
Der Mensch
Wurden in Genf zur Zeit Calvins Menschen hingerichtet?
In Genf galten die Bestimmungen des Römischen Rechts (Carolina). Und die sahen für Kapitalverbrechen die Todesstrafe vor. Erst gegen Ende des 16. Jahrhunderts wurden schwere Verbrechen zunehmend mit Zuchthaus bestraft. Aus der Zeit, als Calvin Pfarrer in Genf war, sind jährlich etwa neun Hinrichtungen bekannt. Alle Todesurteile verhängte der Genfer Rat. Die meisten Hinrichtungen erfolgten aufgrund von Vergehen wie Mord, schwerem Diebstahl,
Münz- oder Urkundenfälschung sowie politischen Verbrechen.
Im Jahre 1545 ergingen zudem 35 Todesurteile wegen Pestverbreitung. Die Pest versetzte die Menschen in Panik. Schuldige wurden gesucht und bald gefunden. Ihnen wurde vorgeworfen, Türschlösser mit Pestgift bestrichen zu haben. 15 Männer und 20 Frauen wurden hingerichtet.
Ein weiteres Todesurteil verhängte 1547 der Rat der Stadt gegen Jacques Gruet, der den Genfer Pfarrern mit dem Tod gedroht hatte. 1553 wurde der bereits in Vienne verurteilte Michael Servet auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Der Genfer Rat und auswärtige Gutachten schätzten seine Kritik an der Trinitätslehre und der Kindertaufe als Gefahr für den Bestand der christlichen Gesellschaft ein.
1555 kam es außerdem zu einer kleinen Revolution gegen die drohende Übermacht der Franzosen in Genf. Weil dabei versucht wurde, dem Bürgermeister den Stab zu entreißen, stufte der Magistrat den Aufstand als Hochverrat ein. Vier Beteiligte wurden zum Tode verurteilt und hingerichtet.
Achim Detmers

