Rio+20 - Ergebnisse und Konsequenzen des Erdgipfels

Eröffnungsstatement zur Tagung von "Brot für die Welt", dem Bevollmächtigten des Rates der EKD und dem EED

25. Juni 2012

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir alle haben in den letzten Tagen immer wieder nach Brasilien geblickt, mit Hoffnung und Sorge: Am Freitag vergangener Woche ist der dreitägige Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung „Rio+20“ in Rio de Janeiro zu Ende gegangen. 20 Jahre nach dem legendären „Erdgipfel“ 1992 waren die Staaten der Weltgemeinschaft erneut in der brasilianischen Metropole zusammen gekommen mit dem Ziel, die Rio-Prinzipien im Lichte der Entwicklung der vergangenen beiden Jahrzehnte endlich stärker der Umsetzung entgegenzuführen. Denn bislang sind dem Aktionsplan von 1992 sowie den damals beschlossenen Konventionen zum Schutz der Biodiversität und des Klimas kaum konkrete Ergebnisse gefolgt. Auf diesen Missstand haben der Rat der EKD und die Deutsche Bischofskonferenz im Vorfeld von „Rio+20“ mit Nachdruck hingewiesen. Insofern wollen wir heute und morgen auch hören, inwieweit dieses Ziel erreicht wurde.

Drei große Themenkomplexe beherrschten den Gipfel: die Stärkung der UN-Institutionen für Nachhaltigkeit und Umwelt, die Vereinbarung „nachhaltiger Entwicklungsziele“ und die Diskussion um eine „grüne Ökonomie“ im Kontext von nachhaltiger Entwicklung und Armutsüberwindung. Daneben stand eine Vielzahl weiterer Themen auf der Agenda. Zum Beispiel der Schutz der zunehmend überfischten Meere, die Überwindung des Hungers, unter dem fast eine Milliarde Menschen leiden, sowie die klimafreundliche Überwindung von Energiearmut, die noch immer mehr als die Hälfte der Erdbevölkerung betrifft. Meine Damen und Herren, Ihnen muss ich es eigentlich nicht nicht sagen: Diese Fragen sind Zukunftsfragen der Menschheit.

Der Bevollmächtigte des Rates der EKD und die beiden evangelischen Hilfswerke „Brot für die Welt“ und Evangelischer Entwicklungsdienst - die nahezu zeitgleich mit dem Gipfel fusioniert sind und ab Oktober unter dann nur noch einem Dach als „Evangelisches Werk für Diakonie und Entwicklung“ ihr neues Domizil in Berlin beziehen werden - messen dem Weltgipfel daher große Bedeutung bei. Es ist uns wichtig, seine Ergebnisse mit Ihnen und mit vielen Expertinnen und Experten, die in diesen Stunden aus Rio zurückgekehrt sind, sehr zeitnah auszuwerten. Wir haben Sie eingeladen, um gemeinsam auszuloten, welche Konsequenzen sich für Deutschland mit Blick auf die notwendige Transformation unseres Entwicklungsmodells in Richtung auf ökologische, ökonomische und soziale Zukunftsfähigkeit ergeben. Viele der Rio-Themen sind zugleich auch Fragestellungen, die sich derzeit bei uns hoher politischer Aktualität erfreuen, wie etwa das Thema der Energiewende.

Wir freuen uns sehr, dass Sie unserer Einladung so zahlreich gefolgt sind. Die Nachfrage, die größer war als das verfügbare Raumangebot, zeigt uns, dass wir mit dieser zweitägigen Tagung ins Schwarze getroffen haben. Ich bin sicher, dass Sie die Freude über das große Interesse teilen und Nachsicht walten lassen, wenn es mitunter vielleicht enger zugehen sollte, als es einer guten Diskussion eigentlich zuträglich wäre. Wir werden uns bemühen, die Gegebenheiten für Sie alle bestmöglich zu gestalten.

Lassen Sie uns nun eine interessante und bereichernde Tagung beginnen. Lassen Sie uns unter Berücksichtigung vieler unterschiedlicher Perspektiven auch darüber nachdenken, wie wir den notwendigen Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft voranbringen können, wie wir den Auftrag von Rio umsetzen können, national und international. Besonders freut mich, dass wir dieses Nachdenken mit einer Reihe ausländischer Gäste unternehmen können. Auf ihre interessanten Außenperspektiven bin ich sehr gespannt.

Sehr dankbar bin ich, dass wir auch den Vorsitzenden des Rates der EKD, Präses Dr. h.c. Nikolaus Schneider, heute Abend zu Gast haben. Willkommen Nikolaus Schneider!

Herzlich begrüßen möchte ich für unser erstes Panel zudem Herrn Prof. Dr. Dirk Messner, den Direktor des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik. Herr Messner ist zugleich Mitautor und Herausgeber der Studie zur Großen Transformation des Wissenschaftlichen Beirats für Globale Umweltveränderungen, dem er als Stellvertretender Vorsitzender angehört. Auch Ihnen danke ich sehr für Ihr Kommen, Herr Prof. Dr. Messner!

Last but not least freue ich mich sehr, für unser Eröffnungspanel den Vorsitzenden der EKD-Kammer für Nachhaltigkeit, den Bundestagsabgeordneten Thilo Hoppe begrüßen zu können. Sie, lieber Herr Hoppe, haben sich dankenswerterweise bereit erklärt, hier als ausgewiesener Fachmann für die Vorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Claudia Roth, einzuspringen, die aufgrund einer Dringlichkeitssitzung ihrer Partei leider kurzfristig absagen musste. Vielen Dank, dass Sie da sind!

Schließlich freue ich mich, dass wir für die Moderation des Eröffnungspanels einen weiteren Fachmann haben gewinnen können, den Fernseh-Moderator und Meteorologen Sven Plöger. Seien auch Sie herzlich willkommen Herr Plöger!

Nun soll der langen Vorrede genug sein: Ich wünsche uns allen eine erkenntnisreiche Diskussion und einen fruchtbaren Abend. Vielen Dank.



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