Margot Käßmann: Gewalt gegen Frauen enttabuisieren

Opfer brauchen Hilfe und Anerkennung

25. November 2009

Logo der EKD Anlässlich des Internationalen Tages für die Beseitigung der Gewalt gegen Frauen am 25. November hat die Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann, eine offenere Auseinandersetzung mit dem Leid und den Gewalterfahrungen von Frauen in Kriegsgebieten gefordert. „Noch immer wird zum Beispiel am Volkstrauertag nur der toten Soldaten und Widerstandskämpfer gedacht, nicht aber der Millionen von schwer traumatisierten Vergewaltigungsopfern.“

Weltweit seien Frauen in besonderer Weise Opfer von Gewalt in Kriegs- und Krisengebieten. „Vergewaltigungen gelten vielerorts als ‚Kollateralschäden‘, die häufig nicht gerichtlich verfolgt werden“, so die Landesbischöfin. Dabei sei es für die körperliche und seelische Heilung der Frauen unerlässlich, dass ihnen Gerechtigkeit widerfahre. „Das Thema Vergewaltigung von Frauen im Krieg muss endlich enttabuisiert werden“, forderte Frau Käßmann. „Die Frauen dürfen nicht ein zweites Mal Opfer werden, durch Verschweigen, Nicht-Ernstnehmen oder Bagatellisierung des Unrechts. Vergewaltigung ist eine Menschenrechtsverletzung – und wir alle müssen dafür eintreten, dass die Opfer Hilfe und Anerkennung bekommen, medizinisch, therapeutisch und juristisch.“

Dabei sei Gewalt gegen Frauen nicht nur ein Thema weit entfernter Länder – nach Angaben der Hilfsorganisation „medica mondiale“ wurden allein gegen Ende des Zweiten Weltkrieges in Deutschland etwa zwei Millionen Frauen Opfer von Vergewaltigungen. Dieses Thema sei über Jahrzehnte hinweg tabuisiert worden. „Heute leben in vielen Alten- und Pflegeheimen Frauen, die ihr Schicksal ihr Leben lang verdrängt und verschwiegen haben. Durch die Pflegesituation bricht aber vieles wieder auf, ohne das wir bisher gelernt haben, damit sensibel und informiert umzugehen. Besonders für die Pflegekräfte brauchen wir in diesem Bereich geeignete Fortbildungsangebote.“

Hannover, 25. November 2009

Pressestelle der EKD
Silke Römhild



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