Reader zur EKD-Synode 2000
Das Studienkolleg für orthodoxe Stipendiaten der EKD
Michael Hübner
Mit den zunehmenden Beziehungen der Evangelischen Kirche in Deutschland zu verschiedenen orthodoxen Kirchen kamen vermehrt auch Stipendiaten aus diesen Kirchen zu einem Studienaufenthalt an evangelische Fakultäten nach Deutschland. Um die jungen Menschen kirchlich zu begleiten, ihnen beim Einleben in die neue Umgebung und beim Zurechtfinden in einem fremden Universitätssystem zu helfen, wurde 1984 in der bayerischen Universitätsstadt Erlangen für Stipendiaten aus orthodoxen Kirchen ein Zentrum geschaffen - das Studienkolleg für orthodoxe Stipendiaten der Evangelischen Kirche in Deutschland. Das Studienkolleg entstand und besteht im Zusammenwirken mit dem Diakonischen Werk der EKD, dem Deutschen Nationalkomitee des Lutherischen Weltbundes, dem Martin-Luther-Bund und der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern.
Die Stipendiaten leben im Studentenheim des Martin-Luther-Bundes mit evangelischen Studenten und Studentinnen aus Deutschland und vielen anderen Ländern zusammen. Das Haus dient auch als Ausgangspunkt, um evangelische Gemeinden und Institutionen kennen zu lernen. Im Wohnheim befindet sich auch eine kleine orthodoxe Hauskirche der Hl. Dreieinigkeit, in der die Stipendiaten aus der ganzen orthodoxen Welt das gottesdienstliche Leben in guter Ordnung pflegen und so auch geistliche Heimat während des Studiums in Deutschland finden. Zur Weihe dieser kleinen Kirche 1984 bei der Eröffnung des Studienkollegs stiftete der damalige Patriarch der Serbischen Orthodoxen Kirche, German, das Antemension (Altartuch für den orthodoxen Gottesdienst). Die individuelle Beratung und Betreuung der einzelnen Stipendiaten gehört zu den Aufgaben eines evangelischen Pfarrers, der als Exekutivsekretär die Arbeit des Studienkollegs leitet. Diese Stelle wird direkt von der EKD getragen.
Da die Zahl der Stipendiaten seit der politischen Wende im Osten Europas stark angestiegen ist, studieren inzwischen auch an einigen anderen Orten in Deutschland junge orthodoxe Männer und Frauen mit Unterstützung eines Stipendiums des Diakonischen Werkes der EKD. Unter den weit über hundert orthodoxen Stipendiaten und Stipendiatinnen, die seit seiner Eröffnung das Studienkolleg in Erlangen besuchten, waren Vertreter und Vertreterinnen aus fast allen orthodoxen Kirchen. Vergleichsweise viele kamen aus Bulgarien und Rumänien. Rund je ein halbes Dutzend kam aus dem Bereich der russischen bzw. griechischen Orthodoxie. Regelmäßig kommen auch Kandidaten aus dem Bereich der altorientalisch-orthodoxen Kirchen.
Die Theologische Fakultät der Universität Erlangen bietet dabei nicht nur die Möglichkeit, sich mit allen klassischen Fächern der Theologie, sondern auch mit den spezielleren Fragen der christlichen Kunst, der christlichen Publizistik und der Missionswissenschaft zu befassen. Von besonderer Bedeutung für die orthodoxen Stipendiaten ist dabei der Kontakt zum Lehrstuhl für die Geschichte und Theologie des christlichen Ostens (bei der Eröffnung des Studienkollegs besetzt von Frau Prof. Dr. Fairy v. Lilienfeld, jetzt von Prof. Dr. Karl Christian Felmy).
Der Autor, Pfarrer Michael Hübner, ist Leiter des Studienkollegs für orthodoxe Stipendiaten der EKD in Erlangen.
