Mut

Spiritualität

Sonnenaufgang

Fragen über Fragen. Matthias Krieg stellt sie in dem von ihm mit herausgegebenen Buch "Lebenskunst - Stücke für jeden Tag": "Woher nehmen Sie Ihren Mut? Was ermutigt Sie besonders? Wodurch fühlen Sie sich entmutigt? Kennen Sie mutige Menschen, die Ihnen Vorbilder sind? Kommen Ihnen beim Stichwort Mut nur Männer in den Sinn oder auch Frauen? In welchen Zusammenhängen Ihres Lebens bildet Mut die Währung, mit der Sie bezahlen?"

Was ist Mut? Das Überschreiten der Grenzen, die man sich selbst gesteckt hat. Eine Stimmung, die zu unerschrockenem, überlegtem Verhalten bei Bedrohung führt. In der die Mutigen sich selbst behaupten, ihr Selbstwertgefühl zum Ausdruck bringen. Und auch ihr Geltungsbedürfnis. Mut ist die Entschlossenheit, gegen den Strom zu schwimmen. Der Satz "Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom" gehört zu den Sponti-Sprüchen der Sechziger. Wenn man dabei das Gleichgewicht zwischen Feigheit und übertriebener Kühnheit wahrt, ist das kein Schaden. Freilich setzt Mut Bereitschaft zum Risiko voraus. Wir sollten Mut nicht an den Action-Filmen des Fernsehens festmachen, sondern ihn in unseren alltäglichen Beziehungen entwickeln.

"Mut ist, wenn man Todesangst hat, sich aber trotzdem in den Sattel schwingt", meint der US-Schauspieler John Wayne. "Der Mut ist wie ein Regenschirm: Wenn man ihn am dringendsten braucht, fehlt er", lautet eine Erkenntnis des französischen Komikers Fernandel. Es gibt einen Mut, den die Ohnmacht, die Verzweiflung gebiert. Die Teilnehmenden an den Montagsdemonstrationen zum Ende der Deutschen Demokratischen Republik wissen ein Lied davon zu singen. Die Menschen, die sich in Budapest oder Prag oder anderswo den Panzern in den Weg stellten, nicht minder. Und die Widerständler im Nationalsozialismus sind seit dem Film über die Geschwister Hans und Sophie Scholl wieder sehr gegenwärtig. Die Weisheit, dass vom wahren Gegner grenzenloser Mut in einen fährt, verdanken wir dem Dichter Franz Kafka. Über den Mut, der die Zweifel und die Angst übersteht, schrieb Hanne Haller ein Lied.

Man muss nicht erst als Feuerwehrmann eingeschlossene Menschen unter Einsatz des eigenen Lebens in Sicherheit bringen, um mutig zu sein. Es darf auch eine Nummer kleiner sein: Ungerechtigkeit und Böswilligkeit beim Namen zu nennen, Unschuldige gegen Anfeindungen zu verteidigen. Doch eine Garantie auf Erfolg gibt es dabei nicht.

"Heldenhaftigkeit ist eine Todesart, keine Lebensart", hat der satirische Schriftsteller Gabriel Laub erkannt. Man sollte Mut nicht mit Tollkühnheit verwechseln. Er ist vielmehr eine Tugend, aus der Ruhe und Selbstbeherrschung erwachsen können. Der Theologe Reinhold Niebuhr formulierte dies so: "Gott schenke mir die Gelassenheit, anzunehmen, was ich nicht ändern kann, den Mut, zu ändern, was ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen unterscheiden zu können."

Der Journalist Kurtmartin Magiera lässt seine Kunstfigur, den Herrn Zett, fragen: "Wer hindert uns eigentlich daran, das zu tun, was wir von anderen erwarten?" Eine feine Umschreibung für Mut. Und die vielleicht schönste stammt von dem Satiriker George Bernard Shaw: "Mut heißt, seiner Furcht gewachsen zu sein."

Hans-Albrecht Pflästerer



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