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>A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z |Buddhismus im WestenDer Buddhismus, im 5./4. Jahrhundert v. Chr. von Siddhartha Gautama, dem Buddha, in Nordindien gestiftet, ist heute mit ca. 360 Millionen Menschen eine der großen Weltreligionen. Er ist im Wesentlichen in seinen Stammländern in Süd-, Südost- und Ostasien zu Hause und hat sich zu einem sehr heterogenen religiösen Gebilde ausdifferenziert. Der Kern der Lehre des Buddha besteht in der Erkenntnis, dass das Leiden des Menschen im umfassenden Sinne durch Anhaften, Gier, Festhaltenwollen und durch die Illusion verursacht wird, die Welt sei nicht vergänglich und könne „gegriffen“ und festgehalten werden. Alles Leiden entspringt aus der Frustration dieser Gier, denn die Welt ist vergänglich und alles in ihr ist in stetem Werden und Vergehen begriffen. Diese Lehre ist im Wesentlichen eine psychologische Erkenntnisphilosophie und bedurfte keines Gottglaubens. Erst im Laufe seiner Geschichte wurde der Buddhismus zu einer Kultreligion, u.a. dadurch, dass der Buddha selbst Verehrung genoss, und dadurch, dass zahlreiche kultorientierte Religionen, insbesondere in Ostasien vom Buddhismus aufgesogen, integriert und „buddhisiert“ wurden. Im 19. Jahrhundert tritt der Buddhismus erstmals verstärkt auch im Westen in Erscheinung, in Deutschland war Arthur Schopenhauer der erste „bekennende“ Buddhist. Einsetzend mit der Mission des japanischen Zen-Buddhisten Suzuki Daisetz, dringt seit Ende des 19. Jahrhunderts der Zen-Buddhismus in die USA und auch nach Europa. Seit der umstrittene dänische Lama Ole Nydahl ab den 1970er Jahren seinen angeblich vom 16. Karmapa Lama erteilten Auftrag ausführte, den tibetischen Buddhismus nach Europa zu bringen, wurde der tibetische Buddhismus mit den großen Schulen Karma Kagyü, Gelug, Nyingma (Rigpa) im Westen und auch in Deutschland – in Konkurrenz zum Zen-Buddhismus – zur größten hier vertretenen buddhistischen Tradition. Obwohl der Buddhismus nach wie vor von den Medien als „Trendreligion“ bezeichnet wird, erlebte er seinen Boom in den 1980er und zu Beginn der 1990er Jahre, seither stagniert die Zahl „echter“ Buddhisten. Es kann von ca. 100.000 deutschen und ebenso vielen asiatischen Buddhisten in Deutschland ausgegangen werden. Auf der anderen Seite blühen esoterisierte Versionen des Buddhismus, Wellness- und para-buddhistische Ego-Kult-Angebote. Im Unterschied zum asiatischen Buddhismus, der heute fast ausschließlich als Tempelreligiosität und Ritenanbieter wahrnehmbar ist, tritt der westliche Buddhismus als Laienreligion mit deutlichem Bekenntnischarakter in Erscheinung, in deren Mittelpunkt die Meditation als zentrale Praxis steht. Die buddhistische Dachorganisation Deutsche Buddhistische Union gab sich 1985 ein Bekenntnis, das auch als Kriterium für Neuaufnahmen dienen kann. In einer Zeit, in der die sozialisatorische Prägung durch ein christliches Elternhaus nur noch selten anzutreffen ist, ist für viele Menschen das Angebot einer erkennbaren Spiritualität, die zugleich seelische Wirkungen und Wandlungsprozesse erhoffen lässt, attraktiv. Auch die Vorstellung einer Wiedergeburt, wie auch immer diese konkret zu denken sei, hat ihre Reize für viele, auch wenn die ursprüngliche buddhistische Philosophie aufgrund der Nicht-Ich-Lehre ein gespaltenes Verhältnis zur nachvollziehbaren kontinuierlichen Wiedergeburt einzelner Menschen haben sollte.
Die buddhistische Lehre geht von einem eigendynamischen Zusammenhang von Ursache und Wirkung aus: Der Mensch ist zu jedem Zeitpunkt verantwortlich für sein Ergehen, weil sein Verhalten unausweichlich Wirkungen zeitigt. Auch die Wiedergeburt ist eine Wirkung dessen, dass er den Zustand des Erwachens und der wahren Einsicht in den Charakter der Wirklichkeit noch nicht erreicht hat. Auch der Christ weiß sich an die Weisungen Gottes gebunden, ist aber stets auf die liebende Zuwendung Gottes und die Rechtfertigung trotz aller Abweichungen angewiesen – und lebt sein Leben nur einmal und (hoffentlich) in sich gerundet. Im Unterschied zum trinitarischen Gottesglauben der Christen kennen viele westliche Buddhisten keinen Gottglauben, sondern betrachten die buddhistische Philosophie als Erkenntnislehre über die Wirklichkeit und als Weg zur Selbstfindung. Der Buddhismus bietet seinen Anhängern in vielen seiner Ausrichtungen eine Lehre der erreichbaren Erkenntnis und insofern Erlösung aus sich selbst heraus, während der christliche Glaube von der Hoffnung auf Errettung durch die Gnade Gottes in Jesus Christus lebt. Prof. Dr. Ulrich Dehn, Januar 2005 Literatur Zurück zum Register |
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