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Paris

1523 kam Calvin als Student nach Paris und besuchte das Collège de Montaigu. Das Collège existierte bis zur französischen Revolution; an seiner Stelle steht heute die Bibliothèque Sainte-Geneviève an der Place du Panthéon. Auf einer Tafel an der Vorderseite der Bibliothek wird neben Calvin auch an Erasmus von Rotterdam, Rabelais und Ignatius von Loyola erinnert, die ebenfalls am Collège de Montaigu studiert haben. Calvin blieb bis 1527/8 im Collège und wechselte dann nach Orléans und Bourges.

1531 kehrte er erneut nach Paris zurück, um sich humanistischen Studien und der Auseinandersetzung mit der Reformation zu widmen. Während dieser Zeit war Calvin als Lektor am Collège Fortet tätig in der heutigen Rue Valette 21. Im Innenhof dieser Adresse findet sich heute noch der Calvin-Turm. Der Überlieferung nach soll Calvin in einem der Zimmer dort gewohnt haben. Ende 1533 musste Calvin jedoch aus Paris fliehen. Er hatte die reformatorische Rektoratsrede von Nikolaus Cop mitverfasst, die bei den Zuhörern in der Église des Mathurins auf Empörung gestoßen war. Von der Église des Mathurins sind heute nur noch Überreste auf dem Gebäude in der Rue de Cluny 7 erhalten. 1534 kehrte Calvin für kurze Zeit nach Paris zurück. Nach dem Auftauchen protestantischer Flugblätter gegen die römische Messe setzte dann eine erste Verfolgungswelle ein. Zahlreiche Hugenotten wurden in den folgenden Jahrzehnten auf dem Place Maubert und dem Place de Grève, der heutigen Place de l'Hôtel-de-Ville hingerichtet. Calvin selbst entging diesem Schicksal, indem er Paris endgültig verließ. Dafür wurde sein Hauptwerk, die Institutio, 1543 auf dem Vorplatz der Kathedrale Notre Dame verbrannt. Der Höhepunkt der Verfolgungen war jedoch das Massaker der sog. Bartholomäusnacht von 1572, bei dem 3.000 Hugenotten in Paris getötet wurden. Vor allem die zahlreichen Protestanten in der (>klein Genf< genannten) Gasse, der Rue Visconti, fielen dem Massaker zum Opfer. In der Rue Visconti fand 1555 auch die erste evangelische Taufe in Paris statt. In einem Gasthaus in der Nr. 4 wurde 1559 die erste protestantische Nationalsynode abgehalten, bei die Reformierte Kirche Frankreichs gegründet wurde.

Einen Überblick zur Geschichte des französischen Protestantismus erhält man in der Rue des Saintes Peres 54, dem Sitz der Société de l'Histoire du Protestantisme Français. Der Société angegliedert ist eine umfangreiche Bibliothek (Öffnungszeiten: Di-Sa 14-18 Uhr, Do 10-18 Uhr, Ostern und im August geschlossen) und ein privates Museum (geöffnet nur nach Voranmeldung, Eintritt frei). Im Internet betreibt die Société zudem ein virtuelles Museum unter www.museeprotestant.org.

Etwa 30 km nordwestlich von Paris liegt die Stadt Poissy. Im Refektorium des Dominikanerklosters fand 1561 das Kolloquium von Poissy statt, dem letzten und vergeblichen Versuch, einen Religionskrieg zwischen Hugenotten und Katholiken zu verhindern. Calvin schickte seinen späteren Nachfolger Beza nach Poissy. Heute ist vom Kloster nur noch die Eingangshalle mit ihren Türmen und Grundmauern erhalten.


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Publikationsdatum dieser Seite: 14.10.2014 11:26