Nachrichten

 

   
Langjähriger Leiter des Wolfenbütteler Kirchenarchivs Hermann Kuhr verstorben (3/2013)

Programm zur Südschienentagung, 12.-14. Mai 2013, in Herrnhut (3/2013)

Kassationsrichtlinie, Empfehlung des Verbandes kirchlicher Archive, zum Download (3/2013)

Aus evangelischen Archiven (Neue Folge der „Allgemeinen Mitteilungen“) Nr. 52 (2012) erschienen und online gestellt (1/2013)

Kristina Ruppel: Strategien und fachliche Standards in der Arbeitsgemeinschaft der Archive und Bibliotheken in der evangelischen Kirche, Präsentation der Bachelorarbeit im VkA, 8.11.2012 (pdf) (11/2012)

Vorläufiges Programm zum 23. Norddeutschen Kirchenarchivtag in Güstrow, 13./14. Mai 2013 (11/2012)

Bericht vom 22. Norddeutschen Kirchenarchivtag in Bremen, 14./15. Mai 2012 (11/2012)

Ltd. Archivdirektor a. D. Dr. Kurt Schmitz ist im Alter von 77 Jahren verstorben (3/2012)

Aus evangelischen Archiven (Neue Folge der „Allgemeinen Mitteilungen“) Nr. 51 (2011) erschienen und online gestellt (1/2012)

EZA-Bibliothekarin Helga Zeller verstorben (12/2011)

Grußwort des Verbands kirchlicher Archive zur Eröffnung der Archive am Bethelplatz am 31. Januar 2011 (1/2011)

Professor Dr. Bernd Hey ist tot. Der langjährige Leiter des Landeskirchlichen Archivs Bielefeld verstarb im Alter von 68 Jahren (1/2011)

Aus evangelischen Archiven (Neue Folge der „Allgemeinen Mitteilungen“) Nr. 50 (2010) erschienen (12/2010)

19. Tagung der süddeutschen Kirchenarchive in Frankfurt am Mai am 17./18. Mai 2010 (6/2010)

Grußwort des Verbands kirchlicher Archive zum 20. Norddeutschen Kirchenarchivtag in Oldenburg am 31. Mai und 1. Juni 2010 (6/2010)

Kulturarbeit evangelischer Archive und Bibliotheken. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft der Archive und Bibliotheken in der evangelischen Kirche (5/2010)

Landeskirchenarchiv Dresden: Am 26. September 2009 verstarb Archivmitarbeiter Rudolf Schmelzer im Alter von 58 Jahren.

Erklärung des Verbandes kirchlicher Archive zur Unterstützung des Wiederaufbaus des Stadtarchivs Köln (20.3.2009)

Kaiserliches auf Tierhaut - Tausende Urkunden, die unversehrt aus dem Historischen Stadtarchiv der Stadt Köln geborgen wurden, haben vorerst eine neue Bleibe gefunden: im Archiv des Erzbistums Köln (3/2009)

Bericht über die Sitzung der Leitung des Verbandes kirchlicher Archive und des Wissenschaftlichen Beirats am 11. / 12. März 2009 in Karlsruhe (3/2009)

Grußwort zum 75-jährigen Jubiläum des Landeskirchlichen Archivs der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers am 10. November 2008 (11/2008)

18. Tagung der Norddeutschen Kirchenarchive in Düsseldorf (6/2008)

17. Tagung der süddeutschen Kirchenarchivare und -archivarinnen in Eisenach am 2./3. Juni 2008 (6/2008)

Aufgrund der großen Nachfrage wird die Ausstellung "Gottes Engel weichen nie. Engelbilder des 19. und 20. Jahrhunderts" bis einschließlich 30. Juli 2008 im Zentralarchiv der Evangelischen Kirche der Pfalz verlängert. Öffnungszeiten: Mo-Do 8.00 - 16.00 Uhr, Fr. 8.00 - 13.00 Uhr (4/2008) 

Grußwort für den Verband kirchlicher Archive zur Verabschiedung von Herrn Kirchenoberarchivdirektor Prof. Dr. Hermann Ehmer am 21. Februar 2008 im Landeskirchlichen Archiv, Stuttgart-Möhringen (2/2008)

Kurzbericht über das Kirchenbuchportal (9/2007)

Tagungsbericht: 4. Detmolder Sommergespräch. Genealogie für die Ewigkeit? Familienforschung, Geschichtswissenschaft und Archive gemeinsam im digitalen Zeitalter (8/2007)

Hermann Ehmer wird zum Honorarprofessor. Landeskirchlicher Archivdirektor lehrt württembergische Kirchengeschichte in Tübingen (8/2007)

17. Tagung der norddeutschen Kirchenarchivarinnen und Kirchenarchivare am 2. und 3. Mai 2007 in Zinnowitz (7/2007)

16. Tagung der süddeutschen Kirchenarchivare und -archivarinnen in Speyer am 7./8. Mai 2007 (6/2007)

75 Jahre Landeskirchliches Archiv der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (5/2007)

Mitgliederversammlung der Arbeitsgemeinschaft der Archive und Bibliotheken auf der Ebernburg, 24.-26.4.2007 (5/2007)

Regionaltagungen des Verbandes kirchlicher Archive im Mai 2007 (3/2007)

Kirchenbücher zu verkaufen? (3/2007)

Fachtagung zur Kirchenbuchnutzung in Hannover

Wolfgang Eger, früherer Archivdirektor der pfälzischen Kirche, starb mit 76 Jahren

Empfehlungen zur Aufbewahrung von Archivgut

Neuerscheinungen des Verbandes

Richtlinien zum Umgang mit digitalen Informationen in der Verwaltung (5/2003)

Früherer Württembergischer Kirchenarchivdirektor Gerhard Schäfer verstorben (3/2003)

Rundbrief des Verbandes jetzt online verfügbar (1/2003)

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Langjähriger Leiter des Wolfenbütteler Kirchenarchivs Hermann Kuhr verstorben

Am 6. März 2013 verstarb Landeskirchenarchivrat i. R. Hermann Kuhr. Er wurde am 13. März 2013 in seinem letzten Wohnort Mascherode beigesetzt.

Nach dem Studium der Theologie, Soziologie und Archivwissenschaft leitete er vom 1. März 1963 bis zum 31. März 2001 das Archiv der Ev.-luth. Landeskirche in Braunschweig an den Standorten Braunschweig und Wolfenbüttel. Der Aufbau des erst 1952 eingerichteten Archivs nach fachlichen Kriterien geht im Wesentlichen auf sein Wirken zurück. Seit Juni 1967 war Hermann Kuhr Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Sektion Archivwesen in der Arbeitsgemeinschaft für Archiv- und Bibliothekswesen in der evangelischen Kirche in Deutschland. Leiter der Sektion wurde er im März 1977. Seit diesem Jahr vertrat er die Braunschweigische Landeskirche bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand im Vorstand des Verbandes der Archivarinnen und Archivare und in der Arbeitsgemeinschaft. Er hat dort insbesondere sein großes Interesse an der Archivtechnik und EDV eingebracht. Weitere Schwerpunkte seiner Tätigkeit für den Verband und die Arbeitsgemeinschaft waren die Schriftgutverwaltung (Fortbildung für Registratoren, Entwicklung von Aktenplan und Registraturordnung), die Kirchenbuchordnung und die Archivgesetzgebung.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landeskirchlichen Archiv Wolfenbüttel denken an Hermann Kuhr und wissen ihn in Gottes Hand aufgehoben.

Wolfenbüttel, 22.03.2013
Gez. Birgit Hoffmann

 

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Südschienentagung 2013 in Herrnhut
Programmablauf

Sonntag, 12. Mai

Anreise
bis 17:00 individuell Besichtigung von Völkerkundemuseum bzw. Heimatmuseum
17:00 Begrüßung (TEH)
anschließend Ortsrundgang mit Dr. Dietrich Meyer (Kirchsaal, Gottesacker, Vogtshof)
18:30 Gemeinsames Abendessen und offener Abend (TEH)

Montag, 13. Mai

9:00 – 9:15 Morgenandacht
9:15 – 10:45 Sektion I
Bewertung: Aktuelle Diskussion, Modelle, insbes. Horizontal vertikale Bewertung
Sektionsleitung: Dr. Andreas Metzing
10:45 – 11:15 Pause
11:15 – 12:45 Sektion II
Verzeichnung: Bearbeitung von Nachlässen in Archiven
Sektionsleitung: NN
12:45 Mittagessen (TEH)
14:00 – 15:30 Sektion III
Datenbanken, Portale, Findsysteme („Hilfsmittel“) für die Arbeit in Archiven
Sektionsleitung: Dr. Udo Wennemuth
15:45 Kennenlernen des Unitätsarchivs
18:00 Abendessen und offener Abend (Hutbergkeller)

Dienstag, 14. Mai

9:00 – 9:15 Morgenandacht
9:15 – 10:45 Sektion IV
Die Rolle von Archiven bei der Einführung von Dokumentenmanagementsystemen
Referenten: Judith Käpplinger, Mareike Ritter, Dr. Udo Wennemuth
10:45 – 11:00 Abschluss

individuell: Besichtigung Herrnhuter Sterne Manufaktur

 

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Kurt Schmitz verstorben

Ltd. Archivdirektor a. D. Dr. Kurt Schmitz ist im Alter von 77 Jahren verstorben. Der langjährige Leiter der Archivberatungsstelle Brauweiler war in vielerlei Weise mit Kirche und Diakonie verbunden. Er engagierte sich auch tatkräftig für den Verband kirchlicher Archive, für den er mehrere Fortbildungsveranstaltungen organisierte wie z.B. 1977-1981 die sogenannten Leichlinger Lehrgänge für Mitarbeitende in kirchlichen Registraturen. Ebenso war er an der Planung des erfolgreichen Internationalen Kirchenarchivtages in Prag 1995 federführend beteiligt.

