Gewaltanwendung ist immer auch Scheitern
Von Dr. Jürgen Schmude
7. Oktober 2002
"Deshalb ist es kein grundsätzlicher Widerspruch zu einer christlichen Friedensethik, vielmehr eine notwendige, wenn auch nicht vorrangige Konkretion, militärische Mittel zur Wahrung des Friedens und zur Durchsetzung des Rechts bereit zu halten und notfalls anzuwenden." (Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland, November 2001). Zweimal wird "Not" in diesem Satz betont. Nur wenn es sein muss, um Not zu wenden ("notwendig"), kann "notfalls" Gewalt eingesetzt werden.
Damit ist klar: Ein Königsweg der Friedenssicherung ist die Gewaltanwendung nicht. Sie entwürdigt ihre Opfer und oft auch die Handelnden selbst, sie verletzt, sie verbittert, sie sät neue Gewalt. Die Gewalt kann allenfalls sonst nicht erreichbare Voraussetzungen für Chancen zum Frieden schaffen. Den Frieden aber schafft sie nicht; er muss - ohne Gewalt - mühsam erarbeitet werden.
Gewalt ist also nie die beste Lösung eines Problems, oft genug die schlechteste, manchmal schlechter als der Fortbestand des Problems. Sie ist stets Ausweis des Scheiterns aller friedlichen Bemühungen. Und damit kann sie auch bei erfolgreichem Einsatz niemals einen vernünftigen Grund für Siegesfeiern und Triumph liefern. Die gewaltlose Revolution in Ostdeutschland 1989, die ein ganzes Land und mehr verändert hat, ohne einen Menschen dabei zu verletzen, sie war Grund zum Feiern und Jubeln, und sie bleibt es.
Das ist es, was die Dekade zur Überwindung von Gewalt allen Verantwortlichen in Staat, Gesellschaft und Familien immer wieder einschärfen muss: Tut alles, um euch das Scheitern in der Gewaltanwendung, dieses Unglück für andere und für euch selbst, zu ersparen.
