Glaubens-ABC

Kirchentag

Als der erste Deutsche Evangelische Kirchentag vom 28. Juli bis 1. August 1949 in Hannover stattfand - damals noch „Deutsche Evangelische Woche“ genannt - wurde dieses Unternehmen von der evangelischen Kirche mit Argwohn betrachtet. Der Erfinder des Kirchentages, Reinold von Thadden-Trieglaff (1892-1976), entwickelte die Idee für Treffen dieser Art in russischer Kriegsgefangenschaft am sibirischen Eismeer. Dort kam ihm der Gedanke, eine Bewegung zur Sammlung evangelischer Christen im innerlich und äußerlich zerstörten Nachkriegsdeutschland ins Leben zu rufen. „Ich denke ... in keiner Weise daran, eine Laien-Revolte zu organisieren, um damit später eine so genannte Machtergreifung des Laientums“ in der Kirche vorzubereiten“, musste er noch 1950 seine Initiative verteidigen. Inzwischen ist der alle zwei Jahre stattfindende Kirchentag zu einer Institution geworden, der vielfältige Impulse gesetzt hat. „Der Deutsche Evangelische Kirchentag will Menschen zusammenführen, die nach dem christlichen Glauben fragen. Er will evangelische Christen sammeln und im Glauben stärken. Er will zur Verantwortung in der Kirche ermutigen, zu Zeugnis und Dienst in der Welt befähigen und zur Gemeinschaft der weltweiten Christenheit beitragen.“ So sagt es die Präambel zu seiner Ordnung in der heutigen Fassung, die 1991, nach der Vereinigung der Kirchentagsarbeit in Ost und West, verabschiedet wurde. Das Interesse an der Kirchentagsarbeit war über die Jahre unterschiedlich ausgeprägt. Seit Anfang der achtziger Jahre fand jedoch kein Kirchentag mehr mit weniger als 100.000 Dauerteilnehmern - in der Mehrzahl junge Menschen - statt.

Unter den Begriffen, mit denen man das Besondere der Kirchentage zu erfassen versuchte, hält sich am stärksten die Beschreibung als „evangelische Zeitansage“, die er dem langjährigen Generalsekretär Hans Hermann Walz verdankt. Ihr ursprünglichstes Kennzeichen ist ein Verständnis des christlichen Glaubens, das Frömmigkeit und Weltverantwortung miteinander verbindet. Die Geschäftsstelle des Kirchentages hat ihren Sitz in Fulda. Auf katholischer Seite gibt es seit 1848 so genannte Katholikentage. 2003 findet erstmals ein gemeinsamer Ökumenischer Kirchentag statt.



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