 

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EZA-Bibliothekarin Helga Zeller verstorben

Am 30. Dezember 2011 verstarb plötzlich und unerwartet unsere Kollegin Frau Helga Zeller im Alter von 59 Jahren. Sie war seit 1992 als Bibliothekarin im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin tätig und seit 2009 als einzige Bibliothekarin in unserem Archiv für die gesamte Bibliothek verantwortlich.

Wir haben mit Helga Zeller eine versierte, zuverlässige und engagierte Bibliothekarin verloren; vor allem aber war sie für uns eine stets freundliche und liebenswürdige Kollegin, deren menschliche Wärme, Offenheit und Hilfsbereitschaft wir sehr geschätzt haben. Wir haben sehr gern mit ihr zusammen gearbeitet und sind dankbar für die Zeit, die wir mit verbringen konnten. Wir werden sie in guter Erinnerung behalten.

Evangelisches Zentralarchiv in Berlin

 

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Grußwort des Verbands kirchlicher Archive zur Eröffnung der Archive am Bethelplatz am 31. Januar 2011

Sehr geehrter Herr Präses Dr. Buß, sehr geehrter Herr Pastor Pohl,
sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,
liebe Frau Stockhecke, lieber Herr Dr. Murken,

ich freue mich sehr, anlässlich der Eröffnung der Archive am Bethelplatz, zum einen des Hauptarchivs der von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel und zum anderen des Landes-kirchlichen Archivs der Evangelischen Kirche von Westfalen, zu Ihnen sprechen zu dürfen. Ich tue dies als Leiterin des Verbands kirchlicher Archive, aber ein bisschen auch als Leiterin des Landeskirchlichen Archivs Kassel, die in den 1990erJahren in Kassel als Berufsanfängerin einen Archivbau mit zu planen hatte und diesen schließlich 1997 auch einweihen konnte. (Und ich bin immer noch zufrieden ...)

Der Verband kirchlicher Archive existiert als seit gut einem Vierteljahrhundert als Teil der Arbeitsgemeinschaft der Archive und Bibliotheken in der evangelischen Kirche. Ihm gehören rund 60 kirchliche Archive an, gut 40 Prozent davon sind landeskirchliche Archive. Wir arbeiten mit dem Ziel, das Archivwesen in Mitverantwortung für das kulturelle Erbe auf allen Ebenen zu fördern. Es gilt, den Professionalisierungsschub der letzten Jahrzehnte mitzunehmen und auszubauen. In Zeiten schwindender Erinnerungskultur hilft der Verband dabei, kirchliche Identitäten für die Zukunft zu sichern.

Herr Prof. Dr. Hey hat bis zu seiner Pensionierung tatkräftig im Verband mitgewirkt. Als ich 1994/95 in die Verbandsleitung kooptiert wurde, habe ich Bernd Hey als sehr aktiven und hilfsbereiten Kollegen schätzen gelernt. Kennen gelernt habe ich ihn schon ein paar Jahre früher. Die Archivreferendare des Staatsarchivs Detmold hatten das Landeskirchliche Archiv Bielefeld im Rahmen ihrer Ausbildung als kirchliches Vorzeige-Archiv besucht und einen sehr beeindruckenden Archivleiter erlebt. Es ist sehr schade und traurig, dass Herr Hey heute bei der Eröffnung nicht mehr dabei ist. Das neu gebaute, moderne Archivzentrum, ein Null-Emissions-Haus mit Platz für 22 laufende Kilometer Archivgut und guten klimatischen Bedingungen hätte ihm sicherlich gefallen.

Es handelt sich übrigens um den dreizehnten und vierzehnten Archivneu- oder -umbau eines evangelischen landeskirchlichen Archivs der letzten 20 Jahre:
1991 Kiel, 1996 Boppard (Nebenstelle von Düsseldorf), 1997 Kassel, 1999 Hannover und Wolfenbüttel, 2000 Berlin-Brandenburg und Zentralarchiv Berlin (wie hier unter Nutzung von Synergie-Effekten als Archivzentrum), 2001 Darmstadt, 2002 Magdeburg und Stuttgart, 2006 Schwerin, 2009 Karlsruhe, Mitte Januar 2011 Hamburg-Ost und jetzt Bielefeld und Bethel. In Nürnberg wird das fünfzehnte Archiv schon lange neu geplant, ab August 2011 gebaut und Mitte 2013 bezogen. Ich meine, die Bilanz kann sich sehen lassen ...

Und was machen wir dann? Dann, wenn alle kirchlichen Archive bautechnisch perfekt ausgestattet sind? Keine Angst, dann sind wir nicht arbeitslos, dann widmen wir uns noch intensiver unserem Lieblingsprojekt, einem Kirchenbuchportal im Internet, natürlich – wie Sie sich denken können – öffentlich, digital und professionell. Und an dieser Stelle schaue ich intensiv zu Herrn Winterhoff, dem juristischen Vizepräsidenten der Evangelischen Kirche von Westfalen, der ja auch EKD-Funktionen wahrnimmt ...

Ich wünsche Ihnen beiden, liebe Frau Stockhecke und lieber Herr Murken und Ihren Teams eine gute Zeit in den neuen Räumlichkeiten und erfolgreiches Arbeiten!

Bettina Wischhöfer

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Professor Dr. Bernd Hey ist tot. Der langjährige Leiter des Landeskirchlichen Archivs Bielefeld verstarb im Alter von 68 Jahren

Professor Dr. Bernd Hey ist tot: Der langjährige Leiter des Landeskirchlichen Archivs Bielefeld verstarb am Donnerstag, 27. Januar, im Alter von 68 Jahren in Bielefeld. Präses Alfred Buß würdigte ihn als „leidenschaftlichen Historiker“, der die landeskirchliche Archivarbeit mit Kompetenz und Engagement weit über die landeskirchlichen Grenzen hinaus geprägt habe.

Durch persönlichen Einsatz und den Dialog sowohl in der Kirche als auch mit Wissenschaft und breiter Öffentlichkeit hat Bernd Hey einen wichtigen Beitrag zu einer geschichtlich verantworteten Präsenz der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) geleistet. Seit 1985 bis zu seinem Ruhestand im Mai 2007 stand der Historiker an der Spitze des Landeskirchlichen Archivs.

Geboren und aufgewachsen in Bielefeld, studierte Hey an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster Geschichte, Germanistik, Publizistik, Philosophie und Pädagogik. Nach Referendariat und Dissertation arbeitete er als Wissenschaftlicher Assistent an der Pädagogischen Hochschule und Universität Bielefeld.

1980 folgten die Habilitation in Geschichte und ihre Didaktik an der Universität Bielefeld sowie die Berufung zunächst zum Privatdozenten, 1984 zum Professor. 1985 wechselte Bernd Hey als Direktor an das Landeskirchliche Archiv. Lehraufträge an der University of Illinois/USA und in Potsdam sowie zahlreiche Veröffentlichungen runden seine wissenschaftliche Tätigkeit ab.

Hey war von 1997 bis 2009 auch Vorsitzender des Vereins für Westfälische Kirchengeschichte. Als Nachlassverwalter hat er darüber hinaus einen wesentlichen Beitrag zur Rehabilitierung und Anerkennung von Kurt Gerstein geleistet, der als Christ innerhalb der SS Widerstand gegen das Naziregime leistete.

EKvW

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19. Tagung der süddeutschen Kirchenarchive in Frankfurt am Mai am 17./18. Mai 2010

Zur 19. Tagung der süddeutschen Kirchenarchive trafen sich Archivarinnen und Archivare aus 15 Archiven in der Evangelischen Stadtakademie Frankfurt. Die insgesamt 32 Teilnehmenden folgten zum dritten Mal in der Geschichte der süddeutschen Tagungen einer Einladung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. In ihrem Grußwort nahm die Leiterin der Kirchenverwaltung, Frau Oberkirchenrätin Sigrid Bernhardt-Müller auf den gegenwärtigen Reformprozess in den beiden hessischen evangelischen Landeskirchen Bezug, der unter anderem neue Modelle der Kooperation erzeuge. Gerade in dieser Situation seien Identität und Selbstvergewisserung, die sich aus der Geschichte speisten, wichtige Faktoren, die in den Kommunikationsprozessen beachtet werden müssten. Dies gelte gerade auch für Frankfurt mit seiner Kirchenlandschaft in der Großstadt.

Anschließend begrüßte Ute Knie, die Leiterin der Evangelischen Stadtakademie, die Gäste. Sie stellte die besonderen Aufgaben einer Stadtakademie im großstädtischen Kontext dar, die sich im Spannungsfeld von Kultur, Religion und städtischem Umfeld positioniere. Nicht von ungefähr nimmt die Adresse der Einrichtung „Römer 9“ auf den Römerbrief Bezug.

