Rundbrief
Informationsrundbrief Nr. 54, 1. Quartal 2012
Liebe Leserin und lieber Leser,
gestern (Aschermittwoch) hat in unserem - mehrheitlich katholischen - Dorf ein Jammerzug schwarz gekleideter Gestalten die Fasnet zu Tage getragen. Nach der Geldbeutelwäsche bekam der Bürgermeister die Rathausschlüssel zurück - die waren ihm am schmutzigen Donnerstag abgenommen wor¬den - und jetzt herrscht wieder der ganz normale Alltag.
Aber nein: jetzt beginnt ja die evangelische Fasten¬aktion "7 Wochen ohne", dieses Jahr unter dem Motto "Gut genug! - Sieben Wochen ohne falschen Ehrgeiz": Eine Einladung, es einmal für ein paar Wochen gut sein zu lassen mit der ewigen Narretei des ,immer-mehr-immer-schneller-immer-besser'. Es gut sein lassen, wie es ist, das klingt gut. Auch für mich. Und doch fallen mir sofort Menschen ein - auch in unserem Land -, denen gegenüber eine Einladung zu 7 Wochen "gut genug!" zynisch wäre. Und das ist die - leider nicht zu Grabe getragene - ewige Fasnet der sich ständig weiter öffnenden Schere zwischen den Habenden und den Habenichtsen.
Die Europäische Union hat das Jahr 2012 dem "ak¬tiven Altern und der Solidarität der Generationen" gewidmet. Sie finden dazu einige wichtige Texte in diesem Rundbrief. Und dennoch erlaube ich mir die Bemerkung, dass ich - soweit ich zurück denken kann - stets passiv gealtert bin, noch nie die Erfahrung gemacht habe, meinem Leben auch nur einen Tag oder eine Stunde selbst aktiv hinzugefügt zu haben .
Wer in mein Büro kommt, wird mit dem Satz von Giora Feidman begrüßt: "Mein Name ist Mensch, mein Alter ist jetzt, ich fordere nichts, denn ich habe alles."
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gute Fastenzeit und grüße Sie vom Vorstand der EAfA herzlich
Ihr
Friedemann Binder
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