Zusammenleben mit Muslimen in Deutschland

Eine Handreichung des Rates der EKD, 2000

Literaturempfehlungen

1. Stellungnahmen aus dem kirchlichen Bereich

Religionen, Religiosität und christlicher Glaube. Eine Studie, hrsg. im Auftrag der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands und der Arnoldshainer Konferenz, Gütersloh 19933
Diese Studie nimmt die Beziehungen zwischen dem christlichen Glauben und den anderen Weltreligionen auf der Basis des Bekenntnisses zum dreieinen Gott in den Blick. Zum Welthandeln dieses Gottes gehören auch die Religionen. Daher bestimmt sie das Verhältnis der Christen zu den Religionen mit den drei Stichworten: Mission, Dialog und Zusammenleben.

Christen und Muslime in Deutschland. Eine pastorale Handreichung, hrsg. vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, Bonn 1993
Ausgehend von Beschlüssen des II. Vatikanischen Konzils entfaltet die Handreichung Konsequenzen für das praktische Zusammenleben von römisch-katholischen Christen und Muslimen in Deutschland. Sie informiert sehr klar und gibt Ratschläge für zahlreiche Einzelfragen. Dabei folgt sie konsequent dem römisch-katholischen Dialogkonzept, das Gottes Heilswillen und Heilsplan für alle Menschen voraussetzt. Sie kann deshalb bei den Gemeinsamkeiten beginnen, gleichzeitig aber auch die Unterschiede im Glauben klar benennen. Zur Zeit ist eine Überarbeitung der Handreichung im Gange.

Christlicher Glaube und Islam. Erklärung der Lausanner Bewegung, Deutscher Zweig, Stuttgart 1997
Eine Stellungnahme der evangelikalen Kreise: Sie betont vor allem die Unterschiede zwischen christlichem Glauben und Islam. Sie empfiehlt eine Missionierung der Muslime, aber jenseits von "Überlegenheitsdenken" und "Unterdrückung".

Christen und Muslime nebeneinander vor dem einen Gott. Zur Frage gemeinsamen Betens. Eine Orientierungshilfe, hrsg. von der Evangelischen Kirche im Rheinland, Düsseldorf 1998
Die "Orientierungshilfe" der Evangelischen Kirche im Rheinland stellt Ähnlichkeiten und Verschiedenheiten im Gottesverständnis von Muslimen und Christen dar. Sie sagt von daher, dass beide - mit den Juden - vor demselben Gott stehen; aber ihr Gottesverständnis sei von ihren Gotteserfahrungen her so verschieden, dass ein gemeinsamer Gottesdienst nur in der Gestalt der stillen Teilnahme der einen am Gottesdienst der anderen möglich sei.

2. Einführung in den Islam

Annemarie Schimmel, Der Islam. Eine Einführung. Reclam 8639, Stuttgart 1990
Das Reclamheft ist als knappe Erstinformation zur Geschichte und zum Wesen des Islam geeignet. Es zeichnet sich aus durch das Bemühen, den Islam von innen heraus zu verstehen. Es wird nachvollziehbar, dass die völlige Hingabe an den einen Gott, insbesondere im Gebet, zu einem Leben und einer Gesellschaftsgestaltung mit Sinn für Maß und das Zuträgliche führen kann. Der Islam als eine im Wesen menschenfreundliche Religion wird stark gemacht gegen Missdeutung und verfehlte Praxis.

Was jeder vom Islam wissen muss, hrsg. vom Lutherischen Kirchenamt der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands und vom Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland, Gütersloh 19965
Aus einer Faltblattserie entstanden hat sich dieses Taschenbuch bereits in fünfter Auflage als Standardwerk der kurzgefassten Information erwiesen. Kurze Artikel zu den Themenbereichen "Islam - Glauben und Leben", "Islam - Geschichte und Gegenwart", "Islam und Christentum" sowie "Islam - eine christliche Würdigung" bieten aktuelle, solide Kenntnisse, begleitet von Dokumentationstexten und einem hilfreichen Anhang.

Werner Ende und Udo Steinbach (Hrsg.), Der Islam in der Gegenwart, München 19964
Umfangreiches Standardwerk, in dem aus der Feder kompetenter Spezialisten das Thema "Islam" in seinen vielfältigen Dimensionen beschrieben wird: in historischen Überblicken (z.B. "Grundzüge der islamischen Theologie und der Geschichte des islamischen Raumes"), thematischen Querschnitten (z.B. "Islamische Architektur") und der Analyse von ausgewählten Problemfeldern (z.B. "Militant-islamische Gruppen"), insbesondere aber in einer Vielzahl einzelner Artikel über die Stellung des Islam und des islamischen Rechts in ausgewählten Staaten.

Eberhard Troeger, Kreuz und Halbmond. Was Christen vom Islam wissen sollten, Wuppertal 1996
Aus betont bibeltheologischer Perspektive stellt E. Troeger den Islam dar, ohne eine "abgerundete, sachlich-neutrale Darstellung des Islam, seiner Geschichte und seiner Probleme geben" zu wollen. Er geht davon aus, dass sowohl kritische Theologen als auch muslimische Leser Schwierigkeiten mit seiner Darstellung haben. Die bewusst kritische Darstellung des Islam im Licht des Evangeliums möchte der Autor trennen von einer positiven Begegnung mit muslimischen Menschen.

Peter Antes, Der Islam als politischer Faktor, Hannover 1997
Kompetente, allgemeinverständliche und konzentrierte Behandlung von Themen wie "Fundamentalismus", Extremismus, Verhältnis von Religion und Politik im Islam etc. Erhältlich bei der Niedersächsischen Landeszentrale für politische Bildung und anderen Landeszentralen.

Martin Forward, Mohammed - der Prophet des Islam. Sein Leben und seine Wirkung, Freiburg 1998
Darstellung des Lebens Mohammeds im Kontext seiner Gesellschaft, wobei über die Biographie des Propheten hinaus seine Bedeutung für den Islam bis in die Gegenwart hinein nachgezeichnet und am Beispiel aktueller Themen (Dschihad, Stellung der Frau, Verhältnis zu anderen Religionen ...) verdeutlicht wird.

Hartmut Bobzin, Der Koran - Eine Einführung, München 1999
Erläuterung von Aufbau und sprachlicher wie literarischer Form des Koran, theologischen Grundlehren, Überlieferungsgeschichte und Bedeutung für das Gesetz. Ermöglicht einen ersten Zugang zum Koran, der ? zumal für Nichtmuslime ? durch die bloße Lektüre nicht leicht zu erschließen ist.

3. Literatur zum Dialog

Johann-Dieterich Thyen, Bibel und Koran. Eine Synopse gemeinsamer Überlieferungen, Köln 19932
Die Synopse bietet eine Zusammenstellung biblischer und koranischer Überlieferungen, die durch Texte der apokryphen Evangelien und der jüdischen Auslegung ergänzt werden. Die relevanten koranischen Textabschnitte sind themenbezogen geordnet. Ausführliche Kommentierungen, Querverweise und Worterklärungen finden sich in den Anmerkungen. Ein umfassendes Stellenregister und ein Index lassen sich als Konkordanz verwenden. Die Themenreihung entspricht der der christlichen Leserschaft vertrauten heilsgeschichtlichen Abfolge der Bibel. Auch dies macht das Buch zu einem leicht zugänglichen und äußerst hilfreichen Nachschlagewerk für das textbezogene Gespräch zwischen Christen und Muslimen.

Theo Sundermeier, Den Fremden verstehen. Eine praktische Hermeneutik, Göttingen 1996
Ein Aspekt des Dialogs ist das Umgehen mit dem Fremden. Im theoretischen Teil werden in diesem Taschenbuch ethnologische, kunstgeschichtliche, philosophische und kommunikationstheoretische Perspektiven erörtert. Im praktischen Teil werden religionsgeschichtliche Perspektiven, hermeneutische Stufen und theologische Perspektiven behandelt. Für Sundermeier geht es vor allem darum, das Differente verstehen zu lehren, ohne es zu vereinnahmen.

Reinhard Leuze, Christentum und Islam. Tübingen 1994
R. Leuze ist der erste evangelische Vertreter des Faches Systematische Theologie in Deutschland, der sich intensiv mit dem Islam auseinandersetzt, für die Anerkennung Mohammeds als Propheten seitens der Christen plädiert und dafür eintritt, "die Ausgrenzung des Islam aus der Heilsgeschichte zu beenden" (S.55).

Ralf Geisler, Das Eigene als Fremdes. Chancen und Bedingungen des christlich-islamischen Dialogs, Hannover 1997
Auf dem Hintergrund langjähriger Erfahrungen im Gespräch mit türkischen Imamen reflektiert R. Geisler die klassischen Themenfelder christlich-islamischer Begegnung. Er macht auf die Asymmetrien der Dialogsituationen aufmerksam und schärft so das Problembewusstsein für christliches Nachdenken. Dabei wird die bleibende islamische Präsenz als Herausforderung für die Theologie der Christen und ihrer Kirchen verstanden, den eigenen Glauben lernfähig zu halten und zu verantworten - jenseits von Ausgrenzung und Vereinnahmung. Das Buch ist ein praxisorientierter Anstoß, sich selbst auf das notwendige Gespräch einzulassen.

Hans-Christoph Goßmann, Kleines ABC des Islam, Stuttgart 1999
Behandelt von "Arabisch" über "Dschihad", "Jerusalem", "Propheten", "Wallfahrt" etc. bis "Zakat" in alphabetischer Reihenfolge wichtige Begriffe und erläutert sie im Kontext des christlich-islamischen Gesprächs, wobei insbesondere Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Verständnis der beiden Religionen beleuchtet werden.

Jutta Sperber, Dialog mit dem Islam, Göttingen 1999
Aus einer Dissertation über die christlich-muslimischen Dialoge des Ökumenischen Rates der Kirchen entstand dieses kleine (80 S.) Bändchen mit einleitenden kurzen Ausführungen zur Lehre des Islam und ausführlicherer Besprechung der im Dialog gemachten Erfahrungen. Dabei geht es sowohl um strukturelle und methodische Fragen als auch um Schwerpunktthemen des Dialogs.

Annemarie Schimmel, Im Namen Allahs, des Allmächtigen. Der Islam, dtv, München 1999
Wie in einem Katechismus werden Fragen gestellt und beantwortet. Christian und Maria, beide erfunden, fragen mit großer Arglosigkeit und tiefsitzenden westlichen Vorurteilsstrukturen. A. Schimmel antwortet kenntnisreich und mit freundlicher Geduld.

4. Literatur zum Zusammenleben

Hans-Christoph Goßmann (Hrsg.), Zwischen Kirche und Moschee: Muslime in der kirchlichen Arbeit, Hamburg 1994
Kleiner Sammelband von Beiträgen, in denen durchweg Fragen aus der Praxis der interreligiösen Begegnung in ganz konkreten Arbeitsfeldern dargestellt und reflektiert werden - von Themen wie "Muslimische Kinder im evangelischen Kindergarten" über "Interreligiöses Lernen im Konfirmandenunterricht" bis hin zu "Christliche Krankenhausseelsorge an muslimischen Patienten" und "Muslimische Seeleute in der christlichen Seemannsmission".

Rita Breuer, Familienleben im Islam, Freiburg 1998
Das sehr empfehlenswerte Sachbuch, das trotz einer Fülle differenzierter Informationen gut lesbar ist, befasst sich mit Rechtsbedingungen und der Praxis islamischen Familienlebens. Die einzelnen Kapitel (Eheschließung, Ehe und Familiengründung, Geburt und Kindheit, Jugend und Erwachsenwerden, Scheidung, Familie im Kontext, Familie zwischen Tradition und Moderne, Familie in der Fremde) beschäftigen sich vornehmlich mit dem Ehe- und Familienrecht in "islamischen Ländern". Die besondere Problematik religionsverschiedener Ehen sowie die besonderen Bedingungen in der europäischen Diaspora werden in einem letzten Abschnitt bedacht.

Christlich-muslimische Ehen und Familien, Frankfurt/M. 1998
Diese aktuelle und stark an der Praxis religionsverschiedener Ehen interessierte Veröffentlichung (96 S.) lässt in einem 1. Teil christlich-muslimische Paare mit ihren Erfahrungen zu Wort kommen. Es folgen Ausführungen über gesellschaftliche und kulturelle Fragestellungen, in deren Spannungsfeld sich eine solche Ehe bewegt. Ein kurzer Überblick über wichtige Rechtsfragen wird ergänzt durch Hinweise auf Beratungsstellen, Adressen, Literaturempfehlungen. Das vom Bundesverwaltungsamt erstellte Formular eines notariellen Zusatzvertrages zum islamischen Ehevertrag ist erfreulicherweise abgedruckt und zeigt die Möglichkeiten und Themen bestmöglicher sachkundiger und rechtlicher Absicherung im Vorfeld einer Eheschließung.

Elke Kuhn, Gott in vielen Namen feiern. Interreligiöse Schulfeiern mit christlichen und islamischen Schülerinnen und Schülern, Gütersloh 1998
E. Kuhn hat als Pastorin die Erfahrung gemacht, dass die traditionellen Schulgottesdienste für das gemeinsame Zusammenleben und Lernen von christlichen und muslimischen Schülern ein Problem sind. Es fehlten Ideen und Entwürfe für das gemeinsame Feiern. Das Buch füllt diese Lücke. Es reflektiert das gemeinsame Leben und Feiern mit all seinen Chancen und Schwierigkeiten und bietet eine Fülle von ausführlichen Entwürfen für gemeinsame Schulgottesdienste. Für alle Schulformen und die unterschiedlichen Anlässe finden sich hier gut ausgearbeitete Vorschläge.

Thomas Lemmen, Türkisch-islamische Organisationen in Deutschland. Eine Handreichung, CIS Verlag, Altenberge 1998
Eine sachkundige Orientierungshilfe für eine verwirrende Szenerie. Die Ursachen für gängige Missverständnisse werden aufgezeigt, die Proportionen zurechtgerückt. Th. Lemmen typisiert zunächst die unterschiedlichen Organisationsstrukturen, um dann im einzelnen zu informieren. Da wir mit einem dynamischen Prozess rechnen müssen, der vom Verständnis der Mehrheitsgesellschaft mitgestaltet wird, ist sein Bemühen um größere Transparenz ein wichtiger Beitrag zur Integration der muslimischen Minderheit.

Ursula Spuler-Stegemann, Muslime in Deutschland - Nebeneinander oder Miteinander?, Freiburg 1998
Umfassende Darstellung islamischer Präsenz in Deutschland: Geschichte und Organisationsstrukturen des Islam werden in ihrer ganzen Vielfalt ebenso beschrieben wie praktische Probleme in einem säkularen Umfeld, aber auch ganz spezielle, kontroverse Themen wie Frauenfragen, Probleme mit der Staatsbürgerschaft, Verhältnis zu den Kirchen etc. Kann aufgrund seiner organischen Verbindung von Hintergrundinformationen und kritischer Behandlung aktueller Fragen als Standardwerk zum Thema gelten.

Muslimische Frauen in Deutschland erzählen über ihren Glauben, hrsg. vom Senator für Arbeit, Frauen, Gesundheit, Jugend und Soziales der Freien Hansestadt Bremen und der Bremischen Evangelischen Kirche, Gütersloh 1999
Ein "Lesebuch" mit elf Interviews - es sind muslimische Frauen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft, dazu zwei Alevitinnen, die erzählen. Sie geben einen Einblick in aktuelle Konfliktlagen und einen Eindruck von der Vielfalt, Eigenständigkeit und emanzipatorischen Kraft ihrer religiösen Orientierung.

Thomas Lemmen, Muslimische Spitzenorganisationen in Deutschland: Der Islamrat und der Zentralrat, CIS-Verlag, Altenberge 1999
In einer zweiten Studie stellt Th. Lemmen die beiden Spitzenorganisationen Islamrat und Zentralrat dar. Deren Entstehungsgeschichte, Zielsetzung, Organisations- und Mitgliederstruktur werden vorgestellt. Er hält sich mit seiner eigenen Bewertung der Situation zurück und zeigt verhalten optimistisch Perspektiven für eine künftige Entwicklung auf.

Arbeitsgruppe Islam/Interreligiöser Dialog der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (Hrsg), Erste Schritte wagen. Eine Handreichung für die Begegnung von Kirchengemeinden mit ihren muslimischen Nachbarn, München 2000
Ein vielfältiges Heft: Lebendige Praxisberichte, Erstinformationen und Anregungen werden in ansprechender Form dargeboten. Direkt praxisorientiert mit Diskussionsimpulsen am Rand will es zu eigenen Schritten ermutigen.