Das eigentliche Tagungsprogramm eröffnete Gerlind Lachenicht vom Landeskirchlichen Archiv Berlin mit ihrem Projektbericht über die Entwicklung einer Erinnerungskultur mit Hilfe ehrenamtlicher Kräfte. Im Mittelpunkt der inhaltsreichen und eindrucksvollen Darstellung standen Erfahrungen in den Projekten „NS-Zwangsarbeit“ und „Christen jüdischen Herkunft im Nationalsozialismus“. Gerlind Lachenicht machte deutlich, dass es in beiden Projekten eine starke Wechselwirkung zwischen engagierter Basis und Impulsen aus der Kirchenleitung gegeben habe. Insbesondere der Aufruf Bischof Hubers zum Gedenken an die Christen jüdischer Herkunft habe einen nachhaltigen Impuls erzeugt. Am zweiten Projekt waren 12 Berliner Gemeinden beteiligt, die zunächst die Taufbücher von 1865 bis in die 1940er Jahre als grundlegende Quelle auswerteten. Indikator für eine Aufnahme in die Liste war der Zusatz „mosaisch“ bei den Eltern von Täuflingen. Insgesamt konnten 4.000 Personen ermittelt werden. In dem 2008 publizierten Gedenkbuch „Evangelisch getauft – als Juden verfolgt“ werden die Lebenswege dieser Menschen dokumentiert.

Die traumatischen Erinnerungen überlebender Christen jüdischer Herkunft führen auch die Projektbeteiligten oft an ihre Grenzen. Da immer mehr Berliner Kirchengemeinden seit 1935 Taufverbote für jüdische Mitbürger aussprachen, fanden Taufen häufig in der Messiaskapelle statt, eine Einrichtung der so genannten „Judenmission“. Insgesamt 700 Taufen konnten dort belegt werden. Nach einem Eigentümerwechsel wurde der denkmalgeschützte Gebäudekomplex, in dessen Hinterhaus die Messiaskapelle liegt, im April 2009 für eine Sanierung geschlossen, die aber derzeit noch nicht begonnen hat. Die lebendige Erinnerungskultur an diesem Ort musste deshalb vorläufig eingestellt werden.
Unter anderem organisierte der Arbeitskreis szenische Lesungen von Jugendlichen auf der Grundlage von Recherchen. Die Ausstellung „Getauft – Verstoßen – Deportiert“ erinnert an die Christen jüdischer Herkunft in Berlin. Die Auseinandersetzung mit diesem dunklen Abschnitt Berliner Kirchengeschichte führt auch dazu, dass Gemeinden sich heute zu ihrer Verantwortung bekennen. Ein Beispiel hierfür ist die Gemeinde in Lankwitz, die in ihrer Kirche eine Tafel mit einem entsprechenden Text angebracht hat.

Seit 2001 besteht eine Arbeitsgemeinschaft Berliner Kirchengemeinden, die während der Zeit des Nationalsozialismus Zwangsarbeiter beschäftigt haben. Hier wird eine besondere Erinnerungs- und Versöhnungsarbeit geleistet. Ein wichtiges Ergebnis ist die Publikation „Zwangsarbeit in Kirche und Diakonie. Spezialinventar zu den Quellen in Archiven Berliner Kirchengemeinden 1939-1945 (=Archivbericht Beiheft Nr. 63)“. Die Bedeutung des ehrenamtlichen Engagements sieht Gerlind Lachenicht insbesondere in den vielfältigen Lernerfahrungen, in einer Vernetzung der Gemeinden und in der ganz persönlichen Biographiearbeit einzelner. In beiden Projekten hätten sich Ehrenamtliche als wertvolle Träger eines Prozesses von Erinnerungskultur und Identitätssuche erwiesen.

In Ergänzung des Vortrags aus Berlin wies Holger Bogs, Leiter des Zentralarchivs der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), auf den Vorbildcharakter des Berliner Projektes für Fortführung und Ertragssicherung des von EKHN und EKKW gemeinsam durchgeführten wissenschaftlichen Projektes „Die hessischen Kirchen und ihr Umgang mit Christen jüdischer Herkunft während der NS-Zeit“ in Kirchengemeinden, insbesondere in Frankfurt am Main hin.

Der erste Tag wurde abgerundet durch eine historische Stadtführung und einen Besuch im Bibelhaus Erlebnismuseum, das alle Teilnehmenden zum interaktiven Besuch der Ausstellung „Judäa und Jerusalem. Leben in römischer Zeit“ einlud. Den Ausklang bildete ein gemeinsames Abendessen in einem Restaurant in Sachsenhausen, zu dem die gastgebende EKHN einlud.

Der zweite Sitzungstag wurde von Ute Dieckhoff vom Zentralarchiv der EKHN eröffnet. Sie referierte über „Kirchliche Oberbehörden und Territorien am Beispiel der EKHN und ihrer Vorgängerkirchen“. Der Überblick über die territoriale und administrative Entwicklung der Evangelischen Landeskirchen, aus denen die EKHN 1947 entstand – Hessen(-Darmstadt), Nassau und Frankfurt am Main – wurde ergänzt durch den Hinweis auf die entsprechend verschiedenen Verwaltungstraditionen verhafteten Archivbestände. Infolge des Zweiten Weltkrieges sind starke Verluste in der Überlieferung eingetreten. Eine Hilfe bei der Orientierung bieten die Online-Findbücher, die auf der Homepage des Archivs (www.ekhn.de) und im Archivportal unter ekhn-zentralalarchiv.findbuch.net eingesehen werden können.

Anschließend stellte Anette Neff unter dem Titel „Verba sacra. Zeitzeugenschaft im kirchlichen Kontext“ die im Zentralarchiv der EKHN zumeist systematisch erstellten und archivierten Zeitzeugenberichte vor. Dabei handelt es sich um Lebensberichte kirchlich engagierter Menschen aus verschiedenen Projekten. Inzwischen sind über 100 Tondokumente vorhanden, wobei sich die Länge der Interviews zwischen 40 Minuten und 16 ½ Stunden bewegt. Die im Zentralarchiv verorteten Projekte sind den wissenschaftlichen Grundsätzen der Oral History verpflichtet. Besonders das Herzstück dieser Interviews, die 50 Lebensberichte aus dem Projekt “Erzählte Geschichte der EKHN“ bieten eine wichtige Ergänzung zur amtlichen Überlieferung. Die Bandbreite der Themen umfasst Kirchenkampf in Wiesbaden, Evangelische Frauenhilfe, Kirche und Politik, Kriegserlebnisse von Pfarrern, Zwangsarbeit und die EKHN im Fokus der DDR-Staatssicherheitsbehörden 1949-1990. Die interviewten Einzelpersonen sind zu 60% männlich und zu 40% weiblich.

Als Interviewtechnik wird das halboffene, narrative Interview mit Leitfragen angewandt. Die lebensgeschichtlichen Interviews sind auf eine Zweitverwertbarkeit angelegt, das heißt die hier erzeugten Quellen sollen zu vielfältigen Forschungszwecken herangezogen werden können. Alle Interviews werden digital aufgezeichnet, in den PC überspielt und verschriftet. Innerhalb des Teams besteht eine Vereinbarung über die Grundsätze der Verschriftung, wobei Einvernehmen darüber herrscht, dass die Transkription das geführte Gespräch nicht ganzheitlich abbilden kann. Beide Versionen, die mündliche und die schriftliche, werden daher archiviert. An zahlreichen Beispielen belegte Anette Neff die Sensibilität, die eine Gesprächsführung erfordert, wenn das Gespräch gewinnbringend sein soll.

Die lebhafte Diskussion im Anschluss an alle Vorträge der Tagung belegte die Bedeutung der Projektarbeit in Archiven. Die nächste Tagung der süddeutschen Kirchenarchive wird nach derzeitigem Planungsstand am 9./10. Mai 2011 auf Einladung der Württembergischen Landeskirche in Stuttgart stattfinden. 2012 wird die Südschienentagung voraussichtlich Gast der Evangelischen Kirche im Rheinland sein.

Gabriele Stüber, Speyer

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Grußwort des Verbands kirchlicher Archive zum 20. Norddeutschen Kirchenarchivtag in Oldenburg am 31. Mai und 1. Juni 2010

Sehr geehrter Herr Oberkirchenrat Friedrichs, liebe Frau Jens,
sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,

nach Zinnowitz 2007 (ausrichtendes Archiv war damals das Landeskirchliche Archiv der Pommerschen Evangelischen Kirche), Düsseldorf 2008 (Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland) und Hildesheim 2009 (Landeskirchliches Archiv der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers) treffen sich die norddeutschen Kirchenarchive in diesem Jahr in Oldenburg. Ausrichtendes Archiv ist diesmal das Archiv des Evangelisch-Lutherischen Oberkirchenrats. Nach zwei großen kirchlichen Archiven sind wir diesmal wieder zu Gast bei einem kleinen Archiv.

Die großen wie die kleinen Archive haben ein breites Spektrum an Archivarbeit zu bedienen. Es sind eben nicht nur die Kernaufgaben Aufbewahren, Sichern, Erschließen zu erledigen, sondern es ist zunehmend auch den digitalen Herausforderungen zu begegnen. Der Benutzer versteht sich als Kunde und möchte auch so „bedient“ werden.

Das hiesige Archiv des Evangelisch-Lutherischen Oberkirchenrats unter der Leitung von Karen Jens befindet sich da auf einem guten Weg. Der Verband kirchlicher Archive bietet ein gutes Netzwerk - 65 Mitgliedsarchive weist unsere Website www.evangelische-archive.de aktuell aus.

Der Verband erfüllt Aufgaben, die von einzelnen kirchlichen Archiven nicht geleistet werden können: etwa bei der Klärung von Grundsatzfragen. Aktuell ist eine EKD-Empfehlung in Kassationsfragen auf dem Weg zur EKD-Kirchenkonferenz.

