Glaubens-ABC

Sakrament

In dem lateinischen Wort Sacramentum steckt "sacrare" (weihen, heiligen). Es ist die Übersetzung von "Mysterion" (griech.: Geheimnis, geheimnisvoller Vorgang) ins Lateinische. Im "Deutschen Wörterbuch" von Jacob und Wilhelm Grimm heißt es, "Sakrament" sei noch im 15. Jahrhundert als fremd empfunden worden. Der Grund dafür ist nicht zuletzt auch darin zu sehen, dass dort, wo im Neuen Testament von "Mysterion" die Rede ist (Römer 16,25; Epheser 1,9; 3,9; 5,32), man überhaupt keinen Bezug zu den Sakramenten Taufe und Abendmahl herstellen kann.

Dabei übersteigt der christliche Sinngehalt die klassische antike Bedeutung des Begriffs (Eid, Fahneneid, Militäreid, aber auch Strafsumme, Kaution). Möglicherweise wurde in der frühen Christenheit auf eine Verbindung von "Mysterium" mit Taufe und Abendmahl auch deshalb verzichtet, um sich von den antiken Mysterienkulten abzusetzen. Sakramente sind eben keine magischen Handlungen, mit denen man sich der Gunst Gottes versichern könnte. Glauben und Vertrauen als Lebenshaltung können nicht durch Magie und Zauberei ersetzt werden.

Die evangelische Kirche spricht nur bei Taufe und Abendmahl von einem Sakrament. Demgegenüber bezeichnen die römisch-katholische und die anglikanische Kirche sowie die orthodoxen Kirchen auch Buße (Beichte), Firmung, Krankensalbung ("letzte Ölung"), Ehe und Ordination (Weihe der Diakone, Priester und Bischöfe) als Sakramente. Philipp Melanchthon (1497-1560), der engste Wegbegleiter Martin Luthers, hat Sakramente als "Riten" bezeichnet, "die ein Gebot Gottes haben und denen eine Verheißung der Gnade beigefügt ist". Es ist bei Sakramenten also an bestimmte kirchliche Handlungen (Riten) zu denken, wobei sich die Frage stellt, warum nur bestimmte Handlungen als "Sakramente" gelten. Der Definition Melanchthons folgend ist ein Sakrament eine symbolisch-rituelle Handlung aus Glauben, die sich auf einen Akt der Stiftung zurückführen lässt und bei den Empfängern Heil (Gnade) wirkt. Sakramente sind Zeichen, durch die Gott mit den Menschen in Verbindung tritt. Bei der Taufe geschieht dies durch Wasser, was auf einen Reinigungsvorgang hinweist, beim Abendmahl ist es Essen (Brot) und Trinken (Wein). Der Sinn dieser Handlungen liegt nicht in der ursprünglichen Bedeutung - bei der Taufe sich zu reinigen, beim Abendmahl satt zu werden -, sondern diese Vorgänge weisen über sich hinaus.

Ihr Zweck besteht darin, in besonderer Weise die Gemeinschaft der Glaubenden mit Gott zu betonen. So ist die Taufe der Akt der Aufnahme in die Gemeinde Jesu Christi, das Abendmahl die Feier, für Jesu Tod und Auferweckung zu danken, es als Gemeinschafts- und Versöhnungsmahl in der Beziehung zu Gott und zu den Mitmenschen zu verstehen. Sakramente sind also nichts anderes als Riten, zeichenhafte Handlungen mit deutenden Worten, durch die die Glaubenden ihre Zugehörigkeit zu Jesus Christus verbindlich zum Ausdruck bringen.