Speyer und Dr. Bettina Wischhöfer, Landeskirchliches Archiv Kassel, über „Aktuelle Entwicklungen im Projekt ‚Kirchenbuchportal’“. Seit der Fachtagung zur Kirchenbuchnutzung 2006 entwickelte sich das Vorhaben eines Kirchenbuchportals rasant. Bereits seit 2007/8 sind Visitenkarten beteiligter evangelischer und katholischer Kirchenarchive im Kirchenbuchportal nutzbar, seit 2010 werden auch Metadaten zu Kirchenbüchern in das Portal eingestellt. Gepflegt wird es von Dr. Jens Murken, Landeskirchliches Archiv Bielefeld. In den Arbeitsgruppen, die die juristischen, technischen und betriebswirtschaftlichen Fragen prüfen, ist mehr als die Hälfte der Mitglieder der Leitung und des Wissenschaftlichen Beirats des Verbandes kirchlicher Archive engagiert; die EKD finanzierte das Geschäftsmodell. Über die einzelnen Phasen des Projekts wurde in Fachzeitschriften und auf Tagungen ausführlich berichtet. Nunmehr prüft die EKD die Möglichkeit einer Anschubfinanzierung für das Kirchenbuchportal, das sich drei Jahre nach dem Start über Gebühren selbst tragen soll. In das Portal sind allein 200.000 evangelische Kirchenbücher digitalisiert einzustellen, im ersten Jahr 20.000. Das Kirchenbuchportal wird Genealogen wie Wissenschaftlern die Benutzung der Kirchenbücher nicht nur erleichtern, sondern auch strukturierte und zutreffende Metadaten bieten – im Unterschied zu anderen Anbietern genealogischer Daten. Im Portal bleibt das eignende und betreuende Kirchenarchiv mit seiner Kompetenz sichtbar. Der Download der abgebildeten Seiten wird ausgeschlossen. Personaleinsparungen wird das Kirchenbuchportal nicht ermöglichen, aber die überlasteten Archivarinnen und Archivare für andere Aufgaben freistellen. Das erste gemeinsame Projekt beider Verbände der Arbeitsgemeinschaft stellte Dr. Onno Frels, Hochschul- und Landeskirchenbibliothek Wuppertal, vor: die „Digitale Bibliothek Kirchenkampf.“ Die Auseinandersetzungen innerhalb der evangelischen Kirche in der NS-Zeit werden in einer Fülle von Kleinschriften der Bekennenden Kirche, der Deutschen Christen und der Deutschen Glaubensbewegung dokumentiert: Synodalprotokolle der Bekennenden Kirche, Vorträge, Predigten, Broschüren zur Darstellung der eigenen Position wie der des Gegners. Dieses Schrifttum ist vom Säurefraß bedroht, über viele Bibliotheken und Archive zerstreut und häufig unzulänglich katalogisiert. Diese unersetzlichen Quellen soll die die Digitale Bibliothek sichern und besser zugänglich machen. Ihr Konzept wird von Dr. Frels, Dr. Christa Stache, Evangelisches Zentralarchiv in Berlin, und Dr. Murken erarbeitet. Die Ziele der Digitalen Bibliothek: 1. Bestandsnachweis über Titelnachweis mit inhaltlicher Erschließung im WEB-OPAC des Virtuellen theologischen Katalogs, 2. Bestandsschonung, 3. Informationssicherung, 4. Benutzung, 5. Öffentlichkeitsarbeit. Die Informationen werden über die Digitalisierung gesichert; die Originale können nicht erhalten werden. Damit stellt sich allerdings das Problem der dauerhaften Aufbewahrung digitaler Unterlagen. Die Katalogisierung schließt den vollständigen Besitznachweis ein. Zuerst werden die Zeitschriften der Einrichtungen mit den größten Beständen digitalisiert, dann deren übrige Schriften. Die kleineren Einrichtungen müssen nur noch ihr Sondergut einbringen. Mittelfristig ist die Kooperation mit staatlichen Einrichtungen anzustreben, die über entsprechende Bestände verfügen. Die genauen Arbeitsschritte und Konzepte zur Finanzierung werden noch erarbeitet. Die urheberrechtlichen Fragen werden gemeinsam mit dem Deutschen Bibliotheksverband geprüft. Das Projekt fand begeisterte Zustimmung bei den Teilnehmenden, die sich sofort mit Fragen zur Umsetzung einbrachten. Dr. Otte machte darauf aufmerksam, dass die zeitgeschichtliche Forschung den Begriff „Kirchenkampf“ auf die Zeit 1933/34 eingeengt hat. Auch sollten seines Erachtens auch die Publikationen der DC aus den späten 1920er Jahren einbezogen werden. Die genaue bibliografische Identifizierung der jeweiligen Schriften ist nach der Erfahrung mehrerer Teilnehmerinnen so schwierig, dass sie mitunter Forschungsarbeit erfordert. Als Hilfsmittel zur Verschlagwortung und Ermittlung der Titel empfahl Frels einen Katalog aus dem Saur-Verlag: „Der Kirchenkampf: the Gutteridge-Micklem Collection at the Bodleian Library, Oxford. – London [u.a.] : Saur, [ca. 1988], 55 S.