Sacharja

Sacharja spricht vor Menschen

Das ist doch kein Leben. Die Arbeit trägt nichts ein und das Vieh nicht. Es ist auch kein Friede im Land. Wer die Stadt verläßt, ist vor Feinden nicht sicher.

Das soll sich ändern. Jerusalem, die Stadt der Träume, so oft umkämpft, belagert und erobert, deren Mauern geschleift, deren Tempel zerstört und deren Menschen deportiert wurden, soll eine große Zukunft haben. Gott selbst, so sagt der Prophet voraus, wir sich für sie einsetzen und ihre Feinde seinen Zorn spüren lassen. Die Verbrannten und Zerstreuten werden in ihre Mauern zurückkehren. Es werden wieder alte Menschen auf den Plätzen der Stadt sitzen, und auf den Straßen wird es von spielenden Kindern wimmeln. Es kommt Leben in die Stadt.

Gott will sich dem Rest seines geschundenen und geschlagenen Volkes, das seinen Willen mißachtet hat und dafür arg bestraft wurde, von einer anderen Seite zeigen. Seine Botschaft: "Wie ihr, Leute von Jerusalem und Juda, zum Inbegriff eines Volkes geworden seid, das vom Fluch getroffen ist, so werdet ihr durch das, was ich an euch tue, zum Inbegriff des Segens." Alles dreht sich um Jerusalems künftiges Glück. Sein Bote: Sacharja.

Man weiß nicht viel von ihm. Eigentlich nur, daß er im späten sechsten Jahrhundert vor Christus lebt. Vielleicht ist er ein Priester. Jedenfalls engagiert er sich mächtig dafür, daß die Juden nach ihrer Rückkehr aus Babylon den Tempel wieder aufbauen.

Das Verbindet ihn mit dem Kollegen Haggai. Auch ist er voller Visionen über eine neue Weltordnung und die Erscheinung eines namenlosen Messias, der Gerechtigkeit bringen soll; eine Schau, wie sie sich viel später mit dem Einzug Jesu in Jerusalem erfüllt. Die Visionen sind Sinnbilder für ein Leben in Frieden, das den Juden nach der Fertigstellung des Tempels versprochen ist.

 Eines Nachts sieht Sacharja einen Mann mit einer Meßschnur in der Hand. Er fragt ihn, wohin er den gehe. Der antwortet: "Nach Jerusalem. Ich will ausmessen, wie groß es werden muß und wo seine Mauern verlaufen sollen." Doch da hakt ein Engel ein und untersagt, die Stadt durch Mauern einzuengen. Die vielen Menschen und Tiere fänden dann keinen Platz. Offene Siedlungen sind eine typische Wirtschaftsform für das Jerusalemer Umland in jeder Zeit. Und Viehreichtum kennzeichnet wirtschaftliche Blüte. Es bedarf auch gar keine Mauer, denn Gott selbst will die Stadt durch einen Feuerring schützen. Das erinnert an die Wolken- und Feuersäule, mit der er das wandernde Volk einst durch die Wüste lotste.

So sollen aus Trauertagen Freudenfeste werden, Klage soll sich in Jubel wandeln. "Es wird noch dahin kommen, daß viele Völker nach Jerusalem ziehen, um mich als den Herrn der ganzen Welt anzubeten und mir Opfergaben zu bringen", kündigt Gott durch seinen Propheten Sacharja an.

Einstweilen ist es die Stadt der Sehnsucht der Juden geblieben, "daß ein freies Volk in unserem Land wir wieder werden", wie es in der israelischen Nationalhymne heißt.

Hans-Albrecht Pflästerer

Für die Abdruckgenehmigung danken wir dem "JS - Magazin für junge Soldaten", seiner Chefredakteurin Barbara Kamprad und dem Autor Hans-Albrecht Pflästerer.


 



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