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Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) in Berlin


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Im Blickpunkt

Die "neuen" evangelischen Freikirchen

Reinhard Hempelmann

In historischer Perspektive gehört die Entstehung der Freikirchen zu den Folgeerscheinungen der Reformation, wobei die Begrifflichkeit Freikirche "eigentlich nicht isoliert für sich genommen werden kann, sondern nur auf dem Hintergrund der Existenz von 'Großkirchen' zu erfassen ist".1 Im Gegenüber zu den Volkskirchen betonen sie die grundlegende Verschiedenheit von Christen- und Bürgergemeinde, die Freiwilligkeit der Mitgliedschaft und des persönlichen Bekenntnisses jedes Einzelnen, ebenso das Prinzip Freiheit der Kirche vom Staat.2 Erst seit dem 19. Jahrhundert waren die rechtlichen Rahmenbedingungen zur Ausbreitung verschiedener Freikirchen in Deutschland gegeben. Sie konnten bis heute nur begrenzte zahlenmäßige Durchbrüche erzielen, obgleich sie in ihren Grundforderungen sich immer wieder als Alternative zu den Großkirchen anboten und nicht selten durch ein intensives missionarisches Engagement in Erscheinung traten.

Die Ausdifferenzierung des Protestantismus im nachreformatorischen Mitteleuropa führte im 20. Jahrhundert  - anders als in den USA - zunächst nicht zur Entstehung neuer Konfessionen und Denominationen, sondern zu innerkirchlichen Gruppenbildungen. Erst in einer "zweiten" Pluralisierungsphase entwickeln sich gegenwärtig außerhalb und neben den etablierten kirchlichen und freikirchlichen Strukturen alternative Formen christlicher Frömmigkeit, die ihren Ausdruck in eigenständigen Gemeinden, Denominationen und Konfessionen suchen, insbesondere im evangelikalen und pentekostal-charismatischen Kontext. In der Insidersprache redet man davon, dass neuer Wein in neue Schläuche gehöre, dass neue Frömmigkeitsformen sich chancenreich nur in neuen Strukturen verwirklichen können. Dabei beruft man sich auf Grundsätze der Gemeindewachstumsbewegung (Church Growth) und deren Grundsatz, dass Gemeindegründung eine überaus effektive Missionsmethode sei. Inzwischen sind zahlreiche Versuche in diese Richtung erfolgreich gestartet worden. Etwas verspätet wird damit das nachgeholt, was in der englischsprachigen Welt bereits länger erprobt wurde. Blickt man über den deutschen Kontext hinaus, z.B. nach England, wird deutlich, dass auch die etablierten Kirchen und Freikirchen zunehmend davon ausgehen, dass die Bildung neuer, z.T. gruppenorientierter Gemeinden in gesamtkirchlicher Einbindung ein Weg sein könnte, sich neuen missionarischen und pastoralen Herausforderungen zu stellen und die Präsenz der Kirche in entkirchlichten Bereichen zu stärken. Zwischen einer auf Dauer hin gegründeten neuen Freikirche einerseits und neuen Gemeinschaftsbildungen / Gemeindegründungen andererseits ist dabei allerdings zu unterscheiden. Lesen Sie weiter in unserer Printausgabe!

Das Materialdienst-Einzelheft 6/02 ist zum Preis von € 2,50 zuzüglich Portokosten erhältlich und online bestellbar: Bestellen

Anmerkungen

1 Hubert Kirchner (Hg.), Freikirchen und konfessionelle Minderheitskirchen. Ein Handbuch. Im Auftrag  der Studienabteilung beim Bund der Evangelischen Kirchen in der DDR, Berlin 1987, 11.

2 Zum Verständnis der Freikirchen vgl. Erich Geldbach, Freikirchen - Erbe, Gestalt und Wirkung, Bensheimer Hefte 70, Göttingen 1989; vgl. ebenso Freikirchenhandbuch, Informationen - Anschriften - Berichte, hg. von der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF), Wuppertal 2000.



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Materialdienst 6/2002