“ Für die Ermittlung des Gesamtvolumens wird die Arbeitsgruppe einen Fragebogen an alle Bibliotheken und Archive der Arbeitsgemeinschaft versenden. Anschließend werden die konkreten Vorgaben für die Katalogisierung festgelegt. Voraussichtlich wird für das Projekt eine Anschubfinanzierung der EKD erbeten werden müssen. Die Dokumentierung und Erforschung der kirchlichen Zeitgeschichte muss mit dem Bemühen um die Erinnerungskultur verbunden werden. Dies zeigte der Vortrag von Dr. Wolfgang Krogel, Landeskirchliches Archiv Berlin, „Kirchengeschichte und Erinnerungskultur in der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.“ In der Arbeit der Arbeitsgemeinschaft bzw. des Vereins für Berlin-Brandenburgische Kirchengeschichte war für Aktivitäten der Erinnerungskultur wenig Raum. Die Entdeckung des von 42 Berliner Gemeinden 1942-1945 für die Pflege ihrer Friedhöfe unterhaltenen Zwangsarbeiterlagers zeigte, dass die Landeskirche sich aktiv um Erinnerungsarbeit bemühen musste. Deshalb wurde 2005 die Clearingstelle Erinnerungskultur bei einem Ausschuss der Kirchenleitung gebildet. Als Ziele kirchlicher Erinnerungsarbeit wurden laut Krogel festgelegt: Die betroffenen Personen ermitteln und den Opfern ihre Würde wiedergeben; Begegnung und Versöhnung fördern, Hilfe leisten, wo die Not heute drückt. Gemeinsam mit den Kirchengemeinden Verantwortung als Landeskirche wahrnehmen. Durch gezielte wissenschaftliche Begleitung und Kooperationen zuverlässige Ergebnisse ermitteln; durch professionelle Präsentation der Ergebnisse gegenüber der Öffentlichkeit die Wahrnehmung der historischen Verantwortung glaubwürdig zeigen. Ein Ergebnis der Berliner Erinnerungsarbeit ist der Ausstellungspavillon der „Arbeitsgemeinschaft NS-Zwangsarbeit Berliner Evangelischer Kirchengemeinden“ auf der Gedenkstätte für kirchliche Zwangsarbeiter. Das Forum Erinnerungskultur im Landeskirchlichen Archiv Berlin betreut ebenso Projekte zur Verfolgung Christen jüdischer Herkunft. Künftig wird die Erinnerungsarbeit koordiniert von den Generalsuperintendenten, den Vorsitzenden der beiden kirchenhistorischen Vereine und dem Leiter des Landeskirchlichen Archivs. Abschließend orientierte Dr. J. Marius J. Lange van Ravenswaay, Johannes a Lasco-Bibliothek Emden, über das „Das Kulturprojekt Johannes a Lasco-Bibliothek Emden.“ Nachdem die EKD und ihre Gliedkirchen das Stiftungskapital der Johannes a Lasco-Bibliothek, zu der auch ein Museum und ein Tagungszentrum gehören, auf 9 Millionen Euro aufgestockt hatten, konnte sie ihre Arbeit am 1. Februar 2010 wieder aufnehmen. Die Verwaltung des Stiftungskapitals liegt bei der EKD. Den zweiköpfigen Vorstand und die Mitarbeiter bezahlt die Evangelisch-reformierte Kirche. Zahlreiche Ehrenamtliche ermöglichen die Arbeit des Museums. Der laufende Haushalt wird nur aus den Zinsen des Stiftungskapitals bestritten. Wöchentlich finden mehrere Veranstaltungen in der Bibliothek statt. Im Melanchthonjahr wie zum Jubiläum des Heidelberger Katechismus 2013 sind wissenschaftliche Kongresse und Ausstellungen geplant. Das weite Spektrum der Tagung wurde vertieft durch den Eröffnungsgottesdienst im Dom, Andachten und Besichtigungen. Im Anschluss an den großzügigen Empfang der Ev.-Luth. Landeskirche Mecklenburgs bestand für die Gäste auch Gelegenheit, sich über den Vereinigungsprozess der Nordkirchen zu informieren. Die geistliche Dimension der Arbeit von kirchlichen Bibliotheken und Archiven war im Verlauf der Tagung in besonderer Weise zu erfahren. Carlies Maria Raddatz-Breidbach 17. Tagung der Norddeutschen Kirchenarchivarinnen und Kirchenarchivare am 2. und 3. Mai 2007 in Zinnowitz
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