Reisegeschichten der Bibel

Aufbruch ohne Reiseversicherung - Abraham und Sara

Sie wollen verreisen? Dann gehört zu den Vorbereitungen oft auch der Abschluss einer Versicherung. Wir versichern uns gegen Unfälle unterwegs, gegen den Verlust von Gepäck oder für den Fall einer Erkrankung im Ausland. Versichert = gesichert, heißt die Devise.

Abraham (75) ist kein Phantast. Als Inhaber eines mittelständischen Wanderhirten-Unternehmens muss er vernünftige Entscheidungen treffen. Er weiß, dass der Aufbruch zu einer unabsehbaren Auslandsreise gerade in seinem Alter ein heikles Unterfangen ist.

Dennoch beschließt Abraham, dem Reiseauftrag Gottes mit Sack und Pack nachzukommen. Damit beginnt die größte Reisebewegung der Bibel. Ihren Ausgangspunkt nimmt sie im Zweistromland, in Nordsyrien und im Irak. Sie eine Völkerwanderung zu nennen, ist nicht übertrieben. Wir befinden uns in grauer Vorzeit in den Jahrhunderten zwischen 2000 und 1400 vor Christi Geburt.

Abraham nimmt seine auch schon in die Jahre gekommene, aber noch immer attraktive Frau Sara mit und – anstelle eigener Nachkommen – den Neffen Lot. Dass die Schönheit Saras im fremden kulturellen Umfeld des Reiseziels Ägypten zum Problem werden könnte, ahnt Abraham zwar. Dennoch macht er, in Auslandsreisen unerfahren, in dieser Geschichte keine besonders gute Figur.

Warum Abraham aufbricht? Er spricht nicht darüber; aber er versteht dies offensichtlich als Offenbarung eines Gottes, den er noch nicht kennt. Er wird ihn kennen lernen. Und zwar unterwegs. Eine große Zukunft wird seiner Sippe in Aussicht gestellt. Gott hat ihm diese Hoffnung gegeben. Das ist seine Reiseversicherung. (1. Mose/Genesis 12,1–13,4)

Der HERR sagte zu Abram: »Verlass deine Heimat, deine Sippe und die Familie deines Vaters und zieh in das Land, das ich dir zeigen werde! Ich will dich segnen und dich zum Stammvater eines mächtigen Volkes machen. Dein Name soll in aller Welt berühmt sein. An dir soll sichtbar werden, was es bedeutet, wenn ich jemand segne. Alle, die dir und deinen Nachkommen Gutes wünschen, haben auch von mir Gutes zu erwarten. Aber wenn jemand euch Böses wünscht, bringe ich Unglück über ihn. Alle Völker der Erde werden Glück und Segen erlangen, wenn sie dir und deinen Nachkommen wohlgesonnen sind.«

Abram folgte dem Befehl des HERRN und brach auf, und Lot ging mit ihm. Abram war 75 Jahre alt, als er seine Heimatstadt Haran verließ. Seine Frau Sarai und Lot, der Sohn seines Bruders, begleiteten ihn. Sie nahmen ihren ganzen Besitz mit, auch die Menschen, die sie in Haran in Dienst genommen hatten.

So zogen sie in das Land Kanaan, in dem damals noch das Volk der Kanaaniter wohnte. Sie durchquerten das Land bis zu dem heiligen Baum bei Sichem. Dort erschien dem Abram der HERR und sagte zu ihm: »Deinen Nachkommen will ich dieses Land geben!«

Da baute Abram dem HERRN einen Altar an der Stelle, wo er ihm erschienen war. Von dort aus zog er in das Bergland östlich von Bet-El. Seine Zelte standen zwischen Bet-El im Westen und Ai im Osten. Auch dort baute er einen Altar und rief im Gebet den Namen des HERRN an. Dann zog er von Lagerplatz zu Lagerplatz immer weiter nach Süden.

Damals brach im Land Kanaan eine schwere Hungersnot aus. Darum suchte Abram Zuflucht in Ägypten. Als er an die ägyptische Grenze kam, sagte er zu Sarai: »Ich weiß, dass du eine schöne Frau bist. Wenn die Ägypter dich sehen, werden sie sagen: ›Das ist seine Frau‹, und sie werden mich totschlagen, um dich zu bekommen. Sag deshalb, du seist meine Schwester, dann werden sie mich deinetwegen gut behandeln und am Leben lassen.«

In Ägypten traf ein, was Abram vorausgesehen hatte. Überall fiel Sarai durch ihre Schönheit auf. Die Hofleute priesen sie dem Pharao in den höchsten Tönen, und er ließ sie in seinen Palast holen. Ihr zuliebe war er freundlich zu Abram und schenkte ihm Schafe und Ziegen, Rinder, Esel und Kamele, Sklaven und Sklavinnen. Doch weil der Pharao sich die Frau Abrams genommen hatte, bestrafte der HERR ihn mit einer schweren Krankheit, ihn und alle andern in seinem Palast.

Da ließ der Pharao Abram rufen und sagte zu ihm: »Warum hast du mir das angetan? Du hättest mir doch sagen können, dass sie deine Frau ist! Aber du hast sie für deine Schwester ausgegeben, nur deshalb habe ich sie mir zur Frau genommen. Nun, sie gehört dir; nimm sie und geh!«

Der Pharao bestellte eine Abteilung Soldaten und ließ Abram mit seiner Frau und seinem ganzen Besitz über die Grenze bringen.

Abram kehrte mit seiner Frau und seinem ganzen Besitz an Tieren und Menschen in den südlichsten Teil des Landes Kanaan zurück. Auch sein Neffe Lot begleitete ihn. Von dort zog er von Lagerplatz zu Lagerplatz bis zu der Stelle zwischen Bet-El und Ai, wo er zuerst seine Zelte aufgeschlagen hatte. Das war auch der Ort, an dem er den Altar gebaut hatte. Dort rief er im Gebet den Namen des HERRN an.


Reisegeschichten der Bibel. Ausgewählt und eingeleitet von Ekkehard Runge. Für die Online-Veröffentlichung bearbeitet von Bertram Salzmann. © 2006 Deutsche Bibelgesellschaft
Bibeltext: Gute Nachricht Bibel. Revidierte Fassung der Bibel in heutigem Deutsch. Durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung. © 2000 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart Alle Rechte vorbehalten.