1. Die Verfilmungen der zehn Gebote
Die zehn Gebote sind in der Film und Fernsehgeschichte mehrfach verfilmt worden (siehe 10 Gebote im Film). In der Regel sind sie aber nur ein Detail der Moses-Geschichten. Andere Regisseure wie z. B. Kieslowskis "Dekalog" behandeln jedes einzelne Gebot in einem Fernsehspiel.
Für Kinder gab es in der Vergangenheit zu einzelnen Geboten Kurzspielfilme oder Animationsfilme. Mit der Produktion "Unsere Zehn Gebote" liegt erstmals die Komplettverfilmung in Form von Kurzspielfilmen für Kinder vor.
2. Die Umsetzung
Bei einzelnen Geboten wie z. B. Ehebruch fallen jedem relativ schnell Geschichten ein. Schwieriger ist es da schon mit dem ersten Gebot. Aber auch bei den anderen – scheinbar einfach umzusetzenden Stoffen – war es dem Kreis, der diese Serie mit Drehbuchautorinnen entwickelte wichtig, nicht die Oberfläche, sondern den Kern des jeweiligen Gebotes zu treffen.
Klar war bei der Umsetzung, dass für Kinder zwischen etwa 8 und 14 Jahren keine dokumentarisch, sondern eine fiktionale Aufbereitung notwendig war. Denn die Möglichkeit zur Identifikation mit den Darstellerinnen und Darstellern ist eine wichtige Voraussetzung für Interesse und Beteiligung.
Die Geschichten sollten aus dem Alltag der Kinder stammen und ihre Erfahrungen aufgreifen und widerspiegeln. Sie sollten mit dem Filmende nicht "zu Ende" sein, sondern eigene Fragestellungen, Antworten, Stellungnahmen veranlassen.
3. Einsatz der Filme
Im Religionsunterricht kommen die Zehn Gebote je nach Bundesland in unterschiedlichen Schulstufen vor. Vielfach werden sie erstmals in der Grundschule Klasse 3 / 4 behandelt. In der Regel kommen sie dann in Klasse 5 / 6 bzw. 7 / 8 vor. Darüber hinaus werden sie im Konfirmandenunterricht behandelt. Die Kurzfilme versuchen durch die Geschichten und das Alter der Darsteller diesem breiten Spektrum Rechnung zu tragen.
4. Methodische Vorschläge
Für die Filme der Reihe "Unsere Zehn Gebote" bieten sich vor allem Methoden der Aufarbeitung an, die das Potential der Spielfilme mit ihren Identifikationsmöglichkeiten ausschöpfen. Sie können unterstützt bzw. ergänzt werden mit den Materialien, die zu jedem Gebot zusammengestellt wurden.
Nachfolgend seien einige Methoden genannt. Ihre Anwendung richtet sich nach der Größe und Zusammensetzung der Klasse bzw. Gruppe bzw. dem Alter der SchülerInnen:
Plenumsgespräch/Gespräch mit der ganzen Klasse
Die Assoziationsmethode
Das Rollenspiel
Stummer Dialog
Nachmalen
Gruppenarbeit/ Brainstorming
Plenumsgespräch/Gespräch mit der ganzen Klasse
Die Größe einer Gruppe entscheidet darüber, wieweit sich der einzelne einbringen kann. Als ideale Gruppe gilt die Zahl von etwa zwölf Personen. Der Nachteil von einer Gruppe mit 20 oder mehr Personen besteht darin, dass meist einige "Dauerredner" das Thema bestimmen, während der größere Teil der Klasse schweigt. Appelle an die "Schweiger" sind nicht nur meist erfolglos, sondern verunsichern diese in der Regel noch mehr. Nach dem Vorführen eines AV-Mediums sollte zunächst etwas Zeit gelassen werden; spontane Reaktionen aufkommen lassen und Fragen sammeln. Kommen keine spontanen Äußerungen, sind vorsichtige Impulse zu geben. Nicht fragen "Was bedeutet dieser Film?", sondern eher "Was sagt uns dieser Film?" oder "Was fandet ihr interessant?"
Die Äußerungen und Fragen der Schüler sollten in einem zweiten Durchgang strukturiert und gebündelt werden. Wichtige Gesprächsergebnisse sollten zudem visualisiert werden mittels Tafelanschrieb oder Overheadprojektor. Vorteil: Der jeweilige Gesprächsstand wird allen Gruppenmitgliedern/Schülern ständig vor Augen geführt; Wiederholungen bereits bekannter Argumentationen können so vermieden werden.
Die Assoziationsmethode
Sie ist angezeigt für Gruppen bzw. Schulunterricht (Doppelstunde). Diese Methode ist vor allem geeignet, sehr intensiv über subjektive Filmerlebnisse zu sprechen und die individuellen Hintergründe des Erlebens aufzuzeigen. Sie vollzieht sich in drei Stufen: Nach der Vorführung des Films schreibt jeder auf ein Blatt, was ihm zu diesem Film einfällt. Er assoziiert fünf bis zehn Minuten frei und schreibt diese Gedanken nieder. Jeder liest seine Assoziation vor. Beim Vorlesen der Assoziationen machen sich die anderen Gesprächsteilnehmer Notizen, zu welchen Assoziationen sie Fragen stellen wollen. Das Gespräch verläuft in der Form, dass die Assoziationen der einzelnen hinterfragt werden. Dabei hat es sich als günstig erwiesen, die Assoziationen einer Person hintereinander zu besprechen und erst dann zum nächsten Gesprächsteilnehmer überzugehen Vielen Schülern fehlt es schwer, zu assoziieren. Stattdessen schreiben sie vermehrt Fragen auf, die bei ihnen der Film aufwarf. Aber auch diese Fragen können sinnvoller Gegenstand eines Gesprächs sein.
