Reisegeschichten der Bibel

Steile Wege, krumme Touren - David

Reisen macht erfinderisch – zumal dann, wenn beim Aufbruch nicht genügend Zeit war, eine vernünftige Reiseausrüstung zusammenzustellen. Dann muss unterwegs improvisiert und organisiert werden. Jeder, der schon mal wichtige Teile des Reisegepäcks zuhause vergessen hat, weiß das.

David ist praktisch ohne jede Ausrüstung unterwegs, denn sein Aufbruch war kurzfristig und erzwungen. Er ist auf der Flucht vor Saul, dem König persönlich. Der sieht in ihm einen Konkurrenten, den er gerne aus dem Weg schaffen würde. Deshalb zog David es vor, möglichst schnell vom Hofe Sauls zu verschwinden, ohne erst noch Proviant oder andere Ausrüstungsstücke zusammenzupacken.

Glücklicherweise hat der ehemalige Vertraute des Königs gute Beziehungen zu Stellen im Lande, die von seinem Konflikt mit Saul noch nichts erfahren haben. So kann er sich dort mit Proviant und anderen entscheidenden Ausrüstungsgegenständen eindecken – unter Vorspiegelung falscher Tatsachen.

So abenteuerlich wie die Reise damit begonnen hat, so aufregend geht sie auch weiter. Auf der nächsten Station droht David seine Prominenz als erfolgreicher Kämpfer im Heere Sauls zum Verhängnis zu werden. Er wird erkannt und kann sich wiederum nur durch einen Trick retten.

Mehr und mehr gerät der Flüchtling auf seiner Reise auf die schiefe Bahn. Schließlich wird er zum Anführer einer Gruppe von Aussteigern und Vagabunden. Mit ihnen zieht er durch die Lande und macht die Gegend unsicher: Ein Räuberhauptmann, der sich zeitweise sogar mit seiner Söldnertruppe den Feinden Israels zur Verfügung stellt. Erst viel später führt ihn sein Weg wieder zum Königshof zurück – um nach Sauls Tod schließlich selbst dessen Thron einzunehmen. (1.Samuel 21,2–22,5)

Auf seiner Flucht kam David zum Priester Ahimelech nach Nob. Der Priester trat ihm besorgt entgegen: „Warum kommst du allein? Weshalb hast du keine Begleitung bei dir?“

David antwortete: „Der König hat mir einen Auftrag gegeben, von dem niemand etwas erfahren darf. Mit meinen Männern habe ich einen geheimen Treffpunkt verabredet. Gib mir schnell etwas Proviant, vielleicht fünf Brote oder was sich sonst auftreiben lässt!“

„Ich habe kein gewöhnliches Brot da, nur solches, das Gott geweiht ist“, wandte der Priester ein, "das kann ich dir nur geben, wenn deine Männer sich von Frauen fern gehalten haben.“

„Wir sind wirklich seit vorgestern mit keiner Frau in Berührung gekommen“, erwiderte David.“ Schon als wir aufbrachen, waren die Waffen der Männer rein, obwohl es sich nur um ein gewöhnliches Unternehmen handelt. Also werden sie heute erst recht rein sein.“

Da gab ihm der Priester die geweihten Brote, die man vom Tisch im Heiligtum abgeräumt hatte, um frisches Brot aufzulegen.

An diesem Tag hielt sich auch einer aus dem Gefolge Sauls im Heiligtum des HERRN auf; es war der Edomiter Doëg, der Aufseher über die Hirten Sauls.

David fragte Ahimelech: „Hast du nicht einen Speer oder ein Schwert für mich? Ich konnte meine Waffen nicht mehr holen, weil der Befehl des Königs mir dazu keine Zeit ließ.“

„Doch“, antwortete der Priester, „wir haben hier das Schwert des Philisters Goliat, den du im Eichental getötet hast. Dort hinten liegt es, in einen Mantel gewickelt. Wenn du willst, kannst du es haben; eine andere Waffe ist nicht hier.“
„Ja, gib es mir!“, sagte David. „Ein besseres bekomme ich nirgends.“

Am selben Tag noch setzte David seine Flucht vor Saul fort. Er kam zu Achisch, dem König von Gat. Die Hofleute erkannten ihn und sagten zu Achisch: „Das ist doch David, der König von Israel! Das ist doch der, dem sie im Reigen zujubeln: „Tausend Feinde hat Saul erschlagen, doch zehntausend waren’s, die David erschlug!“

David war sich im Klaren, was diese Worte bedeuteten, und geriet in große Furcht vor Achisch, dem König von Gat. Darum stellte er sich wahnsinnig und tobte, als sie ihn festhalten wollten. Er kritzelte auf die Torflügel und ließ Speichel in seinen Bart laufen. Da sagte Achisch zu seinen Leuten: „Ihr seht doch, dass der Mann wahnsinnig ist! Warum bringt ihr ihn zu mir? Habe ich nicht schon Verrückte genug hier? Der soll sich anderswo austoben. Was hat er in meinem Haus zu suchen?“

David floh aus Gat in eine Höhle in der Nähe der Stadt Adullam. Als seine Brüder und seine ganze Sippe davon erfuhren, kamen sie zu ihm dorthin. Auch alle möglichen Leute, die verfolgt, verschuldet oder verbittert waren, schlossen sich ihm an, insgesamt etwa 400 Mann. David wurde ihr Anführer.


Reisegeschichten der Bibel. Ausgewählt und eingeleitet von Ekkehard Runge. Für die Online-Veröffentlichung bearbeitet von Bertram Salzmann. © 2006 Deutsche Bibelgesellschaft
Bibeltext: Gute Nachricht Bibel. Revidierte Fassung der Bibel in heutigem Deutsch. Durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung. © 2000 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart Alle Rechte vorbehalten.