Glaubens-ABC
Mensch
Was ist der Mensch? Diese harmlos klingende Frage hat es in sich. Der Philosoph Immanuel Kant hat sie als vierte und wichtigste Grundfrage bezeichnet. Ihr gehen voraus: Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Die Bibel betrachtet den Menschen aus unterschiedlichen Blickwinkeln. In 1. Mose 2 und 3 wird der Mensch von Gott erschaffen als Mann und Frau. Sie leben in einem Garten und sind versorgt. Der Mensch befindet sich im Paradies. Er wird jedoch vertrieben, als er sich über Gottes Gebot hinwegsetzt und sein will wie Gott selbst. In 1. Mose l, der Schöpfungserzählung aus späterer Zeit, schafft Gott den Menschen "zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn" (1,27). Unter Gottesebenbildlichkeit ist zu verstehen, dass der Mensch als Partner Gottes fungiert, eine eigene Würde hat und für die Schöpfung mit verantwortlich ist. Doch auch hier kommt es zum Missklang: "Als aber der Herr sah, dass der Menschen Bosheit groß war auf Erden und alles Dichten und Trachten ihres Herzens nur böse war immerdar, da reute es ihn, dass er die Menschen gemacht hatte auf Erden, und es bekümmerte ihn in seinem Herzen, und er sprach: Ich will die Menschen die ich geschaffen habe, vertilgen von der Erde, vom Menschen an bis hin zum Vieh und bis zum Gewürm und bis hin zu den Vögeln unter dem Himmel; denn es reut mich, dass ich sie gemacht habe." (1. Mose 6,5-7)
Was der Mensch ist, hat er Gott zu verdanken, ansonsten ist er ein Nichts. Dies kommt in Psalm 8,5f. zum Ausdruck: "Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst? Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott, mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt." Der Mensch ist Gottes Geschöpf und sein Ebenbild. Er verfehlt aber seine Bestimmung immer wieder. Er ist Sünder, wie es die Bibel in ihrer Sprache ausdrückt. Der Mensch ist offenbar zu beidem fähig: Gutes zu vollbringen und zerstörerisch zu wirken. Das christliche Menschenbild hat eine realistische Sicht. Es widerspricht allen Überlegungen, der Mensch könne - womöglich sogar durch die Medizin - optimiert werden. Den Zwiespalt, in dem sich der Mensch befindet, hat Paulus so beschrieben: "Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht. Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, tue ich." (Römer 7,18f.) Die Folge der Sünde ist der Tod (Römer 6,23) - gemeint ist das Scheitern jeglichen Lebens schlechthin.
Doch Gott ist barmherzig: Auf die Sintfluterzählung folgt das Versprechen Gottes: "Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen; denn das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf ... So lange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht." (1. Mose 8,21f.) Dass der Mensch die Bestimmung seines Lebens verfehlt, ist nicht das letzte Wort. Gott gewährt in der Auferweckung einen neuen Anfang - als Geschenk, nicht als Folge menschlicher Leistung.
