Christlich-muslimischer Dialog

Editorial

Minarett und Kirchturm

Nachdem der Islam in Deutschland zahlenmäßig nach der Römisch-katholischen und der Evangelischen Kirche zur drittgrößten Religionsgruppe in Deutschland herangewachsen ist, ist das Zusammenleben mit Muslimen zu einen wichtigen religiösen wie gesellschaftlichen Aspekt geworden. Diese Realität war und ist auf der christlichen, aber auch auf der muslimischen Seite besetzt von Gefühlen zwischen Angst, Neugier und Unverständnis.

Daraus ergab sich in der Geschichte der Islamarbeit in der EKD eine erste Phase mit Bemühungen, das Informationsdefizit in der christlichen Bevölkerung und in der Öffentlichkeit abzubauen. Eine Reihe von Broschüren ist entstanden, auch eine Faltblattreihe „Information Islam“, die zu einem Taschenbuch „Was jeder vom Islam wissen muss“ führte, das jetzt schon die 6. Auflage erreicht hat und ins Englische und Türkische übersetzt wurde.

In einer zweiten Phase wurde versucht, die vorhandenen zufälligen Kontakte zu Muslimen und ihren Organisationen zu bewussten thematischen Begegnungen vor Ort zu erweitern. Die weltpolitische Lage (die Golfkriege, der Kosovo-Konflikt und die Anschläge des 11. September 2001) spielte hier herein und war Grund für viele Informationsveranstaltungen, aber auch für Diskussionen über die Friedensfähigkeit von Religionen. Vielfach war aber auch die Situation vor Ort oder in der Region Anlass für Begegnungen und Auseinandersetzungen gewesen. Ziel war bei alledem, das Zusammenleben von Menschen verschiedener Prägung, auch verschiedener religiöser Prägung, in der alltäglichen Begegnung aufzuarbeiten.

Die Islamarbeit ist in den Landeskirchen unterschiedlich organisiert: es gibt haupt- oder nebenamtliche Islamreferenten, zuweilen begleitet von besonderen Ausschüssen. Im Kirchenamt der EKD arbeitet OKR Martin Affolderbach als Islamreferent neben seiner Zuständigkeit für die evangelischen Auslandsgemeinden im Nahen Osten – eine Kombination, die