Die Vorteile der Methode sind:
Die Besprechung geht in der Regel sehr tief.
Die Unterschiedlichkeit des Erlebten wird deutlich.
Jeder wird mit seinen Assoziationen Gegenstand des Gesprächs der Gruppe. Die Nachteile:
Nur anwendbar in Gruppen/Klassen, die sich gut kennen und in denen ein Klima des gegenseitigen Vertrauens und Akzeptierens herrscht.
Nur bei einer Gruppe von maximal zwölf Personen anwendbar
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Das Rollenspiel
Die Methode des Rollenspiels eignet sich gut bei Kindern in der Grundschule und in Klasse 5/6... Rollenspiele sind interessant, bei Filmen, die offen enden. Ansonsten bietet es sich an, den Film an einem Höhepunkt der Handlung abzubrechen. Es hat sich gezeigt, dass diese Methode nur dort gut anwendbar ist, wo Gruppen Spaß am Rollenspiel haben. Ein auch nur geringfügiger Zwang steht der Methode entgegen. Bei dieser Methode ist weiter hin zu beachten, dass das Abbrechen des AV-Mediums an einem Höhepunkt z. T. bei den Teilnehmern Widerstände auslöst. Diese sind - vor allem vom Fernsehen - gewohnt, "komplette" Filme zu sehen. Es sollte nach Beendigung des Rollenspiels der Gruppe überlassen werden, ob sie die Lösung des Mediums noch sehen will oder nicht.
Nachmalen
Nach dem Ende des Films malen Grundschulkinder ein Bild. Bei älteren Schülern (z. B. Klasse 5/6) wird eher um das Malen einer Bildergeschichte (vier bis sechs Bilder) gehen. Dadurch lässt sich schnell erkennen, was Schüler als Höhepunkt der Handlung empfinden bzw. was sie nicht verstanden haben. Gleichzeitig wird durch die Eigenkreativität eine bestimmte Distanz zum Medienkonsum geschaffen.
Gruppenarbeit/Brainstorming
Diese aus dem angelsächsischen Raum stammende Methode will den einzelnen stärker engagieren. An Stelle des Plenums tritt die Kleingruppe. Im Anschluss an den Film wird das Plenum (Klasse) in Kleingruppen zu nicht mehr als sechs Personenaufgeteilt (Abzählmethode!). Die Kleingruppen sollen nun zunächst in Form eines Brainstormings (Gedankensturm) spontan Fragestellungen zum AV-Medium äußern. Diese werden ohne Wertung hintereinander von einem Gruppenmitglied notiert. Nach cirka fünf bis sieben Minuten wird das Brainstorming abgebrochen.
Die Gruppe wählt nun aus den genannten Fragen eine aus, die sie zur Einstiegfrage/Leitfrage bei der Behandlung des Films machen will. Für die Bearbeitung der Fragestellung sollten zwischen 30 und 45 Minuten Zeit zur Verfügung stehen. Danach treffen sich alle Kleingruppen wieder im Plenum und tauschen die Gruppenergebnisse aus. Günstig ist, wenn jede Gruppe ihre Gesprächsergebnisse stichwortartig auf Rückseiten von Plakaten oder auf Tapetenrollen bzw. Overheadfolien aufschreibt, damit die Ergebnisse den anderen Gruppen auch optisch präsentiert werden können. Aus jeder Gruppe trägt ein Gruppenmitglied die Gesprächsergebnisse kurz vor. Die anderen Gruppen können Verständnisfragen stellen. Eine erneute inhaltliche Diskussion hat sich als nicht sinnvoll erwiesen. Gegebenenfalls kann am Schluss nochmals das AV-Medium vorgeführt werden. Als Alternative denkbar wäre, nach dem Brainstorming und der Festlegung auf eine Frage nochmals im Plenum zusammenzukommen, um den Wechsel von Gruppenmitgliedern zu ermöglichen, die sich mit der mehrheitlich gefundenen Fragestellung ihrer Gruppe nicht identifizieren können.
Die Vorteile der Methode:
- alle Gruppenmitglieder sind beteiligt
- die Vielfalt von Ideen und Gedanken kann zum Tragen kommen
- die individuelle Sehweise des Films wird nicht durch die gezielte Fragestellung eines Lehrers/ Lehrerin gestört
Stummer Dialog
Wesen dieser Methode mit der widersprüchlichen Bezeichnung ist die Kommunikation an einer Tafel oder Wandzeitung, ohne dass gesprochen werden darf. Sie eignet sich besonders für solche Medien, die starke Betroffenheit hervorrufen und eine innere Verarbeitungsphase der Zuschauer benötigen.
5. Die Zusatzmaterialien
Es gibt für alle Gebote - je nach Verwendungszweck bzw. Schulstufe - eine Anzahl von Zusatzmaterialien ( z.B. Weiterführende Informationen, den Text des Kleinen und Großen Katechismus von Luther, Geschichten zum Vorlesen, zum Ausdrucken, Lieder, Arbeitsblätter, Rätsel, Standfotos aus den Filmen, Fotos vom Sinai). Diese können zur Vertiefung des jeweiligen Gebotes genutzt werden. Sie können z.T. herunter geladen und ausgedruckt werden wie z.B. die Rätsel oder Schülerarbeitsblätter.

