Spiel

Spritualität

Boule-Spieler

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Nicht von der Arbeit allein. Nicht von der Leistung allein. Sondern auch vom Erleben. Von der Freude. Vom Wagnis. Von der Freiheit. Vom Fest. Vom Glück. Vom Lachen. Vom  Spiel. Wer nicht mehr spielen, spielend sich bewegen kann, verliert seine Menschlichkeit. Umgekehrt gilt auch der Satz, dass der Mensch nur da ganz Mensch ist, wo er spielt.

Wer spielt, vergisst sich selbst. Vergisst die Zeit. Nimmt sich die Freiheit, etwas Zweckfreies, Absichtsloses zu tun. Bejaht das Leichte. Das Heitere. Jenes Überflüssige, das vielleicht das einzig Wichtige im Leben ist. Begleitet von einem Gefühl der Spannung und Freude.

Wer spielt, wird frei. "Gäbe es mehr Spieler", steht im Evangelischen Erwachsenenkatechismus, "würde die Zahl der Überspannten abnehmen. "Die  heilsame Wirkung des Spiels ist unbestritten. Es kann Aggressionen ableiten, Verklemmungen aufbrechen, Kontakte herstellen oder fördern. Und es kann Erfolgserlebnisse fördern.
Spiel verträgt keine Willkür. Die Regeln machen es erst möglich. Spielverderber gehören zu den unerfreulichen Zeitgenossen. Regel Nummer eins: Mensch, ärgere dich nicht!

Wer spielt,will siegen. Strebt Erfolg an. Aber ins Gelingen mischt sich die Erfahrung der Niederlage, in die Frische die der Erschöpfung, ins Überwinden die der Grenze. Und Verlieren will gelernt sein. Im Olympischen Dorf in München hing das Bild eines gestürzten Langstrecklers, dem man den Sieg zugetraut hatte. Darunter stand der Text: "Als der Läufer zusammenbrach, waren die Trainer ratlos. Sie hatten alles trainiert, nur nicht die Niederlage."

Wer spielt, kann auch verspielen. Dann ist das Spiel nicht mehr Ordnung, sondern Verletzung der Regeln. Abgekartetes Spiel. Doping. Betrug. Nicht mehr Freiheit, sondern überfremdet durch künstlich erzeugte Forderungen: durch die Massen der Zuschauer, durch Trainer, durch Manager. Und durch Kommerz. Die manipulierten Bundesligaspiele in
jüngster Zeit machen dies deutlich.

Wer spielen will, braucht Partner. Gegenspieler. Nicht nur den Stab, die Karte, den Ball. Nicht nur den Würfel mit seinen Tücken, sondern das lebendige Gegenüber, das Züge durchkreuzt und mit Lust Steine in den Weg legt. So kommen Elemente des Kampfes ins Spiel. Wenn auch nicht von der Bosheit des Konkurrenz-, Klassen- und Geschlechterkampfes; weshalb das Spiel etwas anderes ist als das Spiegelbild einer unheilen Welt.

Wer spielt, entspricht dem biblischen Verständnis vom Menschen. "Die Bestimmung, sich die Erde untertan zu machen", heißt es in der Denkschrift der evangelischen Kirche über Sport, Mensch und Gesellschaft, "bezieht sich ebenso auf die leiblichen wie auf die geistigen Leistungen des Menschen. Sie betrifft nicht nur die Gestaltung der Umwelt, sondern ebenso die Fähigkeit des Menschen, seine eigenen geistigen und leiblichen Fähigkeiten zu erproben, auszuschöpfen und zu beherrschen."

Spiel - das ist Urlaub im Kleinen. Irgendjemand hat darin gar einen Vorgeschmack auf das Reich der Freiheit ausgemacht. Im besten Fall weckt es die Lust auf eine Welt, in der alle tödlichen Kämpfe abgelöst sind - durch Spiel. Schöne neue Welt!

Hans-Albrecht Pflästerer



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