Friedensgebete
Vorwort: „Ermutigung zum Friedensgebet. Liturgische Anregungen“
Bischöfin Margot Käßmann schreibt in einem Buch über die Dekade des Ökumenischen Rates der Kirchen zur Überwindung von Gewalt, für die Kirchen müsse neben aller Bildungsarbeit und inhaltlichen Arbeit im Hinblick auf den Frieden letztlich
„... die Frage von Gottesdienst und Spiritualität im Mittelpunkt stehen [...]. Gottesdienste, in denen Gott als Schöpfer allen Lebens geehrt wird, zu Gott gebetet wird, Schuld vor Gott gebracht und Versöhnung erbeten wird; lebendige Gottesdienste, in denen gefeiert wird im Vorblick auf Gottes Zukunft, in der Gott abwischen wird alle Tränen; Gottesdienste in denen Gemeinschaft erlebbar ist im gemeinsamen Abendmahl. Es wird wichtig sein, Liturgien zu entwerfen, die Raum schaffen für Klage mit Blick auf die Gewalt, die den Opfern eine Stimme geben und die doch in Hoffnung Gottes Zukunft feiern und den roten Faden der Realität der Gewaltfreiheit in Bibel und Geschichte aufzeigen.“
Das Zitat markiert eine breite Übereinstimmung, sozusagen den roten Faden der Friedensethik der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Denn der Ausgangspunkt für alles, was die Kirche tun kann, um Frieden zu schaffen und Gewalt zu überwinden, ist das Gebet für den Frieden und die lebendige Verkündigung des Evangeliums in Gottesdiensten und Andachten. In diesem Sinne kann und soll jeder christliche Gottesdienst „zum Frieden bilden“.
Die 9. Synode der EKD beschloss vor diesem Hintergrund auf ihrer 7. Tagung vom 3. bis 7. November 2002 am Timmendorfer Strand, das Kirchenamt damit zu beauftragen, eine Sammlung von vorhandenen liturgischen Material für Friedensgebete auf der Homepage der EKD im Internet einzustellen. Die Synode hatte dabei auch die konkrete Gefahr eines Angriffs der USA und anderer Staaten auf den Irak und die Gefährdung von Frieden und Sicherheit der Welt im Nahen Osten überhaupt vor Augen.
Die Bitte der Synode wird so erfüllt, dass ein Teil der vorgeschlagenen Gebete allgemeinen Charakter hat, ein anderer Teil sich aber speziell auf Irak-Krise bezieht. Nicht nur die Ortsgemeinden sind im Blick, sondern auch die Schule als eine exemplarische Form von Kasualgemeinde. Denn es ist damit zu rechnen, dass unter Schülerinnen und Schülern ein ganz besonderer Bedarf an Orientierung, Trost und Friedenshoffnung besteht, die in Gebeten, Gottesdiensten und Andachten vermittelt werden können.
Ein besonderer Dank ergeht in diesem Zusammenhang an Pastor Fritz Baltruweit von der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, der der EKD einen von ihm für die Arbeit in seiner Landeskirche erarbeiteten liturgischen Entwurf zur Verfügung gestellt hat.
Abschließend sei darauf hingewiesen, dass es sich bei den eingestellten liturgischen Formen um Ermutigungen und Anregungen handelt, die in jeweils eigener Gestaltung von den Gemeinden und Personen vor Ort verwendet, verwandelt und verantwortet werden müssen. Je nachdem, wie es die Situation vor Ort zum gegebenen Zeitpunkt erfordert.
Hannover, im Januar 2003
Oberkirchenrat Dr. Eberhard Pausch
