Fehlende Unterstützung durch Staat und Kirchen haben
kirchliche Bibliothekare aus ganz Deutschland am Dienstag bei einer
Tagung im oberbayerischen Kloster Benediktbeuern beklagt. Es sei zu
befürchten, dass "kulturhistorische Substanz unter die Räder kommt",
sagte der Generaldirektor der Bayerischen Staatsbibliothek München,
Hermann Leskien, als Gast des vom evangelischen Verband
kirchlich-wissenschaftlicher Bibliotheken (VkwB) und der
Arbeitsgemeinschaft Katholisch-Theologischer Bibliotheken (AKThB)
organisierten Kongresses.
Rund 10 Prozent des wissenschaftlichen Buch- und
Handschriftenbestandes in Deutschland (rund 17 Millionen Bände)
befindet sich in kirchlichen Bibliotheken und Archiven. Pflege und
Ergänzung dieser Bestände rutsche aber an den Rand kirchlichen
Interesses, wurde geklagt. Angesichts des Rationalisierungsdrucks in
den Kirchen sei die Gefahr groß, dass sie ihrer historischen Rolle
als Kulturträger nicht mehr genügend nachkämen, sagte
VkwB-Vorsitzender Armin Stephan, Leiter der Bibliothek der
Theologischen Hochschule Augustana in Neuendettelsau
(Mittelfranken). Selbst in den Landeskirchenämtern seien
Bibliotheken und Archive von Schließung bedroht, klagte Stephan.
Die kirchlichen Bibliotheken wollen die Nöte ihres
Arbeitsbereiches "in ökumenischer Gemeinsamkeit" stärker in die
Öffentlichkeit tragen, wurde betont. Die Einrichtung eines
Bestandskatalogs wissenschaftlich-kirchlicher Bibliotheken im
Internet unter www.kivk.de/vthk stehe kurz vor der Vollendung.
Direktor Leskien erklärte, die kirchlichen Bibliotheken hätten "eine
wichtige Ergänzungsfunktion zu den staatlichen Bibliotheken". Dort
fehle es inzwischen an theologisch vorgebildetem Personal, aber auch
an Fachkräften mit Latein-Kenntnissen. Die Tagung in Benediktbeuern,
die noch bis Freitag (29.08.) dauert, ist die zweite nach einem
Treffen im oberbayerischen Frauenchiemsee vor drei Jahren.
(1314/26.08.03)