Das Groß-Projekt des Verbands, das Kirchenbuchportal, ist ebenfalls auf dem Weg in die EKD-Kirchenkonferenz. Wir sind guten Mutes, mit Unterstützung der EKD in den nächsten Jahren ein marktreifes Portal mit digitalisierten Kirchenbüchern zu etablieren, in dem dann nicht nur die großen kirchlichen Archive vertreten sind, sondern eben auch die mittleren und kleinen vorkommen. Der Verband bemüht sich in diesem Projekt auch um die Einbindung der katholischen Archive und um eine internationale Anbindung (www.matricula-online.eu). Erste Erfolge finden alle Interessierten unter www.kirchenbuchportal.de mit den Visitenkarten von aktuell 31 Archiven und den Kirchenbuchmetadaten von immerhin sieben Archiven. Am Ende soll ein Portal stehen, das Digitalisate für den interessierten Kunden verfügbar hält, und zwar unter Wahrung der Rechte an den Quellen und den digitalisierten Kirchenbüchern.

Wie gesagt, die Existenzberechtigung des Verbandes basiert auf Projekten wie den eben skizzierten. Kooperation und aktive Teilnahme ist dabei (über)lebensnotwendig – her wie hin. Das Archiv des Oberkirchenrats Oldenburg ist gut in den Verband integriert wie der gerade stattfindende 20. Norddeutsche Kirchenarchivtag anschaulich demonstriert. Der Verband ist auch gern beratend behilflich, sollten die Pfarrarchive der 117 Kirchengemeinden und die Archive der sechs Kirchenkreise in einem angedachten kirchlichen Zentralarchiv untergebracht werden.

Dass sich das hiesige Archiv natürlich auch Partner vor Ort sucht, etwa das Niedersächsische Staatsarchiv Oldenburg, um beim Tag der Archive präsent zu sein, ist schon in Ordnung – dabei sollte es dann aber auch bleiben...

Ich möchte mich zum Schluss ganz herzlich bei Frau Jens und allen, die an der Vorbereitung und Durchführung der Tagung beteiligt waren, bedanken. Mein Dank geht auch an Herrn Oberkirchenrat Friedrichs, der heute die Kirchenleitung vertritt, für die Ausrichtung des Empfangs der Evangelisch-lutherischen Kirche in Oldenburg.

Bettina Wischhöfer

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Kulturarbeit evangelischer Archive und Bibliotheken. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft der Archive und Bibliotheken in der evangelischen Kirche (Güstrow, 5.-7. Mai 2010)

53 Vertreter und Vertreterinnen kirchlicher Archive und Bibliotheken und ihrer Trägereinrichtungen reflektierten auf der Gesamttagung der Arbeitsgemeinschaft der Archive und Bibliotheken in der evangelischen Kirche in Güstrow vom 5. bis 7. Mai 2010 intensiv die kulturelle Bedeutung ihrer Arbeit. Praxisberichte zeigten eindrucksvolle Beispiele für die Teilhabe von Bibliotheken und Archiven an der kirchlichen Kulturarbeit. Allerdings wird dieser Aspekt ihrer Arbeit gern ignoriert, ja ihre Notwendigkeit mitunter in Frage gestellt.

Abb.: Tagung Arbeitsgemeinschaft Archive und Bibliotheken 7. Mai 2010 in Güstrow,
Plenum diskutiert das Kirchenbuchportal  (Foto: B. Wischhöfer).

In seinem einleitenden Vortrag „Archive und wissenschaftliche Bibliotheken als Teil kirchlicher Kultur“ setzte Dr. Hans Otte, Landeskirchliches Archiv Hannover, sich zunächst mit der Infragestellung durch die „Sparfüchse“ auseinander. Dem „Totschlagargument“, die Unterhaltung von Archiven und Bibliotheken gehe in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zu Lasten der Verkündigung, liegt ein zu enges Verständnis von Verkündigung zu Grunde. Denn Verkündigung kann in unterschiedlichen Formen unter unterschiedlichen Handlungsbedingungen geschehen. Kirchliche Archive und Bibliotheken ermöglichen gerade kirchenfernen Besuchern einen offenen Zugang zum kirchlichen Handeln und zum Evangelium. So könne – frei nach Luther - der Heilige Geist auch in Archiven und Bibliotheken erfahren werden. Hierfür ist natürlich ein positiver Eindruck des Benutzers Voraussetzung, beginnend mit einer angemessenen Ausstattung der Leseräume und höflichem Umgang der Mitarbeiter untereinander und mit Benutzern. Die Benutzerinnen und Benutzer müssen sich – einschließlich der Familienforscher – willkommen fühlen. Kirchenarchive sind eine unaufgebbare Voraussetzung der Bewahrung kirchlicher Tradition. „Die Fürsorge für die eigene Tradition ist tief im Christentum verankert.“ Immer wieder wurden der Rückgriff auf die Heilige Schrift und auf die Tradition zum Movens geistlicher Neuerungsbewegungen. Die Landeskirchen vergewissern sich ihres Ursprunges aus der Reformation. Auch eine Kirchengemeinde kann es sich nicht erlauben, ihre historische Verankerung zu ignorieren. Deshalb bedarf sie unbedingt eines Kirchengemeindearchivs. Allerdings bedürfen die Pfarrer für die Ordnung und Nutzung ihres jeweiligen Archivs unbedingt der kompetenten Unterstützung durch die Archivare, denn paläographische Kenntnisse können nicht von ihnen erwartet werden. Unentbehrlich für Kirchengemeindearchive ist auch die fachkundige Bewertung und Kassation durch Archivare. Die Notwendigkeit der Kassation begründete Otte mit einem Zitat Niklas Luhmanns: „Sinn stellt sich erst durch die Reduktion von Komplexität her.“ Bewertung kirchlichen Schriftguts setzt allerdings auch Kenntnis kirchlicher Verwaltungsgeschichte voraus, die in der Regel nur Kirchenarchivare haben. Otte illustrierte das am Verlust zentraler Überlieferung zur Geschichte der Ev.-Luth. Landeskirche Schaumburg – Lippe durch Kassationen in deren Depositalbestand durch das verwahrende Staatsarchiv. Eine Einführung in kirchliche Strukturen und Begriffe durch einen kompetenten Archivar ist auch für kirchenferne Studierende unentbehrlich. Archivarinnen und Archivare müssen in ihrer Beratungstätigkeit Orientierung anbieten, ohne allerdings Fehler und Schuld in der Vergangenheit schönzureden oder zu leugnen.
Wie die Archive sind – so Otte - auch die Bibliotheken Störfaktoren in den Sparkonzepten. Gefährdet sieht er eher die selbstständigen Bibliotheken als die Dienstbibliotheken. Staats- wie kommunale Bibliotheken haben nach Otte jedoch heutzutage kein Interesse mehr an der Übernahme kompletter Bibliotheken. Sie interessieren sich allenfalls für die Zimelien. Bei der Katalogisierung kirchlicher Druckschriften und anderer spezieller kirchlicher Literatur sind nicht-kirchliche Bibliotheken extrem zurückhaltend. Hier verfügen die kirchlich-wissenschaftlichen Bibliotheken über sehr gute, sogar über das Internet nutzbare Angebote, wie z.B. den Predigtkatalog, den sie gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Katholisch-theologischer Bibliotheken betreiben. Die Beratungstätigkeit der Bibliothekarinnen und Bibliothekare ist unaufgebbar. Anders als Archive verfügen Bibliotheken über eine öffentlichkeitswirksame Aura, die sie auch als Veranstaltungsort für feierliche Veranstaltungen interessant machen. Auch deshalb ist ihr Beitrag zur kirchlichen Kulturarbeit den Trägern deutlicher als der der Archive.

Die kommunikative Funktion kirchlicher Archive und Bibliotheken betonte Klaus-Dieter Kaiser, Evangelische Akademie Mecklenburg-Vorpommern, in seinem Vortrag „Auferstehung geschieht im Zeigen. Kunst in der Kirche zwischen Archivieren und Inszenieren“. In Bibliothek oder Archiv entstehe ein Kosmos, der einen Dialog mit Abwesenden ermögliche. Voraussetzung sei, dass das Archiv nicht zum „Friedhof der Dinge“ (Boris Groys) werde, sondern Korrespondenzen und Strukturen herstelle, die neue Einsichten ermöglichen. Kaiser übertrug das von Albrecht Grözinger für das Pfarramt postulierte „Amt der Erinnerung“ [Albrecht Grözinger, Das Amt der Erinnerung – Überlegungen zum künftigen Profil des Berufs der Pfarrerinnen und Pfarrer, in: Ders., Die Kirche – ist sie noch zu retten? Anstiftungen für das Christentum in postmoderner Gesellschaft, Gütersloh ²1998, S. 134-141] auch auf kirchliche Archive und Bibliotheken. Als Orte der Traditionssicherheit könnten sie über Zeiterfahrungen hinweg das Gespräch mit den Toten ermöglichen. Die Ausübung des Amtes der Erinnerung koste Geld. Zu berücksichtigen sind aber soziale Konsequenzen des Archivierens, das auch zu einer Sammlung von Menschen führe. Abschließend schilderte Kaiser die widerständigen Funktionen kirchlicher Kulturarbeit unter den Bedingungen des real existierenden Sozialismus.
Auf seinen Rückblick auf die (von ihm im Kirchenamt der EKD 1996 bis 2004 mitverantwortete) Kulturarbeit der EKD zu Beginn seines Vortrages bezogen sich kritische Anfragen zur Kulturdenkschrift der EKD „Räume der Begegnung Religion und Kultur in evangelischer Perspektive, Gütersloh 2002“ aus, die Archive und Bibliotheken nicht berücksichtigt. Eine wirkliche Erklärung bot Kaiser nicht.

Die Kulturarbeit der Archive und Bibliotheken der katholischen Kirche in Mecklenburg wird angeleitet und unterstützt vom Heinrich-Theißing-Institut in Schwerin. Wie dessen Leiter Dr. Georg Diederichs erläuterte, ist dieses Institut mit seinen vielfältigen Funktionen in der katholischen Kirche in Deutschland „ein Experiment.“ Das Institut hat als Dokumentationszentrum für Kirchen- und Zeitgeschichte die Aufgabe, die mecklenburgische Kirchengeschichte in der Zeit der Diktaturen darzustellen. Die Archivarin des Instituts leitet die Pfarreien beim Ausbau ihrer Archive an. Ebenso unterstützt es die Pfarreien bei Ausstellungsprojekten. Zum Institut gehört auch ein Verlag. Diederichs stellte die Ausstellungsprojekte zur Historischen Bibliothek St. Anna vor, der von ihm wiederentdeckten Bibliothek des Proseminars der Jesuiten in Schwerin aus dem 18. Jahrhundert.

Beispiele aus der Praxis ihrer Kulturarbeit stellten am 6. Mai die Landeskirchliche Zentralbibliothek Stuttgart, das Zentralarchiv der Ev. Kirche der Pfalz, Speyer, das Nordelbische Kirchenarchiv Kiel gemeinsam mit dem Landeskirchlichen Archiv Schwerin, die Bibliothek der Theologischen Hochschule Friedensau und die Nordelbische Kirchenbibliothek, Hamburg, vor. Anlass der Stuttgarter Ausstellung „Aus dem Staube gezogen- zum Schmuckstück gemacht“ war die Schenkung einer eigens restaurierten Dillher-Bibel aus dem Jahr 1690 durch den früheren Schuldekan Dietrich Elsner. Dr. Andreas Lütjen hatte zu seiner Präsentation den Band mitgebracht, in dem die Restauratoren Arbeitsschritte der Restaurierung für die Ausstellungsbesucher durch eingeklebte Materialien wie z.B. Japanpapiere, aber auch vorgefundene Schädlinge anschaulich dokumentiert hatten. Außer in diesem Band durften die Besucher selbst in der restaurierten Bibel und in noch zu restaurierenden Bänden blättern. Die Ausstellung wurde im Lesesaal gezeigt.

Dr. Julia Hamelmann stellte mit der Ausstellung „Gesangbücher – „Weggefährten des Glaubens“ die Konzeption für die Ausstellungsarbeit des Ev. Zentralarchivs Speyer vor. Grundsätzlich werden Ausstellungen zu übergreifenden Themen angeboten, keine expliziten Archivalienausstellungen. Zur Verfügung stehen 12 Tafeln im Format 83x83 cm in weißen Wechselrahmen mit Licht- und UV-Schutz, zwei Tischvitrinen und eine Hochvitrine. Die Tafeln gestaltet das Archiv gemeinsam mit einem Designer. In den Vitrinen werden Archivalien gezeigt, Die Ausstellungen sind von vornherein als Wanderausstellungen so konzipiert, dass die Wandtafeln auch ohne die Archivalien verständlich sind, zugleich aber auch durch eigene Archivalien des Entleihers ergänzt werden können. Die Kosten pro Ausstellung belaufen sich auf 4000 bis 5000 €. Die Gemeinden zahlen für die Ausleihe 130 €.

Auf Initiativen der jeweiligen Landessynode geht die Wanderausstellung „Kirche, Christen und Juden 1933-1945“ zurück, die von 2001 bis 2007 in Nordelbien gezeigt wurde und ab Herbst 2007 in einer Fassung des Landeskirchlichen Archivs Schwerin zwei Jahre in Mecklenburg zu sehen war. Ihr Thema ist das Schweigen der evangelischen Kirche und ihrer Glieder angesichts der Judenverfolgung, nicht die neuerliche Darstellung des sog. Kirchenkampfs. Dies veranschaulichen Biographien von Opfern, Tätern und Menschen, die sich der Judenverfolgung widersetzten. In der Präsentation von Dr. Annette Göhres, Kiel, beeindruckte, wie realistisch die Konzeption auf die Gegebenheiten in Kirchengemeinden ausrichtet ist. So werden z.B. die Zeittafelnschilder in die Bankreihen geklebt. Das Ziel, in den Kirchenkreisen zu einer vertiefenden Beschäftigung mit dieser Problematik anzuregen, wurde über ein lokales Fenster zu den Ereignissen im jeweiligen Kirchenkreis erreicht. Bei ihrer Bewerbung um die Wanderausstellung mussten die Kirchenkreise eine Arbeitsgruppe zur Darstellung ihrer eigenen Geschichte im lokalen Fenster und ein Vortragsprogramm vorweisen. Auf diese Weise waren in Nordelbien knapp 1000 Menschen an der Vorbereitung der Ausstellungen beteiligt; weitere wurden über die zu den biographischen Stationen ausliegenden Dialogbücher aktiv miteinbezogen. Die Hauptlast trug im Wortsinn das Team des Nordelbischen Kirchenarchivs, das Außenlogo und Freischwinger – angefertigt in der Metallwerkstatt der Justizvollzugsanstalt Kiel – von Ort zu Ort schleppen musste. Die Ergebnisse des Projektes dokumentieren Veröffentlichungen und die Website http://www.kirche-christen-juden.org.

Die Übernahme der Ausstellung in die Ev.-Luth. Landeskirche Mecklenburgs war nur mit ausführlichen Ergänzungen zur kirchlichen Zeitgeschichte in Mecklenburg möglich, wie Dr. Johann Peter Wurm, Schwerin, schilderte. Sie erarbeitete das Landeskirchliche Archiv Schwerin innerhalb von vier Monaten gemeinsam mit dem Leiter des Stadtarchivs Schwerin, Dr. Bernd Kasten. Neu eingefügt wurde eine Abteilung zur mecklenburgischen Sippenkanzlei, die „die Mittäterschaft der Kirche bei der Erbringung der Ariernachweise“ thematisiert. 20 Personen aus der Ev.-Luth. Landeskirche Mecklenburgs wurden exemplarisch mit Kurzbiografien, Quellentexten und Fotos auf je einem Faltblatt vorgestellt. Diese Faltblätter zum Mitnehmen ergeben den Katalog. Vitrinen und Freischwinger wurden in Kiel ausgeliehen. Zeittafeln im Format DIN A 2 werden auf leichten, mit Stoff überzogenen Hartschaumtafeln mit Kreppfolien angebracht. An der Ausstellungseröffnung im Schweriner Dom beteiligte sich auch der Landesrabbiner mit einem Grußwort. Die mecklenburgische Ausstellung richtet sich primär an die Gemeinden. In beiden Bundesländern wurde „Kirche, Christen und Juden 1933-1945“ auch im jeweiligen Landtag gezeigt.

Eine Erkrankung hinderte Ralph Köhler, Friedensau, an der Teilnahme an der Tagung. Seinen Beitrag „Kleine Ressourcen – großer Effekt“ über Einsätze von Teilnehmern am Freiwilligen Sozialen Jahr Kultur in der Bibliothek der Hochschule der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten präsentierte Armin Stephan, Augustana-Bibliothek, Neuendettelsau.

Möglichkeiten des Fundraisings auf lokaler Ebene schilderte Dr. Joachim Stüben, Hamburg, in seinem Vortrag „Konzert- und Vortragsveranstaltungen im Rahmen von Fundraisingprojekten“. Am Beispiel ausgewählter Benefizveranstaltungen im Rahmen der Restaurierungsprojekte „Breitenberger Predigerbibliothek“ und „Wöhrdener Bücher“ führte er aus, worauf zu achten ist, wenn sich ein Ort oder eine Region die Restaurierung von Büchern oder Archivalien zu Eigen machen und auch private Spender aktiviert werden sollen: Die zu restaurierenden Objekte wie – in einer späteren Phase – die erfolgreich restaurierten müssen vor Ort im Original präsentiert werden. (Die Wöhrdener Wirtschaftsbücher wurden am Sitz des Propstes, im Dom zu Meldorf, vorgestellt.) Kirchengemeinde, ggf. auch Kirchenkreisvorstand und Propst, müssen von der kulturpolitischen Bedeutung des Projekts überzeugt werden. Die Zuwendungen regionaler Körperschaften wirbt eher der Ortspfarrer ein, überregionale Stiftungen werden u. U. eher über eine landeskirchliche Einrichtung erreicht. Die Benefizveranstaltungen müssen in einem geistlichen Rahmen stehen, z.B. durch die Lesung des Tagesevangeliums. Rede – und Musikbeiträge müssen gut gegeneinander abgestimmt werden. Die Musikstücke dürfen nicht zu lang und müssen abwechslungsreich sein. Reden und Vorträge zu den beworbenen Objekten sind in verständlichem Deutsch und überschaubarer Länge zu halten. Günstig wirkt die Verbindung eines Wortbeitrags mit der Überreichung eines Schecks. Die Veranstaltungsbesucher wollen erfahren, wie sie die Restaurierung konkret unterstützen können. Die an der Restaurierung beteiligten Firmen erhalten die Gelegenheit sich vorzustellen. Zum Abschluss der Veranstaltung wird um eine Spende am Ausgang gebeten.

Dr. Jens Murken, Landeskirchliches Archiv Bielefeld, konnte aus dringenden familiären Gründen das 2009 eröffnete Kulturzentrum „Martin Luther Forum Ruhr“ in Gladbeck nicht selbst vorstellen; sein Manuskript trug Anja Emmerich, Bibliothek des Landeskirchenamts Bielefeld, vor. Das Martin Luther Forum Ruhr, Bestandteil des Programms der Kulturhauptstadt Ruhr 2010, wird von einem gleichnamigen, von Privatpersonen gegründeten Verein unterhalten, dem auch die Ev.-Luth. Kirchengemeinde Gladbeck und der Kirchenkreis Gladbeck-Bottrop-Dorsten angehören. Neben Gesprächsabenden zu gesellschaftspolitischen Themen und kulturellen Angeboten präsentiert das unabhängige Bürgerforum seit April 2010 eine Dauerausstellung „Reformation und Ruhrgebiet“, die die Auswirkungen der Reformation bis in die Gegenwart verfolgt.

Am Donnerstagnachmittag fanden die Mitgliederversammlungen und die Sitzungen der Verbände statt. Den neu gewählten Vorstand bilden: Vorsitzender: Dr. Michael Häusler, Archiv und Bibliothek des Diakonischen Werkes der EKD, Berlin; Stellvertreterinnen: Anja Emmerich, Bibliothek des Landeskirchenamts Bielefeld, und Dr. Bettina Wischhöfer, Landeskirchliches Archiv Kassel; weitere Vorstandsmitglieder: Jürgen Drechsler, Landeskirchenamt Hannover, Dr. Stefan Flesch, Landeskirchliches Archiv Düsseldorf, Rainer Gritzka, Kirchenamt der EKD, Hannover, Timo Koch, Landeskirchenamt Kassel, Renate Kuffart, Evangelische Hochschule Ludwigsburg, Rainer Rausch, Ev. Oberkirchenrat Schwerin, Armin Stephan, Augustana-Bibliothek, Neuendettelsau und Dr. Johann Peter Wurm, Landeskirchliches Archiv Schwerin.

Am 7. Mai informierten Dr. Gabriele Stüber, Zentralarchiv der Ev. Kirche der Pfalz, Speyer und Dr. Bettina Wischhöfer, Landeskirchliches Archiv Kassel, über „Aktuelle Entwicklungen im Projekt ‚Kirchenbuchportal’“. Seit der Fachtagung zur Kirchenbuchnutzung 2006 entwickelte sich das Vorhaben eines Kirchenbuchportals rasant. Bereits seit 2007/8 sind Visitenkarten beteiligter evangelischer und katholischer Kirchenarchive im Kirchenbuchportal nutzbar, seit 2010 werden auch Metadaten zu Kirchenbüchern in das Portal eingestellt. Gepflegt wird es von Dr. Jens Murken, Landeskirchliches Archiv Bielefeld. In den Arbeitsgruppen, die die juristischen, technischen und betriebswirtschaftlichen Fragen prüfen, ist mehr als die Hälfte der Mitglieder der Leitung und des Wissenschaftlichen Beirats des Verbandes kirchlicher Archive engagiert; die EKD finanzierte das Geschäftsmodell. Über die einzelnen Phasen des Projekts wurde in Fachzeitschriften und auf Tagungen ausführlich berichtet. Nunmehr prüft die EKD die Möglichkeit einer Anschubfinanzierung für das Kirchenbuchportal, das sich drei Jahre nach dem Start über Gebühren selbst tragen soll. In das Portal sind allein 200.000 evangelische Kirchenbücher digitalisiert einzustellen, im ersten Jahr 20.000. Das Kirchenbuchportal wird Genealogen wie Wissenschaftlern die Benutzung der Kirchenbücher nicht nur erleichtern, sondern auch strukturierte und zutreffende Metadaten bieten – im Unterschied zu anderen Anbietern genealogischer Daten. Im Portal bleibt das eignende und betreuende Kirchenarchiv mit seiner Kompetenz sichtbar. Der Download der abgebildeten Seiten wird ausgeschlossen. Personaleinsparungen wird das Kirchenbuchportal nicht ermöglichen, aber die überlasteten Archivarinnen und Archivare für andere Aufgaben freistellen.

Das erste gemeinsame Projekt beider Verbände der Arbeitsgemeinschaft stellte Dr. Onno Frels, Hochschul- und Landeskirchenbibliothek Wuppertal, vor: die „Digitale Bibliothek Kirchenkampf.“ Die Auseinandersetzungen innerhalb der evangelischen Kirche in der NS-Zeit werden in einer Fülle von Kleinschriften der Bekennenden Kirche, der Deutschen Christen und der Deutschen Glaubensbewegung dokumentiert: Synodalprotokolle der Bekennenden Kirche, Vorträge, Predigten, Broschüren zur Darstellung der eigenen Position wie der des Gegners. Dieses Schrifttum ist vom Säurefraß bedroht, über viele Bibliotheken und Archive zerstreut und häufig unzulänglich katalogisiert. Diese unersetzlichen Quellen soll die die Digitale Bibliothek sichern und besser zugänglich machen. Ihr Konzept wird von Dr. Frels, Dr. Christa Stache, Evangelisches Zentralarchiv in Berlin, und Dr. Murken erarbeitet. Die Ziele der Digitalen Bibliothek: 1. Bestandsnachweis über Titelnachweis mit inhaltlicher Erschließung im WEB-OPAC des Virtuellen theologischen Katalogs, 2. Bestandsschonung, 3. Informationssicherung, 4. Benutzung, 5. Öffentlichkeitsarbeit. Die Informationen werden über die Digitalisierung gesichert; die Originale können nicht erhalten werden. Damit stellt sich allerdings das Problem der dauerhaften Aufbewahrung digitaler Unterlagen. Die Katalogisierung schließt den vollständigen Besitznachweis ein. Zuerst werden die Zeitschriften der Einrichtungen mit den größten Beständen digitalisiert, dann deren übrige Schriften. Die kleineren Einrichtungen müssen nur noch ihr Sondergut einbringen. Mittelfristig ist die Kooperation mit staatlichen Einrichtungen anzustreben, die über entsprechende Bestände verfügen. Die genauen Arbeitsschritte und Konzepte zur Finanzierung werden noch erarbeitet. Die urheberrechtlichen Fragen werden gemeinsam mit dem Deutschen Bibliotheksverband geprüft. Das Projekt fand begeisterte Zustimmung bei den Teilnehmenden, die sich sofort mit Fragen zur Umsetzung einbrachten. Dr. Otte machte darauf aufmerksam, dass die zeitgeschichtliche Forschung den Begriff „Kirchenkampf“ auf die Zeit 1933/34 eingeengt hat. Auch sollten seines Erachtens auch die Publikationen der DC aus den späten 1920er Jahren einbezogen werden. Die genaue bibliografische Identifizierung der jeweiligen Schriften ist nach der Erfahrung mehrerer Teilnehmerinnen so schwierig, dass sie mitunter Forschungsarbeit erfordert. Als Hilfsmittel zur Verschlagwortung und Ermittlung der Titel empfahl Frels einen Katalog aus dem Saur-Verlag: „Der Kirchenkampf: the Gutteridge-Micklem Collection at the Bodleian Library, Oxford. – London [u.a.] : Saur, [ca. 1988], 55 S.“ Für die Ermittlung des Gesamtvolumens wird die Arbeitsgruppe einen Fragebogen an alle Bibliotheken und Archive der Arbeitsgemeinschaft versenden. Anschließend werden die konkreten Vorgaben für die Katalogisierung festgelegt. Voraussichtlich wird für das Projekt eine Anschubfinanzierung der EKD erbeten werden müssen.

Die Dokumentierung und Erforschung der kirchlichen Zeitgeschichte muss mit dem Bemühen um die Erinnerungskultur verbunden werden. Dies zeigte der Vortrag von Dr. Wolfgang Krogel, Landeskirchliches Archiv Berlin, „Kirchengeschichte und Erinnerungskultur in der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.“ In der Arbeit der Arbeitsgemeinschaft bzw. des Vereins für Berlin-Brandenburgische Kirchengeschichte war für Aktivitäten der Erinnerungskultur wenig Raum. Die Entdeckung des von 42 Berliner Gemeinden 1942-1945 für die Pflege ihrer Friedhöfe unterhaltenen Zwangsarbeiterlagers zeigte, dass die Landeskirche sich aktiv um Erinnerungsarbeit bemühen musste. Deshalb wurde 2005 die Clearingstelle Erinnerungskultur bei einem Ausschuss der Kirchenleitung gebildet. Als Ziele kirchlicher Erinnerungsarbeit wurden laut Krogel festgelegt: Die betroffenen Personen ermitteln und den Opfern ihre Würde wiedergeben; Begegnung und Versöhnung fördern, Hilfe leisten, wo die Not heute drückt. Gemeinsam mit den Kirchengemeinden Verantwortung als Landeskirche wahrnehmen. Durch gezielte wissenschaftliche Begleitung und Kooperationen zuverlässige Ergebnisse ermitteln; durch professionelle Präsentation der Ergebnisse gegenüber der Öffentlichkeit die Wahrnehmung der historischen Verantwortung glaubwürdig zeigen. Ein Ergebnis der Berliner Erinnerungsarbeit ist der Ausstellungspavillon der „Arbeitsgemeinschaft NS-Zwangsarbeit Berliner Evangelischer Kirchengemeinden“ auf der Gedenkstätte für kirchliche Zwangsarbeiter. Das Forum Erinnerungskultur im Landeskirchlichen Archiv Berlin betreut ebenso Projekte zur Verfolgung Christen jüdischer Herkunft. Künftig wird die Erinnerungsarbeit koordiniert von den Generalsuperintendenten, den Vorsitzenden der beiden kirchenhistorischen Vereine und dem Leiter des Landeskirchlichen Archivs.

Abschließend orientierte Dr. J. Marius J. Lange van Ravenswaay, Johannes a Lasco-Bibliothek Emden, über das „Das Kulturprojekt Johannes a Lasco-Bibliothek Emden.“ Nachdem die EKD und ihre Gliedkirchen das Stiftungskapital der Johannes a Lasco-Bibliothek, zu der auch ein Museum und ein Tagungszentrum gehören, auf 9 Millionen Euro aufgestockt hatten, konnte sie ihre Arbeit am 1. Februar 2010 wieder aufnehmen. Die Verwaltung des Stiftungskapitals liegt bei der EKD. Den zweiköpfigen Vorstand und die Mitarbeiter bezahlt die Evangelisch-reformierte Kirche. Zahlreiche Ehrenamtliche ermöglichen die Arbeit des Museums. Der laufende Haushalt wird nur aus den Zinsen des Stiftungskapitals bestritten. Wöchentlich finden mehrere Veranstaltungen in der Bibliothek statt. Im Melanchthonjahr wie zum Jubiläum des Heidelberger Katechismus 2013 sind wissenschaftliche Kongresse und Ausstellungen geplant.

Das weite Spektrum der Tagung wurde vertieft durch den Eröffnungsgottesdienst im Dom, Andachten und Besichtigungen. Im Anschluss an den großzügigen Empfang der Ev.-Luth. Landeskirche Mecklenburgs bestand für die Gäste auch Gelegenheit, sich über den Vereinigungsprozess der Nordkirchen zu informieren. Die geistliche Dimension der Arbeit von kirchlichen Bibliotheken und Archiven war im Verlauf der Tagung in besonderer Weise zu erfahren.

Carlies Maria Raddatz-Breidbach

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17. Tagung der Norddeutschen Kirchenarchivarinnen und Kirchenarchivare am 2. und 3. Mai 2007 in Zinnowitz

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Mitgliederversammlung der Arbeitsgemeinschaft der Archive und Bibliotheken auf der Ebernburg, 24.-26. April 2007

In der bei Bad Kreuznach gelegenen Evangelischen Bildungsstätte Ebernburg der Ev. Kirche im Rheinland fand Ende April die Mitgliederversammlung der AABevK statt, die alle drei Jahre zusammentritt. Dabei wurde das Vorstandsmitglied Prof. Dr. Bernd Hey (Landeskirchliches Archiv Bielefeld) mit großem Dank in den Ruhestand verabschiedet. Zum neuen Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft wählte die Mitgliederversammlung Dr. Michael Häusler, den Leiter des Archivs und der Bibliothek Berlin des Diakonischen Werkes der EKD. Durch weitere notwendige Nachwahlen veränderte sich die Zusammensetzung des Vorstands und der Verbandsleitung. Vor allem aber bot ein attraktives Vortragsprogramm Einsichten in die Auswirkungen der kirchlichen Finanz- und Strukturreformen auf die Archive und Bibliotheken, die Präsentation von Bibliotheks- und Archivbeständen im Internet Urheberrechtsfragen und die Zukunft der historischen Buchbestände.

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Regionaltagungen des Verbandes kirchlicher Archive im Mai 2007

Die diesjährigen Regionaltagungen der evangelischen Kirchenarchivar/innen finden in Pommern und in der Pfalz statt.

Für den 2. und 3. Mai lädt das Landeskirchliche Archiv Greifswald zur Tagung der norddeutschen Kirchenarchive in das Ostseebad Zinnowitz auf der schönen Insel Usedom. Eines der zu behandelnden Themen wird die Digitalisierung von Kirchenbüchern sein.

In der darauf folgenden Woche treffen sich die Mitarbeitenden der süddeutschen Kirchenarchive auf Einladung des Zentralarchivs der Pfälzischen Kirche in Speyer. Neben der Kichenbuchdigitalisierung stehen die Überlieferungssicherung in Pfarrarchiven und die Definition archivischer Standards im Hinblick auf die elektronische Aktenführung auf der Tagesordnung.

Anmeldungen nehmen die ausrichtenden Archive bis Mitte April entgegen.

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Kirchenbücher zu verkaufen?

Immer wieder kommt es vor, dass Kirchenbücher und andere kirchliche Archivalien auf Flohmärkten oder im Internet (eBay) zum Verkauf angeboten werden. Fast immer handelt es sich dabei um Archivalien, die den Kirchengemeinden auf unrechtmäßigem Wege entwendet wurden. Einmal verkauft, sind die Kirchenbücher für die genealogische Forschung verloren. Alle seriösen Familienforscher sollten deshalb ein Interesse an der Verhinderung derartiger Machenschaften haben.

Wenn Sie auf Flohmärkten oder im Internet auf verdächtig erscheinende Angebote stoßen, informieren sie deshalb bitte umgehend das zuständige Bistums- oder Landeskirchliche Archiv.
Eine Liste der Landeskirchlichen Archive finden Sie hier.

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Fachtagung zur Kirchenbuchnutzung in Hannover

In Zeiten von Digitalisierung und Internet wachsen die Begehrlichkeiten nach dem schnellen und umfassenden Zugriff auf Kirchenbücher, der zentralen Quelle für den attraktiven Markt der Genealogie. Das birgt für die kirchlichen Archive Chancen und Risiken, insbesondere im Hinblick auf die Digitalisierung und Internetpräsentation, für die sich kommerzielle Unternehmen und Fremdorganisationen anbieten. Im Rahmen einer Fachtagung für Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von kirchlichen Archiven und deren Träger am 25. September 2006 in Hannover wurden rechtliche Aspekte der Thematik betrachtet und das Pro und Contra von Outsourcing beleuchtet. Ein ausführlicher Tagungsbericht und die drei zentralen Referate aus dem kompakten Tagungsprogramm sind online abrufbar.

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Dr. Wolfgang Eger
25.10.1928 Klingenthal, Sachsen - 17.7.2005 Speyer

Der frühere Direktor des Zentralarchivs der Evangelischen Kirche der Pfalz, Wolfgang Eger, starb im Alter von 76 Jahren in Speyer an den Folgen einer schweren Krankheit. Wolfgang Eger war 1957 in den Dienst der pfälzischen Landeskirche getreten und wirkte dort bis 1992, zuletzt als Archivdirektor.

Wolfgang Eger wurde 1928 im sächsischen Klingenthal geboren. Er studierte von 1947 bis 1951 an der Universität Jena Pädagogik, Geschichte und Kunsterziehung und promovierte im Fach Geschichte. Danach schlug er die Archivlaufbahn ein und absolvierte am Institut für Archivwissenschaft in Potsdam die Ausbildung zum wissenschaftlichen Archivar. 1957 siedelte er in die Bundesrepublik, nachdem er eine Anstellung als Leiter des Landeskirchlichen Archivs in Speyer erhalten hatte.

In seiner langjährigen Amtszeit setzte sich Wolfgang Eger insbesondere für den Ausbau des Landeskirchlichen Archivs zu einem Zentralarchiv der pfälzischen Landeskirche ein, dem zentralen Aufbewahrungsort protestantischer Überlieferung in der Pfalz. Durch die Publikation wichtiger Nachschlagewerke sorgte Eger dafür, dass das Zentralarchiv als Dienstleistungsinstitution ein Gesicht erhielt. 1967 publizierte er den Registraturplan für Pfarrämter, der daraufhin allen Pfarrämtern als Richtschnur für die Schriftgutablage diente. Er erstellte zudem ein vielbenutztes Kirchenbuchverzeichnis in mehreren Auflagen, das bis heute die Grundlage für eine Fortschreibung bildet und in eingeweihten Kreisen nur "der Eger" heißt. Auch das Handbuch der pfälzischen Landeskirche aus dem Jahre 1967 entstand im Landeskirchlichen Archiv und ist bis heute ein unentbehrliches Nachschlagewerk beispielsweise für die schnelle Orientierung über kirchengeschichtliche Eckdaten auf Ortsebene. Insgesamt veröffentlichte Wolfgang Eger mehr als 100 wissenschaftliche Publikationen.

1977 erhielt das Zentralarchiv dank seines Engagements mit dem Archiv der Deutschen Ostasienmission einen ganz besonderen Bestand. Als eine Unterbringung für dieses bedeutende Missionsarchiv gesucht wurde, fiel die Wahl auf die Pfalz, da diese die Ostasienmission traditionell stark unterstützte. Im Anschluss an die Grundsatzentscheidung, das Zentralarchiv auch für Missionsbestände zu öffnen, werden bis heute Unterlagen an das Archiv abgegeben. In die Amtszeit Wolfgang Egers fielen überdies große landeskirchliche Jubiläen, die das Archiv durch kulturelle Aktivitäten begleitete. Zum 150jährigen Jubiläum der pfälzischen Kirchenunion von 1818 veranstaltete der Verein für Pfälzische Kirchengeschichte einen erstmals im deutschen Raum durchgeführten Kirchenarchivtag im Martin-Butzer-Haus in Bad Dürkheim. Die Konferenz, die die evangelischen kirchengeschichtlichen Vereinigungen in der Pfalz zusammenführte, wurde vom Landeskirchlichen Archiv maßgeblich mit organisiert. Anlässlich des 450. Jubiläums der Protestation im Jahre 1979 und der 450jährigen Wiederkehr der Reformation in der Reichsstadt Speyer im Jahre 1990 gestaltete das Archiv in der Heiliggeistkirche zu Speyer viel beachtete Ausstellungen. Wolfgang Eger war langjähriges Vorstandsmitglied und zuletzt Ehrenmitglied im Verein für pfälzische Kirchengeschichte, dessen Anliegen er durch zahlreiche pfalzbezogene Beiträge unterstützte. Er vertrat die Pfalz im Verband kirchlicher Archive und in zahlreichen anderen Gremien, um die protestantische Archivarbeit in der Pfalz extern zu vernetzen. Von 1979 bis 1993 wirkte Wolfgang Eger überdies als Vorsitzender des Verwaltungsrates des Evangelischen Zentralarchivs in Berlin.

Neben der archivischen Tätigkeit war Wolfgang Eger auch ein politisch Handelnder. Dem Speyerer Stadtrat gehörte er als SPD-Mitglied von 1969 bis 1985 und von 1989 bis 1994 an. Acht Jahre war er ehrenamtlicher Beigeordneter und Kulturdezernent. Wolfgang Eger war ein Mitbegründer der Speyerer Kulturtage als eines Forums für die Integration der kulturtreibenden Vereine. Für seine beruflichen und ehrenamtlichen Verdienste erhielt Wolfgang Eger 1983 das Bundesverdienstkreuz am Bande, 1994 die Verdienstmedaille der Stadt Speyer und im Jahre 2004 den Verdienstorden des Landes Rheinland-Pfalz.

Gabriele Stüber

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Empfehlungen zur Aufbewahrung von Archivgut

Für die Aufbewahrung von Archivgut gelten Standards, die auch von kleineren kirchlichen Archiven nicht unterschritten werden sollten. Vor allem an die Gemeinde- und Kirchenkreisarchive richtet sich daher eine im Mai 2005 erschienene Broschüre des Verbandes kirchlicher Archive, in der Empfehlungen für die Beschaffenheit und Ausstattung von Archivräumen gegeben werden. Hinweise zum richtigen Raumklima und zu vorbeugenden Schutzmaßnahmen helfen Schäden an den Archivalien vermeiden. Ebenfalls in den Bereich der Vorbeugung gehören die Empfehlungen für den Einsatz von geeigneten Papieren und Schreibmaterialien, die in aktualisierter Form in die Publikation aufgenommen wurden.

Das Heft, das sich hervorragend in der Archivpflege einsetzen lässt, ist zum Preis von 3 Euro beim Landeskirchlichen Archiv Stuttgart erhältlich.

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Aktuelle Neuerscheinungen

Zum Jahreswechsel 2004/05 hat der Verband kirchlicher Archive eine repräsentative Selbstdarstellung vorgelegt, in der auf 30 Seiten die Struktur, Aufgaben und Leistungen des Verbandes vorgestellt werden. Über die Publikationen und Fachtagungen des Verbandes wird ebenso berichtet wir über seine Tätigkeit in archivischen Grundsatzfragen und in der Beratung von Mitgliedsarchiven. Die Broschüre ist erhältlich im Landeskirchlichen Archiv Kassel.

Die Neuwahl der Leitungsgremien war Anlass für eine Neuausgabe des Mitgliederverzeichnisses der Arbeitsgemeinschaft der Archive und Bibliotheken in der evangelischen Kirche. Es dient als internes Arbeitsmittel der Mitgliedseinrichtungen, die es beim Landeskirchlichen Archiv Hannover beziehen können. Die aktuellen Adressen der Archive und Bibliotheken sind auf deren Websites online verfügbar.

Unter dem Titel Territorialkirchengeschichte ist das Handbuch für Landeskirchen- und Diözesangeschichte neu in der Reihe der Veröffentlichungen der Arbeitsgemeinschaft der Archive und Bibliotheken in der evangelischen Kirche erschienen. Es stellt die aktualisierte Neuauflage des Handbuches Deutsche Landeskirchengeschichte von 1999 dar, das um einen umfangreichen Teil zur katholischen Diözesangeschichte erweitert wurde. Die Publikation ist über den Buchhandel zu beziehen.

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Richtlinien zum Umgang mit digitalen Informationen
in der Verwaltung

Archivarinnen und Archivare stehen wir nicht nur vor der Aufgabe, zukünftig digitale Unterlagen aus den kirchlichen Verwaltungen übernehmen und archivieren zu müssen. Auch die gegenwärtige Art des Umgangs mit digitalen Informationen in den Verwaltungen betrifft die Archive unmittelbar. Schon jetzt reißt das unkontrollierte Vertrauen vieler kirchlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in die scheinbare Haltbarkeit von Email-Nachrichten und Textverarbeitungsdateien unwiederbringliche Lücken in die schriftliche Überlieferung.

Dazu hat eine Arbeitsgruppe des Verbandes kirchlicher Archive Richtlinien zum verantwortlichen Umgang mit digitalen Unterlagen entwickelt, die die lückenlose Dokumentation kirchlichen Verwaltungshandelns unter den gegenwärtigen Bedingungen der elektronischen Kommunikation sicherstellen sollen. Zur Berücksichtigung der unterschiedlichen technischen Umgebungen liegen die Richtlinien in jeweils einer Version für PC-Arbeitsplätze in Netzwerkumgebung und für solche ohne Netzwerkumgebung vor.

Die Richtlinien wurden an die Verantwortlichen für die innere Verwaltung kirchlicher Behörden und Verbände gesandt, verbunden mit dem Appell, sie - eventuell in angepasster Form - im jeweiligen Verantwortungsbereich als verbindliche Anweisungen zur Schriftgutverwaltung einzuführen. Beide Versionen der Richtlinien sind hier online und zum Download verfügbar.
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Früherer Württembergischer Kirchenarchivdirektor Gerhard Schäfer ist verstorben

Der langjährige Leiter des landeskirchlichen Archivs Stuttgart, D. Dr. Gerhard Schäfer, ist tot. Er verstarb am 8. März 2003 im Alter von 79 Jahren. Am 13. März wurde er in Nürtingen-Hardt kirchlich bestattet.

32 Jahre lang, von 1956 bis 1988, war Schäfer Kirchenoberarchivdirektor der württembergischen Landeskirche. "Er hat das Archiv als wissenschaftliche Institution etabliert", würdigt der heutige Leiter, Dr. Hermann Ehmer, das Verdienst seines Vorgängers. Wichtigstes Ergebnis seiner wissenschaftlichen Arbeit war die siebenbändige Dokumentation "Die Evangelische Landeskirche in Württemberg und der Nationalsozialismus", die Schäfer zwischen 1968 bis 1986 herausgab. In ihr sind über 3500 Quellentexte enthalten, die die Rolle der Landeskirche im Kirchenkampf erhellen. Für die bis dahin deutschlandweit einmalige Dokumentation erhielt Schäfer 1989 den Schillerpreis der Stadt Marbach. In seiner Laudatio zur Preisverleihung nannte der Kirchenhistoriker Professor Dr. Martin Brecht den Archivar einen "Glücksfall für die württembergische Landeskirche".

Geboren wurde Gerhard Schäfer am 2. Juni 1923 in Stuttgart. In Tübingen studierte er Germanistik, Geschichte, Theologie und Philosophie. Nach dem Studium und der Promotion in seinem Hauptfach Germanistik arbeitete Schäfer bei verschiedenen Verlagen, unter anderem bei der Deutschen Verlags-Anstalt (DVA), bevor er 1956 die Leitung des landeskirchlichen Archivs übernahm. Ab 1962 war Gerhard Schäfer 26 Jahre lang Vorsitzender des Vereins für württembergische Kirchengeschichte. Die Evangelisch-Theologische Fakultät in Tübingen verlieh dem Kirchenhistoriker 1981 die Ehrendoktorwürde. 1987 übernahm Schäfer den Vorsitz der Kommission der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zur Erforschung des Pietismus. Er gehörte auch der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg an. 1988 ging Gerhard Schäfer in den Ruhestand.

Über 70 Bücher hat der landeskirchliche Archivar herausgegeben und verfasst. 1984 erschien eine Geschichte der Evangelischen Landeskirche in Württemberg mit dem Titel "Zu erbauen und zu erhalten das rechte Heil der Kirche". Ihr war 1964 eine "Kleine Württembergische Kirchengeschichte" vorausgegangen. Gerhard Schäfer gab zahlreiche Werke württembergischer Theologen neu heraus, unter anderem Schriften von Johannes Brenz, Friedrich Christoph Oetinger, Albrecht Bengel und Johann Christoph Blumhardt.

(Auf der Grundlage einer Pressemitteilung des Pressesprechers der
Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Klaus Rieth, zum Seitenanfang



Rundbrief des Verbandes jetzt online verfügbar

Waren bislang nur die Inhaltsverzeichnisse unseres Rundbriefs auf dieser Website verfügbar, so können Sie seit Januar 2003 auch die komplette Ausgabe des Rundbriefs als PDF-Datei hier finden (lesbar mit Acrobat Reader).
Der Rundbrief ist das
Mitteilungsblattes unter Kolleginnen und Kollegen und informiert die Mitgliedseinrichtungen etwa halbjährlich über Vorgänge im Verband, neue Archivprojekte, Personalveränderungen und Ähnliches.
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