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Bruno Gröning

Im Zusammenhang paranormaler Heilung taucht heutzutage immer wieder der Name „Bruno Gröning“ auf. Der Bruno Gröning-Freundeskreis (BGF) hat es sich zur Aufgabe gemacht, das geistige Erbe des Wunderheilers Gröning (1906-1959) zu verbreiten. Der BGF tritt auch unter der Bezeichnung Kreis für geistige Lebenshilfe im Umfeld der Esoterik-Szene auf. In letzter Zeit wirbt die Heilungsgruppe insbesondere über die Medizinisch-Wissenschaftliche Fachgruppe. Nicht zuletzt durch seine geschickten Aktivitäten (u. a. intensive Vortragsarbeit) konnte der BGF in den letzten Jahren hohe Zuwachszahlen in Deutschland, aber auch in Osteuropa verzeichnen. Mit dem aus eigenen Kräften produzierten Spielfilm Der Wunderapostel und zuletzt mit dem Dokumentarfilm Das Phänomen Bruno Gröning, der seit Anfang 2004 in den Kinos läuft, konnte der BGF eine breitere Öffentlichkeit erreichen.

Der BGF wurde 1979 von der früheren österreichischen Lehrerin Grete Häusler ins Leben gerufen. Eigenen Angaben zufolge war sie selbst von dem Wunderheiler geheilt worden. 20 Jahre nach dessen Tod gründete sie den BGF, um das Werk Grönings fortzuführen. Geworben wird mit Slogans wie „Heilung auf geistigem Wege durch die Lehre Bruno Grönings medizinisch beweisbar“ oder „Vertraue und glaube, es hilft, es heilt die göttliche Kraft“. Durch den Heilstrom Grönings werde – so die Auffassung des BGF – Heilung bewirkt, „selbst von chronischen, degenerativen und schweren organischen Leiden“. Wie es heißt, sei es dem Menschen möglich, mit Hilfe einer „entsprechenden Körper- und Geisteshaltung“, „die göttliche Kraft aufzunehmen“. Dabei könne der „Heilstrom“ im Körper verspürt werden. Nach Ansicht des BGF wirkt dieser Heilstrom auch nach dem Tod Grönings weiter, nunmehr aus dem Jenseits. Als mögliche „Antennen“ für die Aufnahme des Heilstroms dienen Portrait-Fotos Grönings, denen gruppenintern eine magische Heilungskraft zugeschrieben wird. Die Gröning-Anhänger treffen sich regelmäßig in örtlichen „Gemeinschaftsstunden“. Dort versammeln sie sich vor einem Bild Grönings zu meditativer Musik und Vorträgen. Von zentraler Bedeutung ist jedoch das „Einstellen“ in „offener Haltung“: Die Anwesenden sitzen aufrecht auf ihren Stühlen, die Hände ruhen auf den Oberschenkeln, die Handflächen zeigen nach oben. Damit soll der Heilstrom aufgenommen werden. Eine wichtige Rolle spielen bei den Zusammenkünften auch „Erfolgsberichte“ über selbst erlebte oder miterlebte Heilungen. Im deutschsprachigen Raum soll es eigenen Angaben zufolge rund 20.000, weltweit gar bis zu 50.000 Anhänger geben. Neuerdings knüpft der BGF – offensichtlich zu Werbezwecken – verstärkt an esoterische Vorstellungen (u. a. Prana, Chi) an.


Einschätzung

Unter Grete Häusler kam es im BGF zur stärkeren Systematisierung der Lehre und – wie Kritiker vorwerfen – zu Eingriffen bzw. eigenmächtigen Korrekturen der ursprünglichen Auffassungen Grönings. Im BGF wird Gröning nunmehr zur Heilsfigur, zum Erlöser hochstilisiert. In Publikationen ist die Rede davon, dass Gröning die Verbindung zwischen Gott und Menschen wiederhergestellt habe: „Die Erde droht zu zerspringen. Ich aber lege einen Ring herum, dann kann sie nicht zerspringen.“ In den letzten Jahren hat der BGF seine publizistischen Aktivitäten deutlich vergrößert, um Menschen für den „Heilstrom“ Grönings zu gewinnen. Dies gelingt ihm durch die intensive Vortragsarbeit der  Medizinisch-Wissenschaftlichen Fachgruppe und nicht zuletzt durch Werbeaktivitäten im Umfeld der Esoterik-Szene. In organisatorischer Hinsicht wird der BGF getragen vom Kreis für geistige Lebenshilfe mit Sitz in Hennef/Sieg. Präsidentin ist Grete Häusler, die auch den Grete Häusler Verlag führt. Er verlegt und vertreibt einschlägige Bücher, Videos, CDs und Bilder von Gröning. Kritiker werfen dem BGF sektenhafte Züge vor. Ebenso wird der vom BGF behauptete wissenschaftliche Nachweis der Wirkung des „Heilstroms“ stark angezweifelt, da der BGF ein okkult-magisches Weltbild vertritt. Interne „Schulungsbriefe“ mit „Erfolgsberichten“ von Gröning-Anhängern können innerhalb der Gruppe den Erfolgsdruck auf Personen, bei denen Heilungserfolge ausbleiben, erhöhen. Im Kinderschulungsbrief der Bruno-Gröning-Freunde wird schon Kindern Bruno Gröning als „Über-Mensch“ nahegebracht.

Dr. Matthias Pöhlmann, März 2005


Literatur
Horst Reller / Hans Krech / Matthias Kleiminger (Hg.), Handbuch Religiöse Gemeinschaften und Weltanschauungen, Gütersloh 52000, 258-265
Andreas Fincke / Matthias Pöhlmann, Kompass Sekten und religiöse Weltanschauungen, Gütersloh 2004
Andreas Plagge, Art. Gröning (eigentlich Grönkowski), Bruno, in: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL) Bd. XXIV (2005); online lesbar:
www.bautz.de/bbkl/g/gro



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