Orthodoxie-Arbeit der EKD

Das Referat

Orthodoxe Christen gibt es in Deutschland in einer nennenswerten Anzahl erst seit den letzten Dezennien des 20.Jahrhunderts. Ihre Frömmigkeit, ihre Kirchenstruktur, ihre Theologie sind den meisten evangelischen aber auch den katholischen Christen im Lande kaum bekannt, noch viel weniger ihre Geschichte und die Situation ihrer Heimatkirchen.

Als daher bereits in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts Martin Niemöller den Kontakt mit der Russischen Orthodoxen Kirche aufnahm, gab es bereits seit 1948 eine Ostkirchenreferentin im damals so genannten Außenamt der EKD, heute der Hauptabteilung für Ökumene und Auslandsabteilung im Kirchenamt der EKD. Dies war damals bis 1970 Dr. Hildegard Schaeder. Ihre Aufgabe war zum einen die Versöhnungsarbeit mit den Kirchen des Ostens und die Vermittlung von Kenntnissen über diese Kirchen in Deutschland.

Diese Arbeit hat bis heute zu einem breit angelegten Tätigkeitsfeld geführt sowohl nach innen als auch nach aussen. Der Hauptakzent liegt auf drei bilateralen theologischen Dialogen der EKD mit der Russischen Orthodoxen Kirche (Moskauer Patriarchat), dem Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel und der Rumänischen Orthodoxen Kirche.

Cover: Wörterbuch zu den bilateralen theologischen Dialogen

Dazu beruft jeweils der Rat der EKD Ausschüsse für diese Dialoge. Hinzu kommen regelmäßige Treffen mit den Leitern der orthodoxen Diözesen in Deutschland zum Austausch und zur Verständigung über praktische Probleme, die sich aus dem Zusammenleben von orthodoxen und evangelischen Christen in Deutschland ergeben. Ein wichtiges Ergebnis, das daraus hervorging, ist eine Vereinbarung zwischen der EKD und der Kommission der Orthodoxen Kirche in Deutschland (KOKiD) über das gemeinsame pastorale Handeln bei konfessionsverschiedenen Eheschließungen.

Das Wörterbuch zu den bilateralen Dialogen dokumentiert die theologischen Gespräche mit den orthodoxen Kirchen.

Im Laufe der Geschichte wurden auch regelmässige Gespräche mit den Orientalisch-Orthodoxen Gemeinde- oder Kirchenleitern in Deutschland eingerichtet. Dazu gehören die Armenisch-Apostolische Kirche, die Koptische Orthodoxe Kirche, die Syrisch-Orthodoxe Kirche, die Syrisch-Orthodoxe Kirche in Indien und die Äthiopisch-Orthodoxe Kirche. Diese wurden vor allem durch die Vorarbeit angeregt, die Prof. Dr. Friedrich Heyer in Heidelberg seit dem späten 70er und 80er Jahren für die Begegnung mit diesen Kirchen geleistet hatte. In unregelmässigen Abständen gab es daher mit diesen Kirchen auch einige theologische Konsultationen und Tagungen, die jüngste im März 2003 in Berlin.

Zur Arbeit nach innen und zur Vermittlung der Orthodoxie in den evangelischen Kirchen und Gemeinden gibt es zwei Arbeitskreise, a) den "Facharbeitskreis Orthodoxie", in dem sich die Mitglieder der Dialogkommissionen für die bilateralen Dialoge sowie andere Orthodoxie-Experten aus dem universitären Bereich treffen, um die Ergebnisse der Dialoge zu vertiefen und b) den "Multiplikatorenkreis Orthodoxie", in welchem sich Pfarrer und Gemeindeglieder treffen, die entweder durch Partnerschaftsarbeit mit orthodoxen Gemeinden verbunden sind oder anderweitig Interesse an der Orthodoxie haben. Dazu gibt es das sogenannte "Junge Forum Orthodoxie", in dem sich Studierende und Vikare über Orthodoxie austauschen und weiterbilden. Aus der ehemaligen DDR gibt es den sogenannten "Melanchthonkreis", in dem sich Theolog/innen und Laien mit dem Brückenschlag zur Orthodoxie beschäftigen.

Inzwischen hat sich auch auf einer eher inoffiziellen Ebene ein sogenannter "Junger Dialog" mit der Rumänischen Orthodoxen Kirche herausgebildet, in dessen Rahmen sich jährlich 7-10 Studierende oder Vikare aus beiden Kirchen in Eigenregie, aber mit finanzieller und sonstiger Unterstützung des Kirchenamtes entweder in Deutschland oder in Rumänien treffen. Mit der Russischen Orthodoxen Kirche gibt es einen von der EKD unterstützten "Besuchsgruppenaustausch" von Studierenden zwischen der Evangelischen Fakultät der Humboldt-Universität in Berlin und dem St.Tichon-Institut in Moskau. Seit 2004 gibt es schliesslich den Versuch im Rahmen eines "Jungen Dialogs" wieder den Kontakt zur Bulgarischen Orthodoxen Kirche aufzunehmen, nachdem es zwischen dem BEK in der DDR und der Bulgarischen Kirche einen offiziellen Dialog gegeben hatte, der aber derzeit aufgrund der inneren Schwierigkeiten dieser Kirche nicht weitergeführt werden kann.

Der Austausch mit der Orthodoxie wird außerdem untermauert durch die Stipendienarbeit der EKD. Über das Diakonische Werk der EKD werden Stipendien an orthodoxe Stipendiaten (Theolog/innen und andere Studierende aller Fächer) vergeben.