Reisegeschichten der Bibel

Die erste Kreuzfahrt der Weltgeschichte - Noach

Kreuzfahrten sind noch immer eine besonders luxuriöse Form des Reisens. In exquisitem Ambiente auf hoher See oder auf Landgang an exotischen Orten - das hat den Charakter von Exklusivität.

Exklusiv ging es auch auf der ersten Kreuzfahrt der Weltgeschichte zu. Nur ein enger Kreis von Ausgewählten gehörte zu den Passagieren. Keine Urlaubsfahrt durch ruhige Gewässer war das allerdings, sondern ein waghalsiges Evakuierungsunternehmen, von Gott höchstpersönlich angeordnet.

Das Schiff, das Gott für dieses Unternehmen chartert, stammt von der Reederei Noach & Söhne. Es wird unter dem Gespött der Leute an einem Ort fern von jedem Meer zusammengezimmert. Als es dann unaufhörlich zu regnen beginnt, erweist es sich jedoch plötzlich als Rettungsboot für Mensch und Tier.

Eine aufregende, mehr als sechswöchige Reise beginnt. Während die Welt unter den Wassermassen verschwunden ist, treibt der unsinkbare Urtyp aller Passagierschiffe auf den Wellen dahin. Ein Ziel dieser unfreiwilligen Fahrt ist nicht abzusehen; an ein Ankommen, Anlegen, an die üblichen Landausflüge und gar das Von-Bord-Gehen ist nicht zu denken - eine Fahrt ins Ungewisse also.

In dem hölzernen Kasten muss es zugegangen sein wie in einem schwimmenden Billighotel mit überbelegten Kabinen, zusammengebrochenen Sanitärverhältnissen, Mangel an Trinkwasser und Lebensmitteln. Dazu die vielen Tiere, der üble Gestank!

Doch nach vierzig Tagen nimmt auch diese Reise ein Ende. Nachdem der Kapitän die Lage mithilfe von Kundschaftern aus seinem Passagierbestand geklärt hat, können die Reisenden von Bord gehen. Am Ende erscheint diese Schiffsfahrt fast wie die Vorwegnahme einer Flugreise: Über den höchsten Bergen zieht der hölzerne Kasten dahin und landet schließlich auf einem Gipfel, anstatt - wie sich das für ein Schiff gehört - sacht auf einer Sandbank aufzusetzen. (1.Mose/Genesis 6,9-8,22)

Dies ist die Geschichte Noachs und seiner Nachkommen: Im Gegensatz zu seinen Zeitgenossen war Noach ein rechtschaffener, durch und durch redlicher Mann; er lebte in enger Verbindung mit Gott. Er hatte drei Söhne: Sem, Ham und Jafet.
Alle anderen Menschen konnten vor Gott nicht bestehen; die Erde war voll von Unrecht und Gewalt. Wohin Gott auch sah: überall nichts als Verdorbenheit. Denn die Menschen waren alle vom rechten Weg abgekommen.

Da sagte Gott zu Noach: "Mit den Menschen mache ich ein Ende. Ich will sie vernichten samt der Erde; denn die Erde ist voll von dem Unrecht, das sie tun. Bau dir ein Schiff, eine Arche. Mach sie aus festem Holz und dichte sie innen und außen mit Pech ab. Im Innern soll sie viele Räume haben. Sie muss 150 Meter lang sein, 25 Meter breit und 15 Meter hoch. Mach oben ein Dach darüber, zieh zwei Zwischendecken ein, sodass es dreistöckig wird, und bring an der Seite eine Tür an. Ich werde eine Flut über die Erde hereinbrechen lassen, in der alles Lebendige umkommen soll. Weder Mensch noch Tier wird mit dem Leben davonkommen. Mit dir aber schließe ich meinen Bund. Ich verspreche dir: Du sollst gerettet werden. Geh mit deiner Frau, deinen Söhnen und deinen Schwiegertöchtern in die Arche! Nimm von allen Tieren ein Männchen und ein Weibchen mit, damit sie mit dir gerettet werden. Von jeder Tierart sollst du ein Paar in die Arche bringen, damit sie am Leben bleiben, alle Arten von Landtieren und Vögeln. Nimm jedem Tier sein Futter mit, und auch genug zu essen für dich und deine Familie."

Noach tat alles genau so, wie Gott es ihm befohlen hatte. Dann sagte der HERR zu Noach: "Geh mit deiner Familie in die Arche! Du bist der Einzige unter den Menschen, der vor mir als gerecht bestehen kann. Nimm von allen reinen Tieren je sieben Paare mit, aber von den unreinen Tieren nur jeweils ein Männchen und ein Weibchen. Auch von den verschiedenen Vögeln nimm je sieben Paare mit. Ich möchte, dass jede Art erhalten bleibt und sich wieder auf der Erde fortpflanzen kann. Noch sieben Tage, dann werde ich es vierzig Tage und Nächte lang ununterbrochen regnen lassen. Alles Leben auf der Erde, das ich geschaffen habe, wird dann ausgelöscht."

Noach machte alles genau so, wie der HERR es befohlen hatte. Er war damals 600 Jahre alt, als die große Flut über die Erde hereinbrach. Noach ging also mit seiner Frau, seinen Söhnen und seinen Schwiegertöchtern in die Arche. Von allen reinen und unreinen Landtieren sowie von allen Vögeln und den am Boden kriechenden Tieren ließ er je ein Paar mit sich in die Arche gehen, ein Männchen und ein Weibchen, wie Gott es befohlen hatte.

Sieben Tage später kam die große Flut über die Erde. Im 600. Lebensjahr Noachs, am 17. Tag des 2. Monats, öffneten sich die Schleusen des Himmels und die Quellen der Tiefe brachen von unten aus der Erde hervor. Vierzig Tage und vierzig Nächte lang regnete es von da an in Strömen auf die Erde.

An jenem Tag ging Noach mit seiner Frau, mit seinen Söhnen Sem, Ham und Jafet und mit den Frauen seiner Söhne in die Arche, dazu je ein Paar von allen Tierarten: den wilden und den zahmen Tieren, den Tieren, die am Boden kriechen, und allen geflügelten Tieren. Von allen Tierarten, allem, was auf der Erde lebt, gingen je zwei zu Noach in die Arche, immer ein Männchen und ein Weibchen, so wie Gott es befohlen hatte. Und der HERR schloss hinter Noach die Tür zu.

Vierzig Tage lang regnete es ununterbrochen. Das Wasser stieg an und hob die Arche vom Boden ab. Es stieg immer weiter, und die Arche schwamm jetzt frei auf dem Wasser. Es stieg höher und höher, und schließlich waren auf der Erde sogar die Berge bedeckt; das Wasser stand sieben Meter über den höchsten Gipfeln.

Da starb alles, was auf der Erde lebte und sich regte: Vögel, zahme und wilde Tiere, all die kleinen Tiere, von denen es auf der Erde wimmelte, und alle Menschen. Alles, was Lebensgeist in sich trug und auf dem Land lebte, fand den Tod. So vernichtete der HERR alles Leben auf der Erde, vom Menschen bis zum kriechenden Getier, vom Vieh bis zu den Vögeln. Nur Noach und alle, die bei ihm in der Arche waren, blieben übrig. Hundertfünfzig Tage lang war das Wasser auf der Erde gestiegen.

Da dachte Gott an Noach und an all die Tiere, die bei ihm in der Arche waren. Er ließ einen Wind über die Erde wehen, sodass das Wasser fiel. Er ließ die Quellen der Tiefe versiegen und schloss die Schleusen des Himmels, sodass es zu regnen aufhörte. So fiel das Wasser nach hundertfünfzig Tagen.

Am 17. Tag des 7. Monats setzte die Arche auf einem Gipfel des Araratgebirges auf. Das Wasser fiel ständig weiter, bis am 1.Tag des 10. Monats die Berggipfel sichtbar wurden. Nach vierzig Tagen öffnete Noach die Dachluke, die er gemacht hatte, und ließ einen Raben hinaus. Der flog so lange hin und her, bis die Erde trocken war.

Noach ließ auch eine Taube fliegen, um zu erfahren, ob das Wasser von der Erde abgeflossen war. Sie fand aber keine Stelle, wo sie sich niederlassen konnte; denn die ganze Erde war noch von Wasser bedeckt. Deshalb kehrte sie zur Arche zurück. Noach streckte die Hand aus und holte sie wieder herein. Er wartete noch einmal sieben Tage, dann ließ er die Taube zum zweiten Mal fliegen. Sie kam gegen Abend zurück und hielt einen frischen Ölbaumzweig im Schnabel. Da wusste Noach, dass das Wasser abgeflossen war. Er wartete noch einmal sieben Tage, dann ließ er die Taube zum dritten Mal fliegen. Diesmal kehrte sie nicht mehr zurück.

Am ersten Tag des Jahres, in dem Noach sechshundertundein Jahr alt wurde, hatte sich das Wasser verlaufen. Noach öffnete das Dach und hielt Ausschau. Da sah er, dass auf der Erde kein Wasser mehr stand.

Am 27. Tag des 2. Monats war die Erde schließlich ganz trocken. Da sagte Gott zu Noach: "Verlass die Arche mit deiner Frau, deinen Söhnen und deinen Schwiegertöchtern! Lass auch alle Tiere hinaus, die in der Arche sind, die Vögel, die großen Landtiere und alles, was am Boden kriecht. Es soll wieder von ihnen wimmeln auf der Erde; sie sollen fruchtbar sein und sich vermehren auf der Erde."

Da ging Noach mit seiner Familie aus der Arche, und auch die Tiere kamen heraus, alle die verschiedenen Arten. Noach baute einen Opferaltar für den HERRN. Dann nahm er welche von allen reinen Tieren und allen reinen Vögeln und opferte sie darauf als Brandopfer für den HERRN.

Der HERR roch den besänftigenden Duft des Opfers und sagte zu sich selbst: "Ich will die Erde nicht noch einmal bestrafen, nur weil die Menschen so schlecht sind! Alles, was aus ihrem Herzen kommt, ihr ganzes Denken und Planen, ist nun einmal böse von Jugend auf. Ich will nicht mehr alles Leben auf der Erde vernichten, wie ich es getan habe. Von jetzt an gilt, solange die Erde besteht: Nie werden aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht."


Reisegeschichten der Bibel. Ausgewählt und eingeleitet von Ekkehard Runge. Für die Online-Veröffentlichung bearbeitet von Bertram Salzmann. © 2006 Deutsche Bibelgesellschaft
Bibeltext: Gute Nachricht Bibel. Revidierte Fassung der Bibel in heutigem Deutsch. Durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung. © 2000 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart Alle Rechte vorbehalten.