Glaubens-ABC
Widerstand
Dürfen Christen Widerstand leisten, gar gewalttätig sein? Im Neuen Testament wird Jesus mit den Worten zitiert: „Gebt des Kaisers, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!“ (Markus 12,13ff.) Und Paulus betont in Römer 13,1: „Jedermann sei Untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat.“ In der frühen Christenheit ist nicht zum Widerstand gegen den römischen Staat aufgerufen worden. Wohl aber haben sich Christen widersetzt und keinen Militärdienst geleistet. Sie haben sich auch der Aufforderung entgegengestellt, den römischen Kaiser als Gott zu verehren. Dafür starben in zahlreichen Christenverfolgungen viele Gläubige den Märtyrertod. Nachdem das Christentum zur Staatsreligion wurde, galten zwei Formen des Widerstands als durchaus legitim: Die eine ist in der Lehre vom „gerechten Krieg“ (zur Verteidigung) beschrieben worden, die andere in der Lehre vom Tyrannenmord (was im Dritten Reich eine Gruppe von Offizieren am 20. Juli 1944 zu einem Attentat auf Adolf Hitler veranlasste). In den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts entwickelte sich in Lateinamerika die so genannte Befreiungstheologie, in der auch Formen des gewaltsamen Widerstands diskutiert wurden.
