"Kompetenz-Zentren" und "Leitung und Führung"

Bericht über die 2. Sitzung der Steuerungsgruppe

20. Mai 2008

Die Steuerungsgruppe zur Fortführung des gemeinsamen Reformprozesses in der Evangelischen Kirche in Deutschland traf sich im April zum zweiten Mal. Der Schwerpunkt der Überlegungen lag diesmal auf zwei der verabredeten Reformthemen:

Konzeption und Schaffung von Kompetenz-Zentren zur Förderung der kirchlichen Arbeit

Analyse und Verbesserung der Leitungsstrukturen und der Führungskultur auf allen kirchlichen Ebenen

Darüber hinaus hatte die Steuerungsgruppe verschiedene andere Arbeitsschwerpunkte des gemeinsamen Reformprozesses zum Thema gehabt.

Zum Stand der Dinge:

1) Qualitätsentwicklung (speziell von Gottesdiensten und Kasualien)

Vorgestellt wurde das Dokumentationsheft „Von anderen lernen – Dokumentation des Workshops Qualitätsentwicklung von Gottesdiensten“.

In dem Dokumentationsband findet sich eine Zusammenstellung der Ergebnisse des Workshops. Darin werden für die Weiterarbeit an diesem Thema vorerst drei Hand-lungsvorschläge für die EKD-Ebene vorgeschlagen, die die Steuerungsgruppe folgendermaßen konkretisiert:

Entwicklung von Feedback-Systemen und deren Erprobung in Modell- oder Beispielregionen: Für dieses Projekt sollen sich sowohl Regionen bewerben können, die bereits Feedback-Systeme eingerichtet haben, als auch Regio-nen, bei denen dies (noch) nicht der Fall ist.

Wissenschaftlicher Beirat: Es soll ein Beirat eingerichtet werden, der Feed-back-Systeme in Modellregionen  auswertet und die theologischen Fragen begleitend aufgreift und wissenschaftlich bearbeitet.

Verstärkung der Fortbildung in allen Amtsjahren (FAA): Die Fortbildungsreferenten/innen der Gliedkirchen haben angekündigt, zusammen mit den Pasto-ralkollegleiter/innen und Vertretern des EKD-Kirchenamts über weitere Schritte zur Förderung von „FAA“ zu beraten.

2) Kompetenz-Zentren

Die geplanten Kompetenz-Zentren haben nach Auffassung der Steuerungsgruppe unterschiedliche Gestalten: Von der Stärkung und Profilierung einer bestehenden Einrichtung über die Etablierung einer Einrichtung als „primus inter pares“ bis hin zur völligen Neuschaffung eines Zentrums.

Die sachgerechte Gestaltung kann nur im Hinblick auf das jeweilige Handlungsfeld entschieden werden.
Um ein transparentes Verfahren zu gewährleisten, werden die Gliedkirchen über die Pläne zur Errichtung der Kompetenz-Zentren informiert und haben danach die Mög-lichkeit, sich mit ihren Einrichtungen zu bewerben.

Ein Zentrum für die Bündelung der Überlegungen bezüglich des Themas „Qualitätsentwicklung von Gottesdienst und Kasualien“ soll perspektivisch die Arbeit in den Modellregionen und deren theologische Reflexion be-gleiten und Koordinierungsaufgaben für die gottesdienstlichen Zentren übernehmen.

Die Vorschläge zur Schaffung eines neuen „Kompetenz-Zentrums für Predigtkultur“ werden als große Chance wahrgenommen. Aufgrund der einzigar-tigen Bedeutung Wittenbergs in diesem Zusammenhang bedarf es – gerade im Hinblick auf das Reformationsjubiläums 2017 - ohne Frage zwingender Gründe, um einen anderen Standort für dieses Kompetenz-Zentrum zu bevorzugen.

In der Aufgabenstellung des Zentrums zum Thema „Missionarischer Aufbruch“ sollen auch die Verbindung von missionarischem und diakonischem Handeln und die Erfahrungen der weltweiten Mission berücksichtigt werden. Wichtig ist zudem die angemessene Berücksichtigung der spezifischen missionarischen Herausforderungen in städtischen und ländlichen Kontexten.

