Simson

Gottes tolle Typen

Simson

Der ideale Mann ist sanft, einfühlsam und sensibel. Und er  hat kräftiges Haar. Jedenfalls redet die Werbung uns das ein. Die erotische Ausstrahlung kommt aus der Mähne. Simson ist gewiss kein idealer Mann. Der hat zwar auch eine  beeindruckende Matte, aber sanft, einfühlsam, sensibel? Kein Stück. Sanft ist nur sein Name: kleine Sonne. Doch sonst ist alles an ihm übermenschliche Kraft. Sein Leben, etwa um 1200 vor Christus, ist geprägt von den Auseinandersetzungen der Israeliten mit den lange übermächtigen Philistern. Die wanderten aus dem ägyptischen Raum über Kreta und Zypern  in den Vorderen Orient ein, setzten sich in der Gegend um Gaza fest und gaben den Israeliten Saures.

Aber auch Feinde haben schöne Töchter. Viele Liebesaffären mit Philisterinnen sind für Simson Anlass zu schelmischen und heldenhaften Streichen gegen deren Väter und Brüder. Manchmal sind sie auch nur derb. Als dem Kraftpaket  unterwegs nach Timna zu einem Mädchen, das er zur Frau gewinnen möchte ein Löwe in die Quere kommt, reißt Simson ihn mit bloßen Händen in Stücke. Dass der zukünftige Schwiegervater seine Tochter einem anderen Lebensgefährten anvertraut, ist keine so starke Idee.

In seinem Zorn fängt Simson 300 Füchse, bindet sie paarweise an den  Schwänzen zusammen, befestigt dazwischen Fackeln, entzündet diese und treibt das Rudel in die Getreidefelder: Brandstiftung der raffinierten Art. Die Philister rächen sich an der Frau, die Simson begehrt, verbrennen sie samt dem Vater in deren Haus. Der Zorn eskaliert, und Simson verprügelt die Philister derart, dass es selbst seinen Stammesgenossen unheimlich wird. Sie fesseln ihn und übergeben ihn den Besatzern, doch er zerreißt die Stricke wie Fäden und erschlägt mit dem Backenknochen eines Esels gleich 1000 Mann. Ein Krieger will auch seinen Spaß. So zieht Simson nach Gaza und besucht eine Hure.

Bevor die Philister ihm im Morgengrauen auflauern können, reißt er bei Nacht die Flügel der Stadttore aus der Verankerung und macht sich davon. Aber dann wird ihm doch eine Frau zum Verhängnis. Simson verliebt sich in Delila, und die nervt ihn, von den Philistern bestochen, so lange, bis er das Geheimnis seiner Kraft preisgibt. Es besteht darin, dass seine Haare niemals geschoren worden sind. Delila schneidet dem Berserker im Schlaf die Locken ab und verrät ihn an seine Feinde. Die haben keine Mühe mehr, den Entkräfteten zu fassen. Sie stechen ihm die Augen  aus und legen ihn in Ketten. Im Gefängnis muss er die Kornmühle drehen.

Aber die Haare wachsen wieder. Als die Philisterfürsten sich während eines Festes an Simsons Späßen ergötzen möchten, tastet der sich zu den Säulen des Hauses, um sie in einem letzten Kraftakt einzureißen. Er leistet noch einmal ganze Arbeit. Mit ihm kommen dreitausend Philister um, mehr, als er in seinem ganzen Leben zuvor getötet hat.

Simson ist eine Symbolfigur für unbändige Kraft, aber auch ein Musterbeispiel für die Verwundbarkeit des Mannes. “Jeder Mann hat eine Achillesferse oder ’tönerne Füße, die ihn zu Fall zu bringen und alles zu zerstören drohen, was er erreicht hat. Seine Schwäche kann aus dem Herzen kommen, dem Sitz der Werte, aus dem Magen, dem Sitz der Bewegung, oder aus den Genitalien, dem Sitz der Leidenschaft, wusste der  verstorbene Theologe Patrick M. Arnold. “Alle Männer, vor allem die erfolgreichsten, haben große Schwächen. Ein Mann, der das nicht weiß, ist ein Narr.

Hans-Albrecht Pflästerer



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