Haggai
Die Umgebung ist noch nicht so rauh. Die heute fast kahlen Höhen rund um Jerusalem sind noch bewaldet. Und so schickt der Prophet Haggai die Juden in die Berge, um Holz zu schlagen für den Wiederaufbau des Tempels. Der liegt nun schon seit Jahrzehnten in Schutt und Asche. Die Babylonier hatten - man schrieb das Jahr 587 vor Christus - ganze Arbeit geleistet und kaum einen Stein auf dem anderen gelassen.
Tempel sind heilige Orte. Räume für Opfer und rituelle Reinigung. Hier ist Gott den Menschen besonders nah. Für die Juden ist das Heiligtum über lange Zeit hinweg religiöser und weltlicher Mittelpunkt. An ihm macht sich auch die politische Existenz eines Gemeinwesens fest. Wer ein Volk ins Mark treffen möchte, vergeht sich an seinem Heiligtum.
Die Bibel steckt voller Geschichten über Bau und Zerstörung, Glanz und Elend der Tempelbauten. Glanz: Die Monumente Salomos um 950 vor Christus oder des Herodes um die Zeit von Jesu Geburt geraten zu besonders prächtigen Gotteshäusern. Es läuft das Sprichwort um: "Wer nicht den Bau des Herodes sah, hat nie etwas Schönes gesehen."
Wir wissen nicht viel über Haggai. Über seine Herkunft ist nichts bekannt. Sein Name erinnert daran, daß er an einem Festtag geboren ist. Viel mehr, als daß er sich für die Wiederherstellung des Tempels mächtig ins Zeug legt, sagt das Alte Testament nicht aus. Aber in den engen Grenzen seines Auftrags liegt seine Bedeutung. Es ist unklar, ob auch Haggai zu jeden gehört, die unter König Nekukadnezzar ins babylonische Exil genötigt werden, oder ob ihm die Verschleppung erspart bleibt. Gleichwohl verbindet sich mit der Rückkehr der Deportierten nach Jerusalem die Erwartung, daß das alte Königreich Juda wieder auferstehen wird. Die Verheißung, daß der neue Tempel den alten an Prunk und Reichtum weit übertreffen und Gott seinem Volk von hier aus Frieden und Wohlstand schenken wird, nährt diese Hoffnung. Die Heimgekehrten haben wieder eine Perspektive. Wie leben alle von Hoffnungsgeschichten .
Aber davor bleibt noch viel zu tun. Haggai hält seinem Volk mahnend den Egoismus vor, der nur für die eigene Häuslichkeit schafft und darüber das Haus Gottes verwüstet liegen läßt - unter dem Vorwand, es sei noch zu früh, um den Tempel zu erneuern. So treibt er seine Leute an. Und die ziehen mit. Die Fundamente werden gelegt. Es ist Wendezeit. Gott hat noch viel vor mit dem Volk, das ihm Raum gewährt. Die Folgen auf allen Gebieten werden sich zeigen. Fürs erste heißt dies: Die Scheunen werden voller Getreide, an Wein, Feigen, Granatäpfeln und Oliven wird reiche Ernte sein.
Hans-Albrecht Pflästerer
Für die Abdruckgenehmigung danken wir dem "JS - Magazin für junge Soldaten", seiner Chefredakteurin Barbara Kamprad und dem Autor Hans-Albrecht Pflästerer.
