Nahum

Zeichnung der Stadt Ninive

Die alte Siedlung auf dem östlichen Ufer des Tigris hat beeindruckende Ausmaße. Als weitaus größte Stadt des alten Zweistromlandes neben Babylon, als Regierungszentrale Assyriens hat sie politische, als Tempelstadt der Göttin Istar religiöse Bedeutung. Wer sie durchqueren will, muß gut zu Fuß sein. Um von einem Ende zum anderen zu gelangen, benötigt man drei Tage.

In Ninive ist - nicht nur in den Palästen der assyrischen Könige - der Wohlstand zu Hause, es ist voll von kostbaren Schätzen. Die Metropole ist über Jahrhunderte hin Zentrum und Sinnbild einer Großmacht, die sich durch ihre Kriegslust und Rücksichtslosigkeit viele Feinde schafft. Aber sie beherbergt in ihren gewaltigen Mauern auch die Schatten und Versuchungen der Macht: Der Prophet Nahum nennt sie überheblich und "eine Hure, die mit ihren Reizen und Zauberkünsten die Völker versklavt". Vollgestopft sei sie mit geraubtem Gut und könne doch das Rauben nicht lassen.

Das geht nicht ewig gut. Denn Nahum, der etwa 650 vor Christus lebt und aus Elkosch stammt, einem Ort wohl im Südwesten Judas, sagt Stadt und Volk in plastischen Schilderungen die bevorstehende Vernichtung voraus. Er preist die Größe seines Gottes, der leidenschaftlich über seine Ehre wacht und über die Tugend der Geduld verfügt, der aber auch kein Unrecht übersieht und dem es an Stärke zu strafen nicht mangelt. Dieser Gott hat Juda lange gedemütigt, in Not und Verzweiflung gestürzt; doch nun wird er das Volk aus der Unterdrückung durch die Assyrer befreien. Zwar haben die Feinde das Land verwüstet und die Weinstöcke abgehauen, aber Gott wird Juda und Israel in alter Herrlichkeit wiederherstellen. Er wird die Widersacher so vernichtend schlagen, daß sie niemanden mehr zu bedrängen vermögen: "Sie können sich Mut antrinken, soviel sie wollen: Das Feuer wird sie fressen wie dürres Stroh."

 In seinen blutrünstigen, manchmal auch poetischen Visionen schildert Nahum einen Gott, der seinen Feinden als grimmiger Rächer, den Seinen jedoch als Helfer erscheint: "Weh der Stadt, die soviel Blut vergossen hat, die Meister ist in Lüge und Verstellung" Ihr Untergang naht mit Peitschenknall und Rädergerassel, galoppierenden Pferden, rasenden Wagen und daherjagenden Reitern. Schwerter wir Flammen und blitzende Speere! Haufen von Gefallenen, man stolpert über die Leichen, sie sind nicht zu zählen!" Bilder des Schreckens und der Verwüstung. In dem raschen Szenenwechsel, in welchem Nahum Ninives Eroberung vorhersieht, schwingt seine innere Erregung noch mit: in den fieberhaften Vorbereitungen zur Verteidigung, dem Ansturm der Feinde, dem Öffnen der Flußtore, wonach die Stadt überflutet wird. Dann mischt auch noch Spott in die Visionen: Die starken Männer sind zu Memmen geworden, das Land ist dem Feind schutzlos preisgegeben. Die Aufsichtsbeamten und Schreiber werden sich davonmachen wir ein Heuschreckenschwarm. Und niemand weiß, wohin: "Du König von Assyrien, deine Minister schlafen den Todesschlaf, deine Generäle liegen erschlagen, deine Krieger haben sich zerstreut wie eine hirtenlose Herde auf den Bergen. Wer von deinem Unglück hört, klatscht vor Freude in die Hände; denn es gibt niemand, der nicht deine Grausamkeit zu spüren bekam."

Es wird nicht lange dauern, bis die Geschichte die Prophezeiungen Nahums einlöst. Meder und Babylonier machen Ninive 612 vor Christus dem Erdboden gleich. Sie rechtfertigen nachträglich Nahums Glauben, daß Gottes Gerechtigkeit auch an der fremden Großmacht begangene Schuld rächen läßt.

Hans-Albrecht Plästerer

Für die Abdruckgenehmigung danken wir dem "JS - Magazin für junge Soldaten", seiner Chefredakteurin Barbara Kamprad und dem Autor Hans-Albrecht Pflästerer.


 



erweiterte Suche

 



Das könnte Sie auch interessieren...


Unsere Zehn Gebote

www.unsere-zehn-gebote.de

Woher kommen unsere Werte? Wo liegen unsere Wurzeln?

 


Bibelspiele im Internet

www.ekd.de/spiele

Auf unterhaltsame Weise biblische Geschichten neu entdecken ...



...und außerdem:


Informationen

Kirche für Einsteiger

Wenn Sie Fragen haben. Oder evangelisch werden möchten. Hier finden Sie Antworten.

 


Vor Ort

Gemeinden und Gottesdienste

Informationen und Angebote für Ihre Kirche vor Ort

 


Die Web-Kirche

Christus-Pavillon

Memory, Galerie der Kirchen, Ideenbuch, Rückblick auf die EXPO 2000, Kloster Volkenroda