Rückblick zum Fachforum 2009 "Der Mensch im Mittelpunkt unserer Beratung"
Im September 2009 war Dresden zum wiederholten Male Gastgeber für das Fachforum der Evangelischen Fachstelle für Arbeits- und Gesundheitsschutz (EFAS) in Kooperation mit den Unfallversicherungsträgern VBG und BGW.Am 23. September 2009 reisten über 100 Vertreter von Einrichtungen der evangelischen Kirche zum Fachforum an, um gemeinsam mit den Veranstaltern einen arbeitsreichen Gedankenaustausch unter dem Thema: "Der Mensch im Mittelpunkt unserer Beratung" zu beginnen.
Im Anschluss an die Eröffnungsgedanken von Birgit Reichel, Fachstelle für Arbeits- und Gesundheitsschutz, und Dr. Dirk Windemuth, BGAG Dresden, übernahm Dr. Klaus-Peter Otto, von der VBG, die Moderation des Eröffnungstages.
Getreu dem Motto der Veranstaltung stand der Mensch am ersten Tag besonders im Mittelpunkt. Einen Rückblick auf den Menschen bei der Arbeit, die ersten Ansätze systematischer Arbeitssicherheit bis hin zum modernen Verständnis von Gesundheitsschutz gab Prof. Dr. Jörg Tannenhauer, Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft und Arbeit. Sein Thema: "Der Mensch und seine Fähigkeiten" führten den Teilnehmern die Komplexität der Fragestellungen vor Augen. Anschließend verbreiterte Andreas Becker, VBG Bezirksverwaltung Ludwigsburg, mit seinem Vortrag "Einfluss der Arbeit auf den Menschen" diese Fragestellung noch. Im Anschluss an die Vorträge ergab sich noch Gelegenheit einige Fragen zu klären.
Seinen abschließenden Höhepunkt fand dieser Tag in einem Besuch der Orgelandacht und einer Führung in der Dresdner Frauenkirche, dem sich ein Spaziergang zur Dreikönigskirche mit Abendprogramm anschloss.
Der zweite Tag des Forums, moderiert von den Kollegen der EFAS, von Cornelia Coenen-Marx, Kirchenamt der EKD, zu dem Thema "Stellung des Ehrenamtes in der Kirche." Umfassend beleuchtete sie die gegenwärtige Entwicklung zwischen Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen in den Kirchengemeinden. Ein besonderes Augenmerk hierbei gilt der Befähigung der ehrenamtlich Tätigen in den Gemeinden und die gezielte Vorbereitung dieser Personengruppe für die bevorstehenden Aufgaben.
Dr. Manfred Fischer, Direktor der Prävention der VBG, beleuchtete das Thema des Ehrenamtes aus Sicht der VBG. Er beschrieb anhand der Unfallzahlen die Notwendigkeit des Arbeitsschutzes gerade auch für ehrenamtlich Engagierte.
So eingestimmt auf das Thema arbeiteten die Teilnehmer in den sich anschließenden, thematisch breit gefächerten Workshops. Bereits in diesen Workshops wurde deutlich, dass es viel mehr als Fachwissen ist, was künftig von den Fachkräften und Ortskräften in der Tätigkeit vor Ort gefordert werden wird - dass das Interesse am Gegenüber und seinen Wünschen Voraussetzung und sogar Maßstab für eine erfolgreiche Dienstleistung ist. Das bedeutet: Weg vom Denken in Checklisten, weg von den eigenen Vorstellungen einer gelungenen Dienstleistung, hin zu den konkreten Situationen und den Menschen, hin zu mehr Zeit für das wesentliche - den Menschen.
Zusammengefasst wurde der zweite Tag am Nachmittag durch den Marktplatz der Ideen. Hier gab es neben der Gelegenheit für viele gute Gespräche alle zehn Minuten Präsentationen von Projekten, von Firmen, einzelner Workshops und besonderer Angebote der Berufsgenossenschaften. Abgerundet wurde der Tag durch die Theatergruppe "Steife Brise" aus Hamburg, der es gelang, mit ihrem Situationstheater die bedeutenden Dinge und hitzigen Diskussionen des Tages humorvoll in alltäglichen Situationen zu reflektieren.
Als am letzten Tag die Vertreter der Berufsgruppen der Pfarrer, Schulleiter, Diakone und Kindergartenleitungen ihre Wünsche und Vorstellungen einer guten Beratung darlegten, wurden die Unterschiede zwischen der bisherigen Beratungspraxis und der künftigen mehr als deutlich. Für einige Ortskräfte war diese Art der Vorgehensweise so fremd, dass sie sich eine Handlungsanleitung wünschten. Klar wurde aber allen Teilnehmern, dass der ausschließliche Einsatz von Checklisten den veränderten Anforderungen nicht entsprechen kann. So beschrieb der Pfarrer seinen Wunsch als Mensch wahrgenommen zu werden durch das Interesse an seiner Person - durch Zuhören. Für ihn ergeben sich die Belastungen vor allem durch die Erwartungshaltung der Gemeindemitglieder, den Zeitdruck und die ständige Kommunikation. Hier wurde deutlich, dass es mehr Kompetenz als reines Fachwissen bedarf, um diesem Anspruch gerecht zu werden.
Die gesamte Veranstaltung war gekennzeichnet vom hohen Engagement aller Beteiligten, einer sehr intensiven Arbeitsatmosphäre, von einem Geist sich den künftigen Anforderungen zu stellen - damit in der täglichen Arbeit wirklich der Mensch im Mittelpunkt steht.
Wolf Schmidt, VBG
Klaus-Peter Otto, VBG
(Quelle: AkademieJournal Dresden , erscheint in der Ausgabe 04/2009)
Downloads zur Fachtagung 2009
Tagungsdokumentation (1.078 KB)
Prof. Dr. Tannenhauer "Der Mensch im Mittelpunkt unserer Betrachtung" (957 KB)
Andreas Becker "Einfluss der Arbeit auf den Menschen" (1.067 KB)
Cornelia Coenen-Marx "Stellung des Ehrenamts in der Kirche" (181 KB)
Dr. Manfred Fischer "Arbeitsschutz für Ehrenamtliche - warum?" (984 KB)
Themen und Ergebnisse aus den Arbeitsgruppen "Arbeits- und Gesundheitsschutz für Ehrenamtliche" (1.880 KB)
Impressionen (677 KB)
