Achtsamkeit

Spiritualität

Junge Frau lesend auf einer Wiese am Wasser. (Foto epd)

Die Welt ist komplizierter geworden. Überschwemmt von einer Fülle an Informationen und Reizen. Das verwirrt und zerstreut.

Selbstverständliche Lebensäußerungen nehmen Schaden. So stellt sich die Frage, was dem Leben Halt, Tiefe, Richtung und Ziel geben kann. Sinn im Alltag zu finden, sich nicht mit der Oberfläche zu begnügen, das meint Spiritualität. Spirituell zu leben, ist eine faszinierende Einladung: die Hast zu unterbrechen, innezuhalten in der Hektik, die Eile gegen die Gelassenheit einzutauschen. Bewusst das Leben auszukosten. Hier und jetzt. Die Betrachtungen über ein paar Kernworte zwischen Achtsamkeit und Zufall wollen in den kommenden Monaten dazu Lust machen.

Am Anfang also Achtsamkeit. Im Alten Testament, beim Propheten Micha, findet sich ein sensibler Vers: „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist, nämlich Liebe üben und aufmerksam mitgehen mit deinem Gott.“ Der Satz lässt sich erden. Und dann gelten die Aufmerksamkeit, die Achtsamkeit, die Sorgfalt der Erde und ihren Geschöpfen, den Menschen und den Dingen, dem Partner und – nicht zuletzt – mir selbst. Denn dann merke ich, dass ich lebe. Und nicht gelebt werde.

Für Bernardin Schellenberger, den ehemaligen Trappistenmönch und heutigen Schriftsteller, ist Achtsamkeit die Fähigkeit, mit vollem, ungeteiltem Bewusstsein bei einem Eindruck oder einer Begegnung gegenwärtig zu sein. Und nicht mit dem Kopf schon wieder woanders. Was auch heißt, das, was gerade zu tun ist, mit Respekt vor den Wesen und Dingen zu verrichten. Denn Achtsamkeit hat mit Achtung und Wertschätzung zu tun. Sie beeinflusst die Qualität des Zusammenseins. Was vor allem an der Unachtsamkeit deutlich wird.

Anselm Grün, Verwalter der Benediktinerabtei Münsterschwarzach, erzählt von einem Zen-Mönch, der einmal gefragt wurde, welche Praxis seiner geistlich-religiösen Übungen er pflege. Er antwortete: „Wenn ich esse, dann esse ich. Wenn ich sitze, dann sitze ich. Wenn ich stehe, dann stehe ich. Wenn ich gehe, dann gehe ich.“ Darauf der Frager: „Das ist doch nichts Besonderes. Das tun doch alle. Da meinte der Mönch: „Nein, wenn du sitzt, dann stehst du schon. Und wenn du stehst, dann bist du schon auf dem Weg.“

Auf Anwesenheit kommt es also an. Sie schließt die Bereitschaft ein, aufgeschlossen und unvoreingenommen mitzudenken, mitzuentscheiden, mitzuhoffen und mitzuleiden, wo immer gedacht, entschieden, gehofft und gelitten wird. Auf jene Fantasie auch, die unerschöpflich nach neuen Wegen sucht. Auf jene Frömmigkeit, die die Spirale der Verdrossenheit durchtrennt, die den Kampf um Frieden und Gerechtigkeit nicht aufgibt, die „Hoffnungen zusammenführt und niemanden aufgibt“ (Heinrich Albertz).

Von dem Objektkünstler und Aktionisten Joseph Beuys stammt der Satz, dem inzwischen schon Flügel wuchsen: „Das Mysterium findet auf dem Hauptbahnhof statt.“ Im Vorfeld des Jugendtreffens der ökumenischen Bruderschaft von Taizé um Neujahr in Lissabon umschrieb einer der bei der Vorbereitung engagierten Brüder Achtsamkeit so: „Es geht darum, Geschmack am Leben, am Schönen, an der Unterschiedlichkeit und an der Begegnung zu wecken.“ Nicht nur auf dem Hauptbahnhof.

Hans-Albrecht Pflästerer



erweiterte Suche

 



Das könnte Sie auch interessieren...


Unsere Zehn Gebote

www.unsere-zehn-gebote.de

Woher kommen unsere Werte? Wo liegen unsere Wurzeln?

 


Bibelspiele im Internet

www.ekd.de/spiele

Auf unterhaltsame Weise biblische Geschichten neu entdecken ...



...und außerdem:


Informationen

Kirche für Einsteiger

Wenn Sie Fragen haben. Oder evangelisch werden möchten. Hier finden Sie Antworten.

 


Vor Ort

Gemeinden und Gottesdienste

Informationen und Angebote für Ihre Kirche vor Ort

 


Die Web-Kirche

Christus-Pavillon

Memory, Galerie der Kirchen, Ideenbuch, Rückblick auf die EXPO 2000, Kloster Volkenroda