EZW Logo und Titelkopf.

Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) in Berlin


 Lexikon

Lexikon

>

A |  B |  C |  D |  E |  F |  G |  H |  I |  J |  K |  L |  M |  N |  O |  P |  Q |  R |  S |  T |  U |  V |  W |  X |  Y |  Z | 
 

Islam

Der Islam ist nach dem Christentum die zahlenmäßig größte Religion der Welt und umfasst ca. 1,2 Milliarden Gläubige, in Deutschland etwa 3,2 Millionen. Der Glaube der Muslime gilt dem einen Gott und Muhammad/Mohammed als seinem letzten Propheten. Der Koran wurde nach islamischem Glauben Muhammad von Gott durch den Erzengel Gabriel offenbart (herabgeschickt). Er hat also für die Muslime eine andere Wertigkeit als die Bibel als ein von Menschen geistgewirkt geschriebenes Buch.

Die fünf „Säulen“, auf denen das islamische Haus steht, sind:

1. das Glaubensbekenntnis (shahada),
2. das täglich fünfmalige Gebet (salat) in Richtung Mekka,
3. das Fasten im Monat Ramadan (saum),
4. die Pflichtabgabe (zakat) und
5. die Pilgerfahrt nach Mekka im Monat hajj.

Diese Säulen stellen die religiöse Praxis der Muslime dar, sie gelten in der Regel ab der Geschlechtsreife. Der schiitische Islam mit seinem Schwerpunkt in Iran und Irak umfasst bis zu 10 % der Muslime, während die meisten anderen Sunniten sind, die sich wiederum an insgesamt vier größeren sehr unterschiedlichen Rechtsschulen orientieren und keine zentrale geistliche oder rechtliche Autorität kennen. Die liberalste ist die hanafitische Schule, die auch die vorherrschende Rechtsschule des türkischen Islam ist.

Der Islam in Deutschland ist durch eine Vielfalt von Organisationen und Moscheevereinen geprägt, die nur zum Teil miteinander vernetzt sind. Auch die Dachverbände Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) und Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland repräsentieren nur einen Bruchteil der muslimischen Bevölkerung. Der (strikt unpolitische) türkisch-staatliche Verband DITIB („Diyanet“) ist größer als beide zusammengenommen und wäre als Gesprächs- und Kooperationspartner gern gesehen, will aber selbständig bleiben, wohingegen die Islamische Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG) zu Kooperationen und organisatorischen Zusammenschlüssen bereit ist. Milli Görüs hat sich aber bis heute nicht von antijüdischen und islamistischen Umtrieben gelöst und ist dem umstrittenen türkischen Politiker Necmettin Erbakan und seinen jeweiligen Organisationen eng verbunden. Schließlich ist der Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ) mit Einflüssen aus der Süleymancilar-Bewegung zu nennen, der vor einigen Jahren wieder aus dem ZMD austrat.

Eine eigene Größe stellen die ca. 500.000 in Deutschland lebenden Aleviten dar, die für einen säkularen und ritenarmen Islam stehen, aber in der Regel von sunnitischen Muslimen nicht als Muslime anerkannt werden.

Kontroversen entzünden sich in Deutschland u.a. an den Fragen, ob rituelles Schächten (möglichst vollständig entblutender Schlachtvorgang, meist ohne Betäubung) zulässig ist, an der Frage des Kopftuchtragens in öffentlichen Ämtern und am Bau von Moscheen mit hohen Minaretten und dem damit verbundenen Muezzinruf.

Die öffentliche Aufmerksamkeit gilt in besonderer Weise dem politischen Islam („Islamismus“), fälschlich auch als „islamischer Fundamentalismus“ (buchstabentreue Bezugnahme auf die heiligen Schriften) bezeichnet: Er akzeptiert die Trennung von Staat und Religion nicht und strebt tendenziell einen Staat nach Vorstellungen konservativer Teile der Scharia, des kanonisierten islamischen Rechts, an, je nach Militanz der Gruppe auch unter Inkaufnahme von Gewalt. Die Verfassungsschutzämter beziffern islamistische Organisationen in Deutschland auf ca. 1% der muslimischen Bevölkerung, gehen aber von einem größeren ideologischen Einfluss aus.


Im christlichen Dialog mit Muslimen ist zu beachten

Der Koran geht davon aus, dass der Gott der Muslime derselbe ist wie der der Juden und Christen. Unter Christen ist diese theologische Frage umstritten.

Während Christen von einer dreigestaltigen Gotteserfahrung in Vater, Sohn und Geist ausgehen, ist für Muslime Gott einzig und ohne Vaterschaft (ohne „Beigesellung“).

Jesus ist ein wichtiger Prophet und Empfänger der Evangelien, er ist auch „Messias“, aber er kann nicht Gottes Sohn sein. Auch ist es für Muslime mit der Würde eines Propheten nicht vereinbar, dass Gott ihn am Kreuz sterben ließ: ein anderer starb an seiner Stelle.

Der christliche Glaube sieht den Menschen in einer sündhaften Gottesferne, die letztlich nur durch Gott selbst gnädig überbrückt werden kann. Auch der islamische Glaube kennt den gnädigen und barmherzigen Gott (Eingangssatz jeder Sure außer der 9.), aber der Mensch kann sein Leben unter der Rechtleitung nach dem Willen Gottes gestalten, so dass ihm im Gericht seine Taten zum Guten aufgerechnet werden.

Prof. Dr. Ulrich Dehn, Januar 2005


Literatur
Ulrich Dehn, Allah hat viele Namen, EZW-Text 147, 2. Aufl. Berlin 2002
Ursula Spuler-Stegemann, Muslime in Deutschland, 3. Aufl. Freiburg i. Br. 2002
Karl-Wolfgang Tröger, Bibel und Koran, Berlin 2004



Zurück zum Register



Suchen