Beziehung

Spiritualität

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“Die Ehe ist der Versuch, zu zweit mit den Problemen fertig zu werden, die man allein nie gehabt hätte”, hat der amerikanische Schauspieler und Regisseur Woody Allen erkannt. Der amerikanische Schriftsteller Franklin Jones hält die Ehe für das teuerste Verfahren, seine Wäsche umsonst gewaschen zu bekommen. Und die deutsche Schriftstellerin Esther Vilar sieht in ihr “eine obszöne Einrichtung zur Ausbeutung der Männer”.

Es ist schon auffällig, dass viele der geistvollen Sprüche um Ehe und Beziehung reichlich mit Bosheit getränkt sind. Was die Vermutung nahelegt, dass da viel Beziehungskrampf im Spiel ist. Und dass es durchaus eine Kunst ist, als Paar zu leben.

Was aber ist Beziehung? Die Soziologie versteht darunter den Grad der Verbundenheit oder Distanz zwischen Individuen, die in einem sozialen Prozess vereint sind. Sie umschließt das gesamte soziale Leben in all seinen Abstufungen: das Leben als Paar, in der Familie, in der unmittelbaren Umgebung wie auch in der Natur. Man kann auch zur Kunst eine Beziehung entwickeln. Oder eben nicht.

Beziehungen sind auch politische, gesellschaftliche, geschäftliche, menschliche Verbindungen, die Vorteile verschaffen. Man kann seine Verbindungen zu bestimmten Leuten für etwas nutzbar machen. Und Spötter meinen ja, dass Vitamin B das wichtigste unter allen Spurenelementen sei. B wie Beziehung.

Ins Spirituelle zielt Beziehung dort, wo sie das intime Verhältnis zweier Menschen benennt. Sie will gepflegt sein durch Achtsamkeit und Fantasie und ein aufmerksames Mitgehen. Leidenschaft und Gelassenheit, Zärtlichkeit und Treue mögen Dauerhaftigkeit garantieren. Gedankenlosigkeit und Selbstsucht werden rasch zum Beziehungskiller. Und der Grat zwischen Freiheit und Nähe will unfallfrei begangen sein.

Offenheit und Toleranz, Neugierde, angereichert um den Mut, auf andere zuzugehen, sind nützliche Stabilisatoren. Kommunikation nicht zu vergessen. Paartherapeuten bemängeln, dass über der vermeintlichen Sicherheit, den anderen gut zu kennen, das Gespräch vergessen wird. Die Mannheimer Familientherapeutin Doris von Neuenstein: “Es ist für Beziehungen überlebenswichtig, sich nahen Menschen in vertrauender und zugewandter Weise mitzuteilen. Voraussetzung dafür ist das wechselseitige Zuhören.”

Alles im Leben kann scheitern. Beziehungen sind da nicht ausgenommen, wie die Statistik lehrt. Menschen verlassen und werden verlassen. Auch gibt es Konflikte und Störungen. Doris von Neuenstein: “Was stört, sollte direkt, ohne zu kränken, klar und freundlich ausgesprochen werden. Das ist eine konstruktive Konfliktlösung, die es ermöglicht, zu verzeihen und weiterzugehen.”

Es gibt den furchtbaren Tod der Beziehungslosigkeit. Ein erfülltes Leben setzt Beziehungsfähigkeit voraus. Wie sie sich leben ließe, sagen Zeilen von Albert Camus: “Geh nicht vor mir her – ich könnte dir nicht folgen, denn ich suche meinen eigenen Weg. Geh nicht hinter mir her – ich bin gewiss kein Leiter. Bitte bleib an meiner Seite und sei nichts als ein Freund – mein Begleiter.”

Hans-Albrecht Pflästerer



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