David und Batseba

Paare der Bibel

David erblickt Batseba

Sein Leben prägen Übermut, Tollkühnheit und wilde, gefährliche Ereignisse. David hat viele großartige Begabungen, aber ein paar Mal haut er auch ziemlich daneben. Das ist wörtlich zu nehmen, denn der musikalische Schönling, dem die Liebe der Frauen ebenso wie die Sympathie der Männer zufliegt, ist vor allem ein Krieger.

Nur wenige Gestalten in der Bibel werden so genau beschrieben wie David. Er sieht unverschämt gut aus, hat ein markantes Gesicht und rätlich blondes Haar, einen beneidenswerten Körper und eine besondere Ausstrahlung. Sein Leben lang bleibt er ein Liebhaber der Frauen, so vieler, dass er wohl manchmal den Überblick verliert. Gar nicht zu reden von seinen Söhnen und Töchtern. Damals ist es üblich, dass ein Mann, ein König gar, viele Frauen besitzt. Aber er hat auch einiges zu bieten: Nicht nur, dass er aussieht wie ein Filmstar. Er spielt Harfe und einige andere Instrumente, er tanzt, komponiert, dichtet. Und wenn er heute auch nicht mehr als Verfasser der Psalmen gilt, ist das Ansehen in seiner Umgebung groß genug, ihm solche Dichtung zuzutrauen.

David, Jüngster einer Familie aus Bethlehem, ein Hitzkopf mit Grips und Talent, kommt an den Hof von König Saul in Gebeah und wird dessen persönlicher Schildträger. Unentwegt gibt es in Israel und Juda Krieg, irgendeiner der vielen Stämme liegt immer mit einem anderen im Clinch. David wird schnell ein beliebter Truppenführer, auf Sieg abonniert, doch dem König ist so viel Erfolg suspekt. Er fürchtet, David könne ihm gefährlich werden. Da macht sich der junge Mann selbstständig, streitet nicht mehr für Saul, sondern auf eigene Rechnung. Mit einem verwegenen Haufen gescheiterter Existenzen führt er das Leben eines Freibeuters, plündert ganze Landstriche, bereichert sich. David entwickelt sich vom Wegelagerer zum militärischen und politischen Führer, der gnadenlos mit seinen Feinden umgeht und eines Tages wirklich als Sauls Nachfolger König wird. Weil er nicht nur furchtlos und rachedurstig, sondern auch klug und listig ist, eint er die zerstrittenen Stämme und schafft ein Königreich, das über seinen Tod hinaus die Nachbarvölker beherrscht. Vierzig Jahre lang lenkt er die Geschicke Israels. Krieg und Rebellion, Intrigen und Verrat überlebt er, aber nun ist Frieden, und der alte König in Jerusalem ist auf der Höhe seiner politischen Macht.

David ist nicht nur ein grimmiger Krieger, sondern das Urbild eines Liebhabers von großer persönlicher Anziehungskraft. Als er von seinem Palast aus die verheiratete Batseba, eine außerordentliche Schönheit, beim Baden erblickt, verliert er den Verstand. Er lässt sie holen, schläft mit ihr und schwängert sie. Um sie heiraten zu können, muss Uria, ihr Mann, sterben. David beordert ihn in einer Schlacht an die Front, in der Hoffnung, er möge fallen. Der fiese Plan geht auf. David nimmt die Todesnachricht Äußerst gefühlskalt auf: “Das Schwert frisst bald hier, bald dort.” Von schlechtem Gewissen keine Spur. Die Form ist gewahrt, das Verbrechen wird vertuscht. Urias Frau wird Davids Frau und Königin. Ihr erster Sohn stirbt, Salomo, ihr zweiter, wird Davids Nachfolger. Mit seinem Namen verbunden bleiben pralle Liebesgeschichten, triefend blutige Schlachtgesänge und die ganz eigene Geschichte dieses schönen, kühnen und frommen Menschen mit Gott.

Hans-Albrecht Pflästerer