Reisegeschichten der Bibel

Pauschalreisende in der Wüste - Mose

In fast jeder Reisegruppe gibt es sie: die Mitreisenden, die ständig am Nörgeln sind. Keine Unterkunft ist ihnen gut genug, keine Führung hat das nötige Niveau, kein Restaurant verdient seine Sterne. Was kann schlimmer sein, als wenn Leute von dieser Sorte in einer Reisegruppe die Meinungsführerschaft übernehmen?
Dass die Wüstentour, auf die Mose seine Reisegruppe beim Auszug aus Ägypten mitzunehmen hatte, kein Zuckerschlecken werden würde, war von Anfang an klar: Viele unerfahrene Reisende hatten sich der Gruppe angeschlossen, um ihrem beschwerlichen Arbeitsalltag zu entkommen, machten sich aber keine rechte Vorstellung von den Mühen, die vor ihnen lagen.

Als die Gruppe dann in der Wüste festsitzt, dauert es nicht lange, bis das Jammern beginnt. Weit und breit keine Raststätte, nicht einmal Trinkwasser, von gekühlten Getränken ganz zu schweigen. Die Qualität des Essens war bisher übrigens auch nicht berückend. Dann gehen die Lebensmittelvorräte zur Neige. Man hatte doch alles inklusive gebucht, drei Mahlzeiten am Tag. Jetzt reicht es nicht einmal zu einem einfachen Picknick am Straßenrand.

Mose, der Reiseleiter, bekommt den geballten Ärger der Truppe zu spüren. Er wird persönlich für die Mängel haftbar gemacht. Jetzt hilft es nicht mehr, dass auch er nur ein angestellter Reiseleiter ist und dass Pauschalreisende ohnehin keinen Anspruch auf Erste-Klasse-Verpflegung haben – jetzt hilft nur noch ein Wunder. Und tatsächlich, dank des direkten Drahtes zum Reiseunternehmer selbst gelingt es doch noch, kurzfristig Abhilfe zu schaffen. So wird der unwirtliche Ort der „Probe und Anklage“ schließlich zu einem Ort des wiederhergestellten Vertrauens – in den Reiseleiter und in den Reiseveranstalter. Den wird man dann sogar gerne weiterempfehlen. (2.Mose/Exodus 17,1-7)

Von Elim zogen die Israeliten weiter in die Wüste Sin, die zwischen Elim und dem Berg Sinai liegt. Sie kamen dorthin am 15. Tag im 2. Monat nach dem Aufbruch aus Ägypten.

Hier in der Wüste rottete sich die ganze Gemeinde Israel gegen Mose und Aaron zusammen. Sie murrten: „Hätte der HERR uns doch getötet, als wir noch in Ägypten waren! Dort saßen wir vor vollen Fleischtöpfen und konnten uns an Brot satt essen. Aber ihr habt uns herausgeführt und in diese Wüste gebracht, damit die ganze Gemeinde verhungert!“

Der HERR sagte zu Mose: „Ich werde euch Brot vom Himmel regnen lassen. Die Leute sollen vors Lager hinausgehen und so viel sammeln, wie sie für den Tag brauchen – aber nicht mehr, damit ich sehe, ob sie mir gehorchen. Am sechsten Tag sollen sie so viel sammeln, wie sie finden. Wenn sie es zubereiten, werden sie entdecken, dass es doppelt so viel ist, wie sie sonst gesammelt haben.“

Mose und Aaron sagten nun zu allen Israeliten: „Heute Abend werdet ihr erkennen, dass der HERR es war, der euch aus Ägypten herausgeführt hat. Und morgen früh werdet ihr die Herrlichkeit des HERRN sehen. Er hat euer Murren gehört. Denn ihn habt ihr angeklagt, nicht uns. Wer sind wir schon, dass ihr euch über uns beschwert? Er wird euch am Abend Fleisch geben und am Morgen Brot, dass ihr euch satt essen könnt. Gegen ihn habt ihr Klage geführt, nicht gegen uns. Wer sind denn schon wir?“

Dann sagte Mose zu Aaron: „Befiehl der ganzen Gemeinde Israel: 'Kommt her und stellt euch vor dem HERRN auf, denn er hat euer Murren gehört!'„

Kaum hatte sich das Volk mit dem Blick zur Wüste aufgestellt, da erschien auch schon von dort her die Herrlichkeit des HERRN in der Wolke. Der HERR sagte zu Mose: „Ich habe das Murren der Israeliten gehört und lasse ihnen sagen: 'Gegen Abend werdet ihr Fleisch zu essen bekommen und am Morgen so viel Brot, dass ihr satt werdet. Daran sollt ihr erkennen, dass ich der HERR, euer Gott, bin.'„

Am Abend kamen Wachteln und ließen sich überall im Lager nieder, und am Morgen lag rings um das Lager Tau. Als der Tau verdunstet war, blieben auf dem Wüstenboden feine Körner zurück, die aussahen wie Reif.
Als die Leute von Israel es sahen, sagten sie zueinander: „Was ist denn das?“ Denn sie wussten nichts damit anzufangen.

Mose aber erklärte ihnen: „Dies ist das Brot, mit dem der HERR euch am Leben erhalten wird. Und er befiehlt euch: 'Sammelt davon, so viel ihr braucht, pro Person einen Krug voll.  Jeder soll so viel sammeln, dass es für seine Familie ausreicht.'„

Die Leute gingen und sammelten, die einen mehr, die andern weniger. Als sie es aber abmaßen, hatten die, die viel gesammelt hatten, nicht zu viel, und die, die wenig gesammelt hatten, nicht zu wenig. Jeder hatte gerade so viel gesammelt, wie er brauchte.

Mose sagte zu ihnen: „Niemand soll etwas davon bis zum anderen Morgen aufheben!“
Einige hörten nicht auf ihn und legten etwas für den anderen Tag zurück, aber am Morgen war es voller Maden und stank. Da wurde Mose zornig, weil sie nicht auf ihn gehört hatten.
Morgen für Morgen sammelte nun jeder, so viel er brauchte. Sobald die Sonne höher stieg, zerschmolz der Rest, der nicht aufgesammelt worden war.

Am sechsten Tag stellten sie fest: Sie hatten doppelt so viel gesammelt wie an den anderen Tagen, zwei Krüge pro Person. Die führenden Männer der Gemeinde kamen zu Mose und berichteten es ihm. Er sagte zu ihnen: „Damit ist genau das eingetroffen, was der HERR angekündigt hatte. Denn morgen ist Ruhetag, der heilige Tag, der dem HERRN gehört, der Sabbat. Backt und kocht von dem so viel ihr heute essen wollt; den Rest bewahrt für morgen auf.“

Nach der Weisung Moses legten die Leute beiseite, was überschüssig war, und siehe da: Am anderen Morgen stank es nicht und es fand sich keine Made darin.

Mose sagte: „Esst das heute! An diesem Tag ist Sabbat, der Tag, der dem HERRN gehört; da werdet ihr draußen nichts finden. Jeweils sechs Tage lang sollt ihr sammeln, aber am siebten Tag, dem Sabbat, ist nichts da.“
Trotzdem gingen ein paar von ihnen am siebten Tag hinaus und wollten sammeln; aber sie fanden nichts. Da sagte der HERR zu Mose: „Wie lange weigert ihr euch noch, mir zu gehorchen und meine Gebote und Anordnungen zu befolgen? Weil ich euch den Sabbat als Ruhetag gegeben habe, darum gebe ich euch am sechsten Tag Nahrung für zwei Tage. Am siebten Tag sollt ihr alle im Lager bleiben, niemand darf hinausgehen.“

So beging das ganze Volk den siebten Tag als Ruhetag.
Die Leute von Israel nannten diese Speise das Manna. Es war weiß wie Koriandersamen und schmeckte wie Honigkuchen.

Mose sagte zum Volk: „Der HERR hat befohlen, eine Tagesration Manna für eure Nachkommen aufzubewahren. Sie sollen sehen, womit er euch in der Wüste am Leben erhielt, nachdem er euch aus Ägypten herausgeführt hatte.“
Dann sagte er zu Aaron: „Nimm einen Krug und fülle ihn mit einer Tagesration Manna! Stelle ihn im Heiligtum des HERRN auf, als Erinnerung für die künftigen Generationen.“

Aaron tat es und stellte den Krug vor die Lade mit dem Bundesgesetz.
Vierzig Jahre lang aßen die Israeliten Manna, die ganze Zeit, während der sie in der Wüste umherzogen, bis sie in das Land Kanaan kamen.

Auf Befehl des HERRN zog die ganze Gemeinde Israel von der Wüste Sin aus weiter, von einem Lagerplatz zum andern. Einmal schlugen sie ihr Lager bei Refidim auf. Dort gab es kein Trinkwasser.
Da machten die Israeliten Mose schwere Vorwürfe und forderten: „Gib uns Wasser zum Trinken!“
Mose erwiderte: „Warum macht ihr mir Vorwürfe? Warum stellt ihr den HERRN auf die Probe?“
Aber die Leute von Israel hatten großen Durst, deshalb murrten sie gegen Mose und sagten: „Wozu hast du uns eigentlich aus Ägypten herausgeführt? Nur damit wir hier verdursten, samt unseren Kindern und dem Vieh?“

Da schrie Mose zum HERRN: „Was soll ich mit diesem Volk machen? Es fehlt nicht viel und sie steinigen mich!“
Der HERR antwortete ihm: „Rufe ein paar von den Ältesten Israels zu dir und geh mit ihnen dem Volk voran. Nimm den Stock in die Hand, mit dem du ins Nilwasser geschlagen hast. Dort drüben auf dem Felsen, am Berg Horeb, werde ich dich erwarten. Schlag an den Felsen, dann wird Wasser herauskommen und das Volk kann trinken.“

Vor den Augen der Ältesten Israels tat Mose, was der HERR ihm gesagt hatte.

Der Ort wurde Massa und Meriba (Ort der Probe und Anklage) genannt, weil dort die Israeliten Mose angeklagt und den HERRN auf die Probe gestellt hatten. Denn sie hatten gefragt: „Ist der HERR mitten unter uns oder nicht?“