Bei der Aussprache zum Thema „Leitung und Führung“ herrscht Einigkeit darüber, dass die Führungsakademie für Kirche und Diakonie als Kompetenz-Zentrum etabliert und gestärkt werden soll. Daher kann auf eine Ausschrei-bung verzichtet werden. In einem nächsten Schritt müsse geklärt werden, welche Aufgaben die Führungsakademie wahrnehmen solle und welche von anderen Institutionen bereits übernommen werden bzw. werden sollten.

3) Reformationstag 2008 – Reformdekade „Kirche im Aufbruch – Reformationsjubiläum 2017

- Die Arbeiten an einem Themenheft zur Unterstützung der Aktivitäten der Ge-meinden am Reformationstag schreiten weiter voran. Das Heft soll im Sommer allen Gemeinden bereitgestellt werden.

Am Reformationstag 2008 soll vom Rat der EKD eine Medaille der Würdigung verliehen werden, die den Titel „Martin-Luther-Medaille“ tragen soll. Mit ihr sol-len in jedem Jahr bis zum Reformationsjubiläum 2017 eine oder mehrere Personen für „besondere Verdienste um den deutschen Protestantismus“ ausgezeichnet werden.

Des Weiteren soll die Internetplattform „Kirche im Aufbruch“ zum 31.10.2008 im Rahmen der gemeinsamen Reformationstagsfeierlichkeiten der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und der EKD in Berlin freigeschaltet und präsentiert werden.

4)  Leitung und Führung auf allen kirchlichen Ebenen

Als Ergebnis der EKD-Abfrage „Fortbildung von Personen in Führungsverantwortung“ zeigte sich, dass fast alle Gliedkirchen bei diesem Thema einen hohen Hand-lungsbedarf gemeldet haben. Außerdem stellte sich heraus, dass es besonders an Angeboten für Hauptamtliche in Führungsverantwortung mangelt.

Die Steuerungsgruppe betonte, dass sich bei dem Thema „Leiten und Führen“ nicht nur die Frage nach geeigneten Führungswerkzeugen (z.B. Visitation, Mitarbeitergespräche, Zielvereinbarungen) stellt, sondern auch die nach der kirchlichen Führungskultur. Es handele sich also um persönliche und instituti-onelle Aspekte. Die externe Beratung eines Landeskirchenamtes habe als Er-gebnis geradezu eine Art von „Misstrauenskultur“ diagnostiziert. Die belastende Beobachtung, dass die Arbeit vieler Gremien davon geprägt ist, stelle die Frage nach der Führungs-Akzeptanz, dem Führungs-Stil sowie den Entschei-dungsstrukturen.

Zur weiteren Klärung des Handlungsfeldes soll ein Workshop zum Schwerpunktthema „Leitung und Führung“ vom 17.- 19. Oktober 2008 in der Evangelischen Bildungsstätte auf Schwanenwerder durchgeführt werden.

5)  Zukunftswerkstatt „Kirche im Aufbruch“

Die Zukunftswerkstatt (24.-26. September 2009, Kassel) soll sich einerseits durch die thematische Konzentration auf die drei Leitthemen des Reformprozesses auszeichnen, die deutlich erkennbar sein sollen, andererseits durch thematische Weite für weitere Reformthemen der Gliedkirchen und Kirchenkreise. Diese Weite wird durch die vier Handlungsfelder aus „Kirche der Freiheit“ signalisiert. Beides gilt es miteinander zu verbinden.

6)  Wissenschaftliches Symposion zum Reformprozess

Ein Symposion mit dem Titel „Der Beitrag der Theologie in den gegenwärtigen kirchlichen Herausforderungen“ soll von 23. bis 25. Januar 2009 im Theologischen Zentrum Wuppertal stattfinden.

Das Schwergewicht des Symposions soll auf dem Austausch in Kleingruppen liegen. Jeweils diesen Phasen vorangehende Impulsreferate sollen dazu dienen, kritische Punkte zu nennen und die Diskussion anzuregen.



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