Reisegeschichten der Bibel

Eine Lebensreise, die alles verändert - Jesus

Es gibt Reisen, die können ein ganzes Leben verändern: Die eine findet in einer unverhofften Reisebekanntschaft den Mann ihres Herzens und bricht mit ihm zu einer gemeinsamen Lebensreise auf. Ein anderer wird durch ein Unglück unterwegs so aus der Bahn geworfen, dass er die letzte Reise seines Lebens, die über die Schwelle des Todes, antreten muss.

Die Menschen, die Jesus auf seinem Weg durch Galiläa folgen, merken schon bei der ersten Begegnung mit dem Wanderprediger, dass er ihr Leben verändern wird. Zwar ist er beileibe nicht der erste und einzige, der mit dem Anspruch auftritt, eine besondere göttliche Botschaft zu verkündigen. Aber er predigt und wirkt mit einer außergewöhnlichen Autorität, die die Menschen seiner Umgebung beeindruckt. Diejenigen, die sich von ihm besonders angesprochen fühlen, lassen alles stehen und liegen und brechen mit ihm auf eine Reise ins Ungewisse auf.

Mit Jesus unterwegs zu sein, bedeutet ein Abenteuer eigener Art. Jeder Tag birgt neue Überraschungen. Hier hilft er einem Kranken, dort weiß er den Mangel an Reiseproviant zu beheben, weil er seine Gefährten auf den Segen des Miteinander-Teilens hinweist. Eine dauerhafte Bleibe hat die Reisegruppe um Jesus nicht. Sie zieht von Ort zu Ort, zu Fuß oder mit dem Boot, und sogar eine Bergtour mutet Jesus einigen seiner Jünger zu.

Dann wird es ruhiger um Jesus. Zweifel kommen bei seinen Begleitern auf, als die spektakulären Erfolge ausbleiben und die Zahl der Gegner sich formiert. Mit Jesus reisen ist spannend, kann aber auch Verzicht und Gefährdung bedeuten.

Die Lage wird ernst, es geht hinauf nach Jerusalem. Dort erleben die Anhänger Jesu zunächst den glanzvollen Einzug ihres Kleine-Leute-Königs in die berühmte alte Davidsstadt. Aber dann endet die Reise mit einer Katastrophe. Jesus geht seinen Weg zu Ende und stirbt den Verbrechertod am Kreuz. Die meisten seiner Reisebegleiter haben ihn verlassen.

Am Ende sind es einige Frauen, die Jesus die Treue halten und ihn nach seinem Tod salben wollen, wie es Brauch ist. Ihre Entdeckung ist unglaublich und flößt Zittern und Entsetzen ein: Das Grab ist leer. Jesus bleibt unterwegs. Es geht zurück nach Galiläa. Dort treffen sich alle, die Jesus kannten und sich vom ihm bewegen lassen. Sie tragen nun die Kunde von Jesus bis an das Ende der Erde. (Markus 1,14-39; 10,32-34; 11,1-11)

Nachdem man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, kam Jesus nach Galiläa zurück und verkündete im Auftrag Gottes: "Es ist so weit: Jetzt wird Gott seine Herrschaft aufrichten und sein Werk vollenden. Ändert euer Leben und glaubt dieser guten Nachricht!" Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er Simon und seinen Bruder Andreas, wie sie gerade ihr Netz auswarfen; sie waren Fischer. Jesus sagte zu ihnen: "Kommt, folgt mir! Ich mache euch zu Menschenfischern." Sofort ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm.

Als Jesus ein kleines Stück weiterging, sah er Jakobus, den Sohn von Zebedäus, und seinen Bruder Johannes. Sie saßen gerade im Boot und besserten die Netze aus. Jesus rief sie, und sie ließen ihren Vater Zebedäus mit den Gehilfen im Boot zurück und folgten ihm. Sie gingen weiter und kamen miteinander nach Kafarnaum, und gleich am Sabbat ging Jesus in die Synagoge. Dort sprach er zu den Versammelten. Sie waren von seinen Worten tief beeindruckt; denn er lehrte wie einer, der Vollmacht von Gott hat - ganz anders als die Gesetzeslehrer.

Am nächsten Morgen verließ Jesus lange vor Sonnenaufgang die Stadt und zog sich an eine abgelegene Stelle zurück. Dort betete er. Simon und seine Gefährten zogen ihm nach und fanden ihn. "Alle suchen dich", sagten sie. Jesus antwortete: "Wir wollen jetzt weitergehen, in die umliegenden Dörfer. Ich muss auch dort die Gute Nachricht verkünden, denn dazu bin ich gekommen." So zog Jesus durch ganz Galiläa, verkündete in den Synagogen die Gute Nachricht und trieb die bösen Geister aus.

Sie waren unterwegs nach Jerusalem; Jesus ging ihnen voran. Alle, die dabei waren, wunderten sich; die Jünger aber hatten Angst. Wieder nahm Jesus die Zwölf beiseite und machte ihnen klar, was bald mit ihm geschehen werde. "Hört zu!", sagte er. "Wir gehen jetzt nach Jerusalem. Dort wird der Menschensohn nach dem Willen Gottes den führenden Priestern und den Gesetzeslehrern ausgeliefert werden. Sie werden ihn zum Tod verurteilen und den Fremden übergeben, die Gott nicht kennen. Die werden ihren Spott mit ihm treiben, ihn anspucken, auspeitschen und töten; doch nach drei Tagen wird er vom Tod auferstehen."

Kurz vor Jerusalem kamen sie zu den Ortschaften Betfage und Betanien am Ölberg. Dort schickte Jesus zwei seiner Jünger fort mit dem Auftrag: "Geht in das Dorf da drüben! Gleich am Ortseingang werdet ihr einen jungen Esel angebunden finden, auf dem noch nie ein Mensch geritten ist. Bindet ihn los und bringt ihn her! Und wenn jemand fragt: ›Warum macht ihr das?‹, dann antwortet: ›Der Herr braucht ihn und wird ihn gleich wieder zurückschicken.‹"

Die beiden gingen hin und fanden tatsächlich den jungen Esel draußen auf der Straße an einem Hoftor angebunden. Als sie ihn losmachten, sagten ein paar Leute, die dort standen: "Was tut ihr da? Warum bindet ihr den Esel los?" Da sagten sie, was Jesus ihnen aufgetragen hatte, und die Leute ließen sie machen. Die beiden Jünger brachten den Esel zu Jesus und legten ihre Kleider über das Tier, und Jesus setzte sich darauf. Viele Menschen breiteten ihre Kleider als Teppich auf die Straße. Andere rissen Zweige von den Büschen auf den Feldern und legten sie auf den Weg. Die Menschen, die Jesus vorausliefen und die ihm folgten, riefen immer wieder: "Gepriesen sei Gott! Heil dem, der in seinem Auftrag kommt! Heil der Herrschaft unseres Vaters David, die jetzt anbricht! Gepriesen sei Gott in der Höhe!"

So zog Jesus nach Jerusalem hinein und ging in den Tempel. Dort sah er sich alles an. Doch weil es schon spät geworden war, verließ er die Stadt wieder und ging nach Betanien, zusammen mit dem Kreis der Zwölf.

Reisegeschichten der Bibel. Ausgewählt und eingeleitet von Ekkehard Runge. Für die Online-Veröffentlichung bearbeitet von Bertram Salzmann. © 2006 Deutsche Bibelgesellschaft
Bibeltext: Gute Nachricht Bibel. Revidierte Fassung der Bibel in heutigem Deutsch. Durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung. © 2000 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart Alle Rechte vorbehalten.