Reisegeschichten der Bibel

Übernachtung in Gottes Hotel - Jakob

Wenn es schon spät am Abend ist und Sie immer noch kein Hotel gefunden haben, können Sie sich Sonderwünsche nicht mehr leisten. Jetzt müssen Sie beim erstbesten Angebot zugreifen. Die Dunkelheit lässt Sie über die Details Ihres Übernachtungsortes im Unklaren. Sie richten sich ein, so gut es geht.

Das tut auch Jakob, als er auf dem Weg zu seinem Onkel Laban von der Dunkelheit überrascht wird. Besonders ruhig schläft er nicht, denn er weiß: Einer ist hinter ihm her, der trachtet ihm nach dem Leben – sein Bruder Esau, den er heimtückisch um das Erstgeburtsrecht betrogen hat.

Mit dieser Flucht beginnen Jakobs wilde Jahre. Immer wieder ist er auf der Flucht vor Leuten, die er gerade übers Ohr gehauen hat. Zunächst legt er die 600 km lange Reise bis nach Haran im Mesopotamien zurück. Nach einigen Jahren bei seinem Onkel, die ihm zwei Frauen und zwei Nebenfrauen, zahlreiche Kinder und Tausende von Schafen und Ziegen einbringen, kehrt er nach Kanaan zurück. Dort zieht er von Ort zu Ort und gerät von einer Krise in die nächste. Jahrelang sitzt er auf gepackten Koffern, denn wo er hinkommt, kann er selten lange bleiben.

In der ersten Nacht seiner Flucht jedoch, wird Jakob ein unwirtlicher Platz unter freiem Himmel zu Gottes Hotel. Im Traum hört er das Versprechen Gottes, ihm trotz aller Delikte und Schwächen auf seinem bevorstehenden Wanderleben beizustehen. Die eigene Bewahrung auf der Reise wird für Jakob zum Zeichen der Wahrhaftigkeit dieses Gottes. In ihm findet er einen verlässlichen Gefährten auf seinem unruhigen Weg. (1.Mose/Genesis 28,10-22)

Jakob machte sich auf den Weg von Beerscheba nach Haran. Er kam an einen Platz und übernachtete dort, weil die Sonne gerade untergegangen war. Hinter seinen Kopf legte er einen der großen Steine, die dort umherlagen.
Während er schlief, sah er im Traum eine breite Treppe, die von der Erde bis zum Himmel reichte. Engel stiegen auf ihr zum Himmel hinauf, andere kamen zur Erde herunter. Der HERR selbst stand ganz dicht bei Jakob und sagte zu ihm: »Ich bin der HERR, der Gott deiner Vorfahren Abraham und Isaak. Das Land, auf dem du liegst, will ich dir und deinen Nachkommen geben. Sie werden so unzählbar sein wie der Staub auf der Erde und sich nach allen Seiten ausbreiten, nach West und Ost, nach Nord und Süd. Am Verhalten zu dir und deinen Nachkommen wird sich für alle Menschen Glück und Segen entscheiden. Ich werde dir beistehen. Ich beschütze dich, wo du auch hingehst, und bringe dich wieder in dieses Land zurück. Ich lasse dich nicht im Stich und tue alles, was ich dir versprochen habe. Jakob erwachte aus dem Schlaf und rief: "Wahrhaftig, der HERR ist an diesem Ort, und ich wusste es nicht!"
Er war ganz erschrocken und sagte: "Man muss sich dieser Stätte in Ehrfurcht nähern. Hier ist wirklich das Haus Gottes, das Tor des Himmels!"

Früh am Morgen stand Jakob auf. Den Stein, den er hinter seinen Kopf gelegt hatte, stellte er als Steinmal auf und goss Öl darüber, um ihn zu weihen. Er nannte die Stätte Bet-El (Haus Gottes); vorher hieß der Ort Lus.
Dann legte Jakob ein Gelübde ab: 2Wenn der HERR mir beisteht", sagte er, "wenn er mich bewahrt auf der Reise, die ich jetzt antrete, wenn er mir Nahrung und Kleidung gibt und wenn ich wohlbehalten wieder nach Hause zurückkomme, dann soll er allein mein Gott sein. Hier an dieser Stelle, wo ich den Stein aufgestellt habe, soll dann ein Heiligtum für ihn errichtet werden. Von allem Besitz, den er mir schenken wird, werde ich ihm den zehnten Teil geben."

Reisegeschichten der Bibel. Ausgewählt und eingeleitet von Ekkehard Runge. Für die Online-Veröffentlichung bearbeitet von Bertram Salzmann. © 2006 Deutsche Bibelgesellschaft
Bibeltext: Gute Nachricht Bibel. Revidierte Fassung der Bibel in heutigem Deutsch. Durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung. © 2000 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart Alle Rechte vorbehalten.