Referat für Chancengerechtigkeit der Evangelischen Kirche in Deutschland

Hanna Jursch

Der Preis wurde nach der ersten Theologie-Professorin, der Jenaer Theologin Hanna Jursch, benannt.

Hanna Jursch

Biographie

Hanna Marie Margarete Jursch wurde am 24.3.1902 in Oppeln, Oberschlesien, geboren. Bedingt durch die Versetzungen des Vaters verlebte sie ihre Schulzeit zunächst in Elbing, Westpreußen, und dann von 1917 bis zu ihrem Abitur 1922 in Berlin.

Sie immatrikulierte sich im April an der Thüringischen Landesuniversität in Jena zunächst mit den Fächern Religion, Deutsch und Kunstgeschichte. Durch den Neutestamentler Heinrich Weinel als Christ, Pädagogen und akademischen Lehrer tief beeindruckt, wechselte sie bereits nach einem Semester zur Theologischen Fakultät der Universität Jena. Zu ihren Studienschwerpunkten gehörten das Neue Testament, sowie die Kirchen- und Kunstgeschichte. Im März 1926 legte sie ihr Examen ab.

1932 bestand sie die Lizentiatenprüfung mit einer Arbeit über "Schleiermacher als Kirchenhistoriker". Aufgrund ihrer (praktischen) Tätigkeit bei Professor Heussi erhielt sie Einblick in die sozialen Verhältnisse der Studierenden. Ihr Engagement galt insbesondere den bedürftigen Studentinnen.

1934 habilitierte sie sich mit einer Arbeit über "Das Bild des Judas Ischariot in der Alten Kirche" im Fach Kirchengeschichte und christliche Archäologie. Sie war damit die erste Theologin, die an einer deutschen Theologischen Fakultät die ordnungsgemäße Habilitation erworben hat. Im Sommersemester 1934 nahm sie ihre Lehrtätigkeit an der Universität Jena auf. Die Zulassung zur Habilitation wurde allerdings nur unter Vorbehalt ausgesprochen, da ihr die Ableistung eines Wehrsport- oder Arbeitslagers und die Teilnahme an der Dozentenakademie fehlten.

Gleichzeitig spitzte sich der Konflikt um ihre Dozentur zu, in dem es im wesentlichen um die Ausgrenzung von Frauen aus Hochschuldozenturen ging. Ihrer Habilitation wurde schließlich unter der Voraussetzung stattgegeben, dass sie sich mit einem begrenzten Arbeitsgebiet zufrieden geben musste und dadurch "Stelle und Bezahlung für späteren männlichen Nachwuchs in keiner Weise versperrt werden durfte".

1939 wurde sie - gemäß der neuen Reichshabilitationsordnung - zur Dozentin für Kirchengeschichte ernannt. Jedoch war damit kein Recht und keine Anwartschaft auf Bewilligung von Diäten oder auf die Berufung auf einen planmäßigen Lehrstuhl verbunden.

1945 - nach Ende des Nationalsozialismus - wurde sie zur besoldeten außerordentlichen Professorin benannt.

1948 erhielt sie einen vollen Lehrauftrag und

1956 einen Lehrstuhl an der Theologischen Fakultät Jena.

1955 verlieh ihr die Theologische Fakultät der Philipps Universität Marburg die Würde eines Doktors ehrenhalber.

Hanna Jursch starb am 13.6.1972.