Auslandsarbeit und ökumenische Beziehungen außerhalb Europas

Weitere Informationen aus der Arbeit der Überseeabteilung


Naher und Mittlerer Osten

Die deutschsprachigen Gemeinden im Nahen und Mittleren Osten (Arabische Halbinsel, Beirut, Istanbul, Kairo, Jerusalem mit Amman, Teheran, Zypern) haben einige Gemeinsamkeiten: In ihnen gibt es deutsche Frauen, die mit einheimischen Männern (in der Regel Muslimen) verheiratet sind. Die Region lebt seit Jahren in einer Krisensituation. Alle Kirchen sind in der islamischen Umwelt Minderheiten. In der ökumenischen Gemeinschaft sind die protestantischen Kirchen belastet, weil sie aus der westlichen Missionsarbeit (unter Muslimen und christlichen Kirchen) entstanden sind. Es ist ein Verdienst der ökumenischen Bewegung (und darin auch der deutschsprachigen Gemeinden), dass sich das Verhältnis der orthodoxen, altorientalischen und protestantischen Kirchen in den vergangenen Jahrzehnten verbessert hat. Das besondere Engagement der EKD im Heiligen Land wird durch die Stiftungen wahrgenommen. Zu ihnen gehören Erlöserkirche und Hospiz in der Altstadt von Jerusalem, Himmelfahrtkirche und Kirchlicher Dienst für Pilger und Touristen auf dem Ölberg sowie das Deutsche Evangelische Institut für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes.

Übersee-Abteilung in Zahlen
Vertragliche Kirchengemeindschaften 10
Auslandsgemeinden 38
Seelsorgestellen 45
EKD-entsandte und beauftragte Pfarrer/innen 73



Islam/Weltreligionen

Die Welt des Islam macht Schlagzeilen und ist umstritten – der Islam in Deutschland fängt an, sich in einer für ihn neuen Situation (als Minderheit) zurechtzufinden. Der Rat der EKD hat mit einer Handreichung Position zu den Muslimen in Deutschland bezogen. Dialog mit islamischen Gruppen im In- und Ausland, Beratung von kirchlichen Aktivitäten, Informationen über Islam für Christen und über Christentum für Muslime sowie Fortbildung von kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sind deshalb Arbeitsschwerpunkte des Referats Islam und Weltreligionen. Dabei ist auch die Situation von christlichen Minderheiten in islamischen Ländern im Blick. Dazu gibt es Fragen: Wie beeinflusst die Milliarde von Muslimen in aller Welt das interreligiöse Klima in Deutschland? Was bedeuten die drei Millionen Muslime in Deutschland theologisch für die Gemeindewirklichkeit?

Die Konferenz für Islamfragen der Islambeauftragten aus den Gliedkirchen und Werken der EKD bespricht aktuelle Fragen der Islam-Begegnung und begleitet die Referatsarbeit. Der christlich-muslimische Dialog mit Partnern im Nahen und Mittleren Osten ist eine Konkretion der internationalen Arbeit, die in enger Zusammenarbeit mit den entsprechenden Abteilungen bei der Konferenz Europäischer Kirchen und beim Ökumenischen Rat der Kirchen geschieht. Immer wichtiger wird die Einbettung der Islam-Begegnung in den interreligiösen Dialog.


Afrika

Die aus der Missions- und Auswanderertradition entstandenen Kirchen in Südafrika und Namibia sind auch für viele der auf Zeit in diesen Ländern lebenden Deutschsprachigen zur kirchlichen Heimat geworden. Obwohl die deutschsprachigen evangelisch-lutherischen Kirchen in Südafrika und Namibia ihren eigenen Theologennachwuchs zunehmend aus der mit den lutherischen Schwesterkirchen gemeinsam verantworteten Theologenausbildung in Pietermaritzburg/Süd-afrika gewinnen, sind diese Kirchen nach wie vor auf die Entsendung deutschsprachiger Theologen angewiesen. In weiteren zwölf Ländern Afrikas (Äthiopien, Ghana, Kamerun, Kenia, Mosambik, Nigeria, Sambia, Simbabwe, Sudan, Tansania, Togo und Uganda) treffen sich deutschsprachige Christen zu Gottesdiensten und gemeinsamen Veranstaltungen. Von den durch die EKD entsandten Pastoren werden in größeren Gemeinden auch Schul- und Konfirmandenunterricht angeboten.

Angesichts der hinlänglich bekannten Nöte und Herausforderungen Afrikas sieht sich die EKD in besonderer Solidarität mit den dortigen Kirchen, den nationalen Kirchenräten und der Allafrikanischen Kirchenkonferenz (AACC). Dabei wird dem Dialog über theologische, kirchliche und sozialpolitisch relevante Fragen eine besondere Bedeutung zugemessen. Das Afrikareferat vermittelt Anfragen und Anliegen aus dem Bereich der EKD und den afrikanischen Kirchen und setzt sich, auch in Zusammenarbeit mit dem Evangelischen Entwicklungsdienst (EED) und Brot für die Welt, auf verschiedenen politischen und kirchlichen Ebenen für die Belange dieses Kontinents ein.

 

Entwicklungspolitik

Die EKD beteiligt sich an der ökumenischen Arbeit für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung. Sie trägt gegenüber ihren Gliedkirchen die Verantwortung für diese Gemeinschaftsaufgabe, die von Brot für die Welt und dem Evangelischen Entwicklungsdienst (EED) wahrgenommen wird. Darüber hinaus beteiligt sich die EKD mit ihrem gesellschaftspolitischen Gewicht an entwicklungspolitischen Aktionen und nimmt zu globalen Themen Stellung. Viele Kirchen in Übersee sehen in der EKD einen wichtigen Partner im ökumenischen Dialog über die gemeinsame Weltverantwortung.

Die Übernahme internationaler Verantwortung gehört zum Grundkonsens einer zukunftsfähigen Gesellschaft. Dazu gehört eine verbindliche weltweite Rahmenordnung für wirtschaftliches und soziales Handeln, das der Entwicklung aller Menschen dient und das die natürlichen Lebensgrundlagen kommender Generationen nicht gefährdet. Die EKD wird in Fragen, die sich aus den globalen Entwicklungsprozessen ergeben, von der Kammer für Nachhaltige Entwicklung beraten, die entsprechende Positionen auf der Basis einer evangelischen Ethik formuliert.

Durch die Konferenzen der gliedkirchlichen Ökumene-, Missions- und Entwicklungsreferenten/Referentinnen und der Beauftragten für den Kirchlichen Entwicklungsdienst ermöglicht die EKD den Informationsaustausch und die Koordination von gemeinsamen Aktivitäten der entwicklungspolitischen Bildungs- und Lobbyarbeit der Gliedkirchen in enger Zusammenarbeit mit den Entwicklungswerken.
(Siehe auch Afrikareferat)


Ferner Osten, Pazifik, Australien

Die Region der Superlative: Drei Fünftel der Menschheit leben hier, China und Indien sind die bei weitem bevölkerungsreichsten Länder der Erde, die ethnische, religiöse, sprachliche und kulturelle Vielfalt ist unüberschaubar, die Volkswirtschaften wachsen hier so schnell wie sonst nirgends und mit ihnen die ökologischen und sozialen Probleme. Zugleich bilden die Christen mit Ausnahme von Australien, Neuseeland, den Philippinen und Südkorea in den Ländern dieser Region die Minderheit. In den großen urbanen Zentren gibt es wachsende Gruppen von Deutschsprachigen. Nur in die wichtigsten Orte kann die EKD Pfarrerinnen und Pfarrer entsenden oder beauftragen. Sie sollen nicht nur Seelsorger/innen für die Deutschsprachigen, sondern zugleich „ökumenische Brückenköpfe“ in den jeweiligen Regionen, Ländern und Städten sein. Diese sind: Bangkok, Bombay, Hongkong, Jakarta, Kobe, Manila, Melbourne, Neu-Delhi, Peking, Seoul, Singapur sowie Sydney und Tokio. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Gemeinden und Gemeindegruppen, die von diesen Zentren aus mit betreut werden. Mit den Nationalen Kirchen- und Christenräten in mehreren dieser Länder pflegt die EKD intensive Beziehungen, z. B. mit China, Hongkong, Indonesien, Japan, den Philippinen, Südkorea und Taiwan. Wichtig für das ökumenische Miteinander sind zudem die Beziehungen zu den regionalen Kirchenbünden der Christian Conference of Asia (CCA) und der Pacific Conference of Churches (PCC).


Lateinamerika

Durch die spanische „Conquista“ vor über 500 Jahren wurde Lateinamerika gewaltsam zum Vorhof des christlichen Abendlandes gemacht. Heute ist Lateinamerika trotz politischer Unabhängigkeit seiner Länder wegen hoher Auslandsverschuldung und neuer Marktordnungen weiterhin in fataler Abhängigkeit. Obwohl reich an Menschen und Rohstoffen wächst die Armut und Verelendung stetig. Die historischen protestantischen Kirchen Europas kamen als Begleiterinnen der großen Einwandererschübe seit dem letzten Jahrhundert nach Lateinamerika. Das starke Wachstum der ursprünglich aus Nordamerika kommenden Pfingstkirchen geben dem bisher „katholischen Kontinent“ ein neues religiöses Gesicht.

Die protestantischen Kirchen Lateinamerikas sind heute eigenständig. Sie stellen sich ihrem prophetischen und diakonischen Auftrag und entwickeln eigene Profile (Befreiungstheologie – pfingstlerische Spiritualität). Die EKD unterstützt personell und finanziell ihre Partnerkirchen in Brasilien (Igreja Evangélica de Confissão Luterana no Brasil), Argentinien/Uruguay/Paraguay (Iglesia Evangélica del Río de La Plata), Chile (Iglesia Evangélica Luterana en Chile und Iglesia Luterana en Chile) und die deutschsprachigen Auslandsgemeinden in den anderen Ländern Lateinamerikas. – Darüber hinaus übernimmt die EKD zusammen mit ihren Werken, den nationalen Christenräten und ökumenischen Bündnissen Mitverantwortung für: Menschenrechte, Ökologie, Friedensstiftung, Demokratieprozesse, Schutz indigener Völker und Kulturen. In den Partnerkirchen und -gemeinden Lateinamerikas arbeiten zurzeit 33 von der EKD entsandte bzw. beauftragte Pfarrer und Pfarrerinnen.


Nordamerika

Auch hier brachten Einwanderer die europäischen protestantischen Kirchen ins Land. Kirchengründungen mit vielen Abspaltungen prägen die Kirchengeschichte Nordamerikas. Die Partnerbeziehungen der EKD werden dort wesentlich über sechs vornehmlich noch deutschsprachige Gemeinden in Ottawa, Toronto, New York, Washington und Atlanta sowie über die vertraglich geregelten Partnerschaften mit den lutherischen Kirchen ELCA (Evangelical Lutheran Church in America) und ELCIC (Evangelical Lutheran Church in Canada) gestaltet. Darüber hinaus arbeitet die EKD immer wieder mit anderen Denominationen und den Christenräten Nordamerikas bei internationalen Aufgaben und Projekten ökumenisch zusammen.



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