EZW Logo und Titelkopf.

Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) in Berlin


 Lexikon

Lexikon

>

A |  B |  C |  D |  E |  F |  G |  H |  I |  J |  K |  L |  M |  N |  O |  P |  Q |  R |  S |  T |  U |  V |  W |  X |  Y |  Z | 
 

Scientology

Darstellung

Die von dem Science-Fiction-Schriftsteller L. Ron Hubbard (1911-1986) ins Leben gerufene Organisation ist in Deutschland umstritten. „Scientology“ bezeichnet sich selber als „Kirche“ und gibt vor, den einzigen Weg für das Überleben des einzelnen Menschen und der gesamten Menschheit zu wissen. Laut Scientology besteht der Mensch aus drei Teilen: dem Körper, dem Verstand und dem Thetan. Jeder Thetan existiere bereits seit Bestehen des Universums und wandere von Mensch zu Mensch. Wenn jemand stirbt, verlässt ihn der Thetan, um sich einen neuen Körper zu suchen.

Im Laufe der Zeit hat nun der Thetan zahlreiche negative Erfahrungen gemacht, die Spuren hinterlassen haben – die sog. Engramme. Diese Engramme sind verantwortlich für Krankheiten, Sucht und Verbrechen. Die Scientology-Organisation verspricht, mit Hilfe bestimmter Methoden die Engramme löschen zu können, damit jeder Einzelne und später die ganze Menschheit „clear“ werde. „Clear“ nennen die Scientologen den Zustand, nachdem alle Engramme gelöscht wurden. Erst dann, so Hubbard, sei ein leidfreies Leben möglich. Die Methode, „Dianetik“ genannt, fächert sich in verschiedene Vorgehensweisen auf: das Auditing, der Reinigungs-Rundown, Trainingsroutinen, das Studium der Schriften von Hubbard und aufeinander aufbauende Kurse.

Zahlreiche Unter- und Tarnunternehmen machen den Konzern trotz seiner straffen Hierarchie unübersichtlich. Die „church“ wird durch eine Erziehungs- und Wirtschaftsorganisation ergänzt. Trotz geschickter Werbefeldzüge – als Verfechter der Menschenrechte in der Psychiatrie, als Notfallseelsorger („Ehrenamtliche Geistliche“) in Krisenregionen oder als Bildungsinitiative getarnt – stagnieren die Mitgliederzahlen in Deutschland zwischen 5000 und 6000 Personen. Dies ist sicher auch auf die gute Aufklärung der Bürger durch staatliche und kirchliche Stellen zurückzuführen.


Einschätzung

Das scientologische Kurssystem kann unter bestimmten Umständen gefährlich werden. Denn ihre Mitarbeiter sind bestens geschult, gerade Menschen in einer Umbruch- oder Krisensituation mit vollmundigen Erfolgsversprechen zu locken und in das kostspielige Kurssystem einzuschleusen. Durch spezielle Techniken sollen die angeblich grenzenlosen Potentiale des menschlichen Geistes verfügbar gemacht werden. Wer möchte nicht gerne Ruhm und Erfolg ernten, an Einfluss und Macht gewinnen und sogar Macht über andere erhalten?

Dass Krisen, Grenzen, Verlusterfahrungen und Scheitern zum Menschsein dazugehören und zu würdigen sind, wird im scientologischen Machbarkeitsdenken ignoriert. Gefährlich sind die Scientologen insbesondere wegen dieses Menschenbildes, das in jeder Seele nur eine zu optimierende Maschine sieht. Maschinen haben weder Rechte noch eine eigene Würde.


Dr. Michael Utsch, Januar 2007


Kritische Literatur
EZW-Kompakt-Info Scientology,
Kompakt-Info downloaden (pdf-Datei, 519 KB)

H. Hemminger, Scientology – Kult der Macht, Stuttgart 1997
Panorama der neuen Religiosität, hg. von R. Hempelmann u.a., Gütersloh 2001, 142-147
I. Hruby, Meine Ehe mit einem Scientologen, Gütersloh 2000



Zurück zum Register



Suchen