Reisegeschichten der Bibel

Wirtschaftswunder-Tourismus - Salomo

Ein bisschen Sightseeing gehört zu jeder Reise, insbesondere zu einer Hauptstadtreise. Gerne verewigen sich die Mächtigen durch herausragende Bauwerke und imposante Monumente, gerne nehmen Touristen selbst weite Wege auf sich, um diese Zeichen von Macht und Reichtum zu bewundern.

Salomo hat als Nachfolger Davids auf dem Königsthron Israels den Höhepunkt seiner Macht erreicht. Nun sonnt er sich in seinem Reichtum. Er selbst reist nicht mehr viel, denn alle Welt kommt zu ihm. Sogar die Königin von Saba in Südarabien, – dort wo das Gold zu Hause ist – reist nach Jerusalem und berauscht sich an Glanz und Weisheit Salomos.

Die Medien, die Erzähler und Balladensänger, die mit den Karawanen ziehen, berichten in aller Welt von Luxus und gehobener Lebensart. Die Völkergemeinschaft blickt auf die glänzende Hauptstadt, die geschickte Regierungsführung, die mächtigen und modernen Bauten.

Zwar liegt die Steuerlast drückend auf den Menschen. Das aber wird international kaum zur Kenntnis genommen. Wohl aber die groß gewordenen Speditionsfirmen, die mit moderner Technik über Land- und Seewege Baumaterial, Lebensmittel und Luxusgüter, Bergwerksprodukte, Maschinen und Ausrüstungen hin und her transportieren.

Man lernt im Volk Gottes, dass Jahwe nicht nur der Gott der nahen und angenehmen Kurzreisen ist, sondern auch ein Gott der Weltreisen, der seine eigenen Leute ebenso im Blick hat wie die internationale Politik und die Zustände in den Großstädten der Gegenwart. (1.Könige 9,27–10,13)


In Ezjon-Geber bei Elat am Roten Meer, im Gebiet von Edom, ließ König Salomo eine Flotte bauen. König Hiram stellte Salomo erfahrene Seeleute zur Verfügung, die dessen Männer auf der Fahrt begleiteten. Sie segelten in das Land Ofir und brachten Salomo von dort 420 Zentner Gold.

Salomo wurde zur Ehre des HERRN so bekannt, dass auch die Königin von Saba von ihm hörte. Sie machte sich auf den Weg, um sein Wissen durch Rätselfragen auf die Probe zu stellen. Mit zahlreichem Gefolge kam sie nach Jerusalem. Ihre Kamele waren schwer beladen mit duftenden Ölen, Gold und Edelsteinen.

Als sie zu Salomo kam, legte sie ihm die Rätsel vor, die sie sich ausgedacht hatte. Salomo blieb ihr keine Antwort schuldig; auch die schwierigsten Fragen konnten ihn nicht in Verlegenheit bringen. Die Königin war tief beeindruckt von der Klugheit Salomos. Sie besichtigte auch seinen Palast. Sie sah die Speisen und Getränke, die auf seine Tafel kamen, die Minister, die nach ihrem Rang an seiner Tafel saßen, und die Diener, die in kostbaren Gewändern aufwarteten, und sie sah auch die reichen Brandopfer, die er dem HERRN im Tempel opferte. Sie konnte sich vor Staunen nicht fassen und sagte zu Salomo: "Es war nichts übertrieben, was ich bei mir zu Hause über dich und dein Wissen gehört habe. Ich wollte es nicht glauben, aber jetzt habe ich mich mit eigenen Augen davon überzeugt. Dein Wissen und dein Reichtum übertreffen sogar noch alles, was ich darüber gehört hatte. Nicht einmal die Hälfte der Wahrheit hat man mir gesagt. Wie glücklich sind deine Frauen und deine Minister, die täglich um dich sind und deine klugen Worte hören! Der HERR, dein Gott, sei gepriesen, der dich erwählt und auf den Thron Israels gebracht hat! Weil seine Liebe zu seinem Volk nicht aufhört, hat er dich zum König eingesetzt, damit du für Recht und Gerechtigkeit sorgst."

Dann schenkte sie Salomo 120 Zentner Gold, eine Menge duftende Öle und viele Edelsteine. Nie wieder gelangte so viel kostbares Öl nach Jerusalem wie damals.

Übrigens brachten die Schiffe König Hirams, die Gold aus dem Land Ofir einführten, auch große Ladungen Edelhölzer und Edelsteine von dort mit. Salomo ließ aus dem Holz Schnitzwerk für den Tempel des HERRN und den Königspalast sowie Saiteninstrumente für die Tempelsänger herstellen. Bis heute ist nie mehr so viel kostbares Edelholz nach Jerusalem gekommen.
Salomo erfüllte der Königin von Saba jeden ihrer Wünsche und beschenkte sie darüber hinaus so reich, wie nur er es konnte. Danach kehrte die Königin mit ihrem Gefolge wieder in ihr Land zurück.


Reisegeschichten der Bibel. Ausgewählt und eingeleitet von Ekkehard Runge. Für die Online-Veröffentlichung bearbeitet von Bertram Salzmann. © 2006 Deutsche Bibelgesellschaft
Bibeltext: Gute Nachricht Bibel. Revidierte Fassung der Bibel in heutigem Deutsch. Durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung. © 2000 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart Alle Rechte vorbehalten.