Reisegeschichten der Bibel

Durchkreuzung der Reisepläne durch Höhere Gewalt - Jona

Gute Nerven und Flexibilität sind gefragt, wenn eine Reise durch Höhere Gewalt plötzlich einen unerwarteten Verlauf nimmt: Wenn das voll gepackte Auto mitten auf der Autobahn stehen bleibt, wenn das gebuchte Hotel just in der Nacht vor der Ankunft abgebrannt ist oder der Rückflug in die Heimat wegen Insolvenz der Fluggesellschaft gestrichen wird.

Jona ist unterwegs von Jafo nach Tarschisch (vermutlich in Spanien), als ein Unwetter ihm einen Strich durch die Reise-Rechnung macht. Dessen Urheber ist Gott persönlich, der Jona zu einem ganz anderen Ziel, nämlich nach Ninive geschickt hat. Der ungehorsame Prophet ahnt, dass er selbst der Grund der Wetterturbulenzen ist, und bietet sich der Reisegesellschaft als Opfer an. Als er schließlich über Bord geht, ist zum Glück ein ganz spezielles Unterseeboot zur Stelle, um ihn vor dem Ertrinken zu retten.

Glimpflich davon gekommen und nach einigen Tagen der Besinnung geht es auf dem Landweg doch noch nach Ninive. Hier geschieht das Wunder. Als Jona – noch nicht in der Stadtmitte angekommen – seine Botschaft verkündet, hören ihn die Menschen an, nehmen die Botschaft ernst und verändern ihren Lebensstil. Sogar die Regierung ist tief beeindruckt und veranlasst Sofortmaßnahmen. Es gibt keine Opposition gegen diese Beschlüsse, und alles wird gut. Die Reise mit dem großen Umweg hat sich gelohnt. (Jona 1,1–2,2; 2,11–3,3)

Das Wort des HERRN erging an Jona, den Sohn von Amittai, er sagte zu ihm: "Geh nach Ninive, der großen Stadt, und kündige ihr mein Strafgericht an! Ich kann nicht länger mit ansehen, wie böse die Leute dort sind."

Jona machte sich auf den Weg, aber in die entgegengesetzte Richtung. Er wollte nach Tarschisch in Spanien fliehen, um dem HERRN zu entkommen.
In der Hafenstadt Jafo fand er ein Schiff, das dorthin segeln sollte. Er bezahlte das Fahrgeld und stieg ein.

Da schickte der HERR einen Sturm aufs Meer, der war so heftig, dass das Schiff auseinander zu brechen drohte. Die Seeleute hatten große Angst und jeder schrie zu seinem Gott um Hilfe. Um die Gefahr für das Schiff zu verringern, warfen sie die Ladung ins Meer.

Jona war nach unten gegangen, hatte sich hingelegt und schlief fest. Der Kapitän kam zu ihm herunter und sagte: "Wie kannst du schlafen? Steh auf, rufe zu deinem Gott! Vielleicht hilft er uns und wir müssen nicht untergehen!"

Die Seeleute wollten durch das Los herausfinden, wer an ihrem Unglück schuld sei. Da fiel das Los auf Jona. Sie bestürmten ihn mit Fragen: "Sag uns: Warum sind wir in diese Gefahr geraten? Wer bist du eigentlich? Was für Geschäfte treibst du? Zu welchem Volk gehörst du, wo ist deine Heimat?"

Jona antwortete: "Ich bin ein Hebräer und verehre den HERRN, den Gott des Himmels, der Land und Meer geschaffen hat."

Er sagte ihnen auch, dass er auf der Flucht vor dem HERRN war.

Da bekamen die Männer noch mehr Angst und sie fragten ihn: "Wie konntest du das tun? Was sollen wir jetzt mit dir machen, damit das Meer sich beruhigt und uns verschont?"

Denn es war inzwischen noch stürmischer geworden.

Jona sagte: "Werft mich ins Meer, dann wird es sich beruhigen. Ich weiß, dass dieser Sturm nur meinetwegen über euch gekommen ist."

Die Seeleute machten einen letzten Versuch, durch Rudern das Land zu erreichen; doch sie schafften es nicht, denn der Sturm tobte immer heftiger.

Da beteten sie zum HERRN: "HERR, strafe uns nicht, wenn wir diesen Mann jetzt opfern müssen! Rechne uns seinen Tod nicht als Mord an. Es war dein Wille, und alles, was du willst, geschieht."

Dann nahmen sie Jona und warfen ihn ins Meer.

Sofort wurde es ruhig. Da packte sie alle große Furcht vor dem HERRN. Sie schlachteten ein Opfertier für ihn und machten ihm Versprechen für den Fall ihrer Rettung.

Der HERR aber ließ einen großen Fisch kommen, der verschlang Jona. Drei Tage und drei Nächte lang war Jona im Bauch des Fisches. Dort betete er zu dem HERRN, seinem Gott.

Da befahl der HERR dem Fisch, ans Ufer zu schwimmen und Jona wieder auszuspucken.

Zum zweiten Mal erging das Wort des HERRN an Jona, er sagte zu ihm: "Geh nach Ninive, der großen Stadt, und rufe dort aus, was ich dir auftrage!"

Diesmal gehorchte Jona dem HERRN und ging nach Ninive.
Diesmal gehorchte Jona dem HERRN und ging nach Ninive. Die Stadt war ungeheuer groß; man brauchte drei Tage, um vom einen Ende zum andern zu kommen. Jona ging eine Tagesreise weit in die Stadt hinein, dann stellte er sich hin und rief: "Noch vierzig Tage und Ninive ist ein Trümmerhaufen!"

Die Leute von Ninive setzten ihre Hoffnung auf Gott. Sie beschlossen zu fasten; und alle, Reiche wie Arme, legten zum Zeichen der Reue den Sack an.

Jonas Botschaft war nämlich dem König von Ninive gemeldet worden. Der stieg von seinem Thron, legte den Königsmantel ab, zog den Sack an und setzte sich in die Asche. Er ließ in der ganzen Stadt ausrufen: "Hört den Befehl des Königs und seiner Minister: 'Niemand darf etwas essen oder trinken, weder Mensch noch Rind noch Schaf! Menschen und Vieh sollen den Sack anlegen und laut zu Gott rufen. Alle sollen von ihrem bösen Weg umkehren und aufhören, Unrecht zu tun. Vielleicht lässt Gott sich umstimmen. Vielleicht können wir seinen schweren Zorn besänftigen und er lässt uns am Leben.'"

Gott sah, dass sie sich von ihrem bösen Treiben abwandten. Da tat es ihm Leid, sie zu vernichten, und er führte seine Drohung nicht aus.

Das gefiel Jona gar nicht und er wurde zornig. Er sagte: "Ach HERR, genau das habe ich vermutet, als ich noch zu Hause war! Darum wollte ich ja auch nach Spanien fliehen. Ich wusste es doch: Du bist voll Liebe und Erbarmen, du hast Geduld, deine Güte kennt keine Grenzen. Das Unheil, das du androhst, tut dir hinterher Leid. Deshalb nimm mein Leben zurück, HERR! Sterben will ich, das ist besser als weiterleben!"

Aber der HERR fragte ihn: "Hast du ein Recht dazu, so zornig zu sein?"

Jona verließ die Stadt in Richtung Osten. In einiger Entfernung hielt er an und machte sich ein Laubdach. Er setzte sich darunter in den Schatten, um zu sehen, was mit der Stadt geschehen würde.

Da ließ Gott, der HERR, eine Rizinusstaude über Jona emporwachsen, die sollte ihm Schatten geben und seinen Ärger vertreiben. Jona freute sich riesig über diese wunderbare Staude. Aber früh am nächsten Morgen schickte Gott einen Wurm. Der nagte den Rizinus an, sodass er verdorrte. Als dann die Sonne aufging, ließ Gott einen heißen Ostwind kommen. Die Sonne brannte Jona auf den Kopf und ihm wurde ganz elend. Er wünschte sich den Tod und sagte: "Sterben will ich, das ist besser als weiterleben!"

Aber Gott fragte ihn: "Hast du ein Recht dazu, wegen dieser Pflanze so zornig zu sein?"

"Doch", sagte Jona, "mit vollem Recht bin ich zornig und wünsche mir den Tod!"

Da sagte der HERR: "Schau her, du hast diese Staude nicht großgezogen, du hast sie nicht gehegt und gepflegt; sie ist in der einen Nacht gewachsen und in der andern abgestorben. Trotzdem tut sie dir Leid. Und mir sollte nicht diese große Stadt Ninive Leid tun, in der mehr als hundertzwanzigtausend Menschen leben, die rechts und links nicht unterscheiden können, und dazu noch das viele Vieh?"


Reisegeschichten der Bibel. Ausgewählt und eingeleitet von Ekkehard Runge. Für die Online-Veröffentlichung bearbeitet von Bertram Salzmann. © 2006 Deutsche Bibelgesellschaft
Bibeltext: Gute Nachricht Bibel. Revidierte Fassung der Bibel in heutigem Deutsch. Durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung. © 2000 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart Alle Rechte vorbehalten.