Aktuelles
Interkulturelle Woche - Erfolgsgeschichte und bleibender Auftrag
Statement von Msgr. Wolfgang Miehle,Nationaldirektor für die Ausländerseelsorge
anläßlich des Pressegespräch am 17.09.2007 um 11.00 Uhr in Frankfurt/Main
1. Bereits Ende der 60er Jahre wurde in verschiedenen Kirchengemeinden ein "Tag des aus-ländischen Mitbürgers" begangen. Auf dem Ökumenischen Pfingsttreffen 1971 in Augs-burg schlug der Arbeitskreis "Ausländische Arbeitnehmer" vor, diesen Tag in ökumeni-scher Gemeinsamkeit auf die ganze Bundesrepublik auszudehnen. So konnte im Jahr 1975 erstmals unter der gemeinsamen Trägerschaft der Deutschen Bischofskonferenz, der Evan-gelischen Kirche in Deutschland und der Griechisch-Orthodoxen Metropolie ein "Tag des ausländischen Mitbürgers" - später "Woche der ausländischen Mitbürger" (Plural) began-gen werden. Schon bald wurde die letzte Septemberwoche als jährlicher Veranstaltungs-termin festgelegt.
2. Von Anfang an war beabsichtigt und ist es gelungen, diese kirchliche Initiative durch Ko-operation mit verschiedenen Verbänden, Religionsgemeinschaften und Gruppen (z. B. Gewerkschaften und Arbeitnehmerverbände, Vertreter der Juden und der Muslime, Wohl-fahrtsverbände, Migrantenorganisationen und örtliche Initiativgruppen) wie auch staatli-chen und kommunalen Stellen (Vertretung der Bundesbeauftragten für Migration, Flücht-linge und Integration, Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), Bundeszentrale für politische Bildung, Bündnis für Toleranz und Demokratie, Ausländer- bzw. Integrati-onsbeiräte oder Stadtverwaltungen) auf eine breite gesellschaftliche Basis zu stellen. In ei-ner großen Allianz unterschiedlichster Gruppierungen ist so eine beeindruckende Bürger-initiative für richtig verstandene Integration und Partizipation der Zuwanderer entstanden. Entscheidend für das Gelingen dieser Erfolgsgeschichte ist, dass die IKW von Anfang an keine Initiative "für", sondern "mit" den Migranten und ihren Organisationen ist und dass sie nicht "von oben" angeordnet, sondern "von unten" entstanden und gewachsen ist. Der-zeit werden jährlich immerhin an über 200 Orten über 3000 Veranstaltungen durchgeführt. Zur Vorbereitung und Gestaltung der Woche haben die 3 Trägerkirchen einen "Ökumeni-schen Vorbereitungsausschuss" (ÖVA) eingerichtet, der sich aus kirchlichen Beauftragten und Vertretern der oben genannten Gruppierungen zusammensetzt.
3. Die IKW hat eine vielgestaltige Entwicklung genommen, die durch das im Juni 1997 er-schienene Migrationswort der christlichen Kirchen in Deutschland ".und der Fremdling, der in deinen Toren ist." einen nachhaltigen Impuls erhielt. Seit Ende der 80er Jahre gilt zudem jeweils der Freitag innerhalb der IKW als "Tag des Flüchtlings"; dazu legt der Ver-ein pro asyl den Materialien des ÖVA ein eigenes Materialheft bei. Seit Mitte der 90er Jahre wird eine Diskussion über die heute teilweise als diskriminierend empfundene offizielle Bezeichnung der Woche geführt, inoffiziell wird sie meist (zu 90 %) "Interkulturelle Wo-che" oder "Interkulturelle Wochen" benannt. Mancherorts wird zwischenzeitlich der 3. Ok-tober als "Tag der offenen Moschee" in das Programm der IKW aufgenommen.
4. Das Anliegen der IKW hat sich in den über 3 Jahrzehnten des Bestehens nicht erledigt. Die Fragen von Migration und Integration gehören vielmehr nachdrücklich zu den gesamtge-sellschaftlichen Herausforderungen, von deren Bewältigung die Zukunft unseres Landes und Europas entscheidend abhängen. Deshalb muss diese Woche noch stärker sowohl im Bewusstsein der Kirchengemeinden als auch in der Wahrnehmung durch Politik, Gesellschaft und Medien verankert werden. Diesem Ziel dienen
- die jeweilige bundesweite Eröffnung der Woche durch die Repräsentanten der 3 Trägerkirchen in einem Ökumenischem Gottesdienst sowie einem interessantem Vortragsprogramm und einem Empfang durch das Stadtoberhaupt der jeweiligen Paten-stadt der Eröffnung;
- die jährliche Multiplikatoren-Tagung zur inhaltlichen Vorbereitung der örtlichen Veranstalter;
- Aktionen mit Jugendlichen (dieses Jahr das Projekt "Herbstforum der Klingerschule in Frankfurt");
- ein einprägsames Motto mit einem zum Nachdenken auffordernden Plakat;
- ein informatives und anregendes Materialheft samt hilfreichen Werbeunterlagen;
- der neu gestaltete Internetauftritt mit regelmäßigem Newsletter;
- eine intensive Zusammenarbeit mit den staatlichen, kommunalen, kirchlichen und ge-sellschaftlichen Verantwortungsträgern sowie insbesondere mit den örtlichen Aktionsverantwortlichen;
- nachhaltige Gespräche und Diskussionen (gerne auch kontrovers) mit Politikern aller Couleur und auf allen Ebenen und nicht zuletzt eine gute thematische Aufbereitung und Berichterstattung in den Medien.
5. Die Zuwanderung nach Deutschland gerecht und menschenwürdig zu regeln und zugleich den Zugewanderten eine umfassende Integration zu ermöglichen bleibt eine "Jahrhundert-aufgabe". Sie kann nicht nach Art einer "Einbahnstraße funktionieren, sondern nur im Sinn eines wechselseitigen Prozesses der Achtung und des Vertrauens, der Wertschätzung und Verantwortung sowie der Partizipation und Solidarität gelingen. Dazu ist die positive Beantwortung von 2 Fragen, wie sie im nachfolgenden Schaubild nach Prof. Monika Scheidler, TU Dresden, aufgezeigt werden, entscheidende Voraussetzung:
- Wird es als großer Wert erachtet, dass Migranten ihre ethnische, kulturelle und religiöse Identität bewahren? und
- Wird es als großer Wert erachtet, wenn vielfältige Begegnungen zwischen Migranten und Angehörigen der Aufnahmegesellschaft stattfinden?
Nur wenn beide sowohl vonseiten der Migranten als auch vonseiten der Aufnahmegesellschaft mit "Ja" beantwortet werden, kann Integration gelingen.
|
Frage: Identität bewahren? |
|||
|
Antwort: JA |
Antwort: NEIN | ||
| Frage: Begegnung mit anderen? |
Antwort: JA |
Integration | Assimilation |
|
Antwort: NEIN |
Separation | Marginalisierung |
Fremdenfeindlichkeit und Menschenverachtung, Rassismus und Diskriminierung dürfen in unserem Land keine Chance haben. Dies eindeutig und nachdrücklich in das öffentliche Bewusstsein zu rücken und zugleich Anregungen zur Verwirklichung zu geben, ist bleibender Auftrag, dem sich die IKW weiterhin verpflichtet weiß. Integration beginnt im Kopf, sie muss aber mit verständnisvollem Herzen aufgenommen und in tatkräftiges Handeln umgesetzt werden.
gez.
Msgr. Wolfgang Miehle
DER NATIONALDIREKTOR
FÜR DIE AUSLÄNDERSEELSORGE
Kaiserstraße 161
53113 Bonn
Postanschrift
Postfach 29 62
53019 Bonn
Ruf 0228-103-0
Direkt 0228-103-378
Fax 0228-103-360
w.miehle@dbk.de

