Isaak und Rebecca

Paare der Bibel

Rebekka erblickt Isaak

Seine Freundin oder Frau oder Lebensabschnittsgefährtin sucht man sich gerne selber aus. Doch das ist in biblischen Urväterzeiten ganz anders. Bei Abraham zum Beispiel. Der, hochbetagt, schickt seinen ältesten Knecht los, um für seinen Sohn Isaak ein Weib zu finden. Die Reise führt ihn ins ferne Mesopotamien, von dort, aus Ur, ist Abraham einst aufgebrochen. Eine aus der Heimat, aus dem eigenen Stamm, soll es schon sein. Und sie soll wie er bereit sein, Familie und Heimat zu verlassen, um in das gelobte Land zu ziehen.

Mit seiner Karawane aus Kamelen und reichlich Schmuck gelangt der Mittler zum Brunnen vor der Stadt, in der Nahor, Abrahams Bruder, noch immer lebt. Zum Brunnen kommen die Frauen, um Wasser zu schöpfen. Wenn eine nicht nur dem Knecht zu trinken geben würde, sondern auch seinen Tieren, wäre sie wohl die richtige Braut. Rebekka macht beides, tränkt Mensch und Vieh. Sie ist Nahors Enkelin, bricht aus der vertrauten Umgebung aus, wird nicht nur Isaaks Frau, sondern ist auch seine Kusine. Sie ist noch Jungfrau. Und sehr schön.

Das kann Begehrlichkeiten wecken. Also ängstigen. Und Geschichte kann sich wiederholen. Als Isaak und Rebekka einer Hungersnot wegen das Land verlassen und zu Abimelech, dem König der Philister, nach Gerar ziehen, verleugnet Isaak  wie einst Abraham  seine Frau. Er fürchtet, dass die Männer von Gerar ihn wegen ihrer Schönheit töten könnten und gibt sie als seine Schwester aus. Ein Betrug aus Feigheit, der eines Tages auffliegt. Was den König verstimmt, ihm aber seine Milde nicht nimmt. Er stellt Isaak und Rebekka ausdrücklich unter seinen Schutz: Wer diesen Mann oder seine Frau antastet, soll sterben.

Hier strahlt wohl der Segen aus, der von Abraham auf Isaak überging. Er lässt den Besitz kräftig wachsen. Das macht die Neider munter und führt auch schon mal zum Konflikt.

Dass jemand lange kinderlos bleibt, kommt in der Bibel öfter vor. Auch Rebekka muss auf den Segen warten, doch der stellt sich schließlich doppelt ein: Sie gebärt Esau und Jakob, die schon im Mutterleib miteinander balgen und einander auch später nicht ganz grün sein werden. Wozu die Eltern ihr Teil beitragen. Esau, der Jäger, ist Vaters Liebling, Mutter begünstigt den häuslichen Jakob. Die Rivalität der Brüder bleibt nicht ohne Einfluss auf die Beziehung der beiden. Auch Erzeltern sind keine Musterpaare. Es geht sehr menschlich zu. Durch eine List bringt Rebekka den alten und erblindeten Isaak dazu, nicht Esau, dem Erstgeborenen, sondern Jakob den väterlichen Segen zuzusprechen. Isaak bittet Esau, ein Wild zu erjagen und ihm ein Mahl zu bereiten. Aber Rebekka kommt ihm zuvor: Sie kocht Jakob ein Gericht für den Vater. Der Zwilling bedeckt seine glatte Haut mit einem Ziegenfell, um Isaak glauben zu machen, er sei der stark behaarte Esau. Der Vater schöpft zwar Verdacht, segnet dann aber doch. Mit dem Segen erschleicht sich Jakob auch das Erbe. Der betrogene Esau ist außer sich vor Zorn. Aus Schmerz wird Feindschaft, so dass Jakob um sein Leben fürchten muss und flieht. Es sollte lange dauern, bis die Brüder sich versöhnen.

Hans-Albrecht Pflästerer