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Worms

Am 24. Oktober 1540 reiste Calvin zusammen mit Johannes Sturm, dem Rektor der Hohen Schule in Straßburg, zum Religionsgespräch nach Worms. Calvin blieb dort ganze drei Monate. Da der kaiserliche Gesandte Nikolaus Granvella erst am 22. November eintraf, nutzten die protestantischen Abgesandten, darunter auch Melanchthon, die Gelegenheit, sich intern auf der Basis des Augsburger Bekenntnisses von 1530 abzustimmen. Melanchthon und Calvin hatten zuvor in Frankfurt a.M. ihre weitgehende Übereinstimmung in der Abendmahlsfrage festgestellt. In Worms hat Melanchthon dann das Augsburger Bekenntnis auf Wunsch Bucers und Calvins so erweitert, dass u.a. der Abendmahlsartikel den Straßburgern und Zürchern stärker entgegenkam. Diese "Confessio Augustana variata" hat Calvin wahrscheinlich am 8. November unterschrieben.

Die Meinungsverschiedenheiten unter den katholischen Theologen hatte jedoch zur Folge, dass direkte Gespräche zwischen den Religionsparteien erst ab dem 29. Dezember geführt werden konnten. Calvin war sehr verärgert hinsichtlich dieser Hinhaltetaktik. Seinen Unmut darüber brachte er in einem lateinische Gedicht zum Ausdruck - übrigens dem einzigen Gedicht, das wir von ihm kennen. Es trägt den Titel "Epinicion Christo cantatum".

Zwar kam es in den Gesprächen und einzelnen Geheimverhandlungen zur ersten Verständigung in einzelnen Fragen, trotzdem ließ Granvella die Verhandlungen abbrechen und gab die Verlegung nach Regensburg bekannt. Dort wollte er die Gespräche nicht mehr auf der Basis der Confessio Augustana variata, sondern auf einer von Theologen beider Seiten gemeinsam vorbereiteten Vorlage (sog. Wormer Buch) fortführen.

Wo genau sich Calvin in Worms aufgehalten hat, dazu gibt es keine gesicherten Nachrichten. Allerdings lohnt sich ein Besuch in Worms, wo zahlreiche Gebäude aus der Zeit Calvins erhalten sind: Der Kaiserdom St. Peter aus dem 12. Jahrhundert, die Stiftskirche St. Paulus aus dem 13. Jahrhundert, die Stiftskirche des Andreasstiftes (heute Museum der Stadt Worms - täglich geöffnet außer Mo.10-17.00 Uhr) sowie die Magnuskirche, die 1521 zum Ausgangspunkt der evangelischen Bewegung in Worms wurde.

Außerdem befindet sich in Worms am Lutherring ein großes Reformationsdenkmal von 1868. In der Mitte des Denkmals steht Luther im Predigtrock mit der Bibel. Er blickt in die Richtung des verschwundenen Bischofshofes, wo er 1521 im Schatten des Domes vor dem Kaiser seine Schriften widerrufen sollte (s. Bodenplatte im Heylshofgarten). Diese Forderung wies Luther zurück, solange er nicht durch die Bibel selbst widerlegt würde. Die daraufhin vom Kaiser verhängte Reichsacht erwies sich als unwirksam, weil Luther von seinem Landesherrn Kurfürst Friedrich von Sachsen geschützt wurde. Leider bringt das Reformationsdenkmal nicht zum Ausdruck, dass Worms mit den (wenngleich gescheiterten) Religionsgesprächen auch einen anderen Teil der Reformationsgeschichte repräsentiert. Mit keinem Wort wird daran erinnert, und auf Calvin gibt es nur einen versteckten Hinweis am Sockel Luthers.

Sehenswert ist in Worms außerdem das Jüdische Museum im Raschi-Haus (Hintere Judengasse 6 - April bis Oktober: Di.-So. 10-12.30 und 13.30-17 Uhr; November bis März: Di-So. 10-12.30 und 13.30-16.30 Uhr) sowie der Jüdische Friedhof "Heiliger Sand" (Andreasstr./Willy-Brandt-Ring - Tagsüber geöffnet (außer an jüdischen Feiertagen): Sommerzeit 8-20.00 Uhr; Winterzeit 8 Uhr bis Einbruch der Dunkelheit).


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Publikationsdatum dieser Seite: 2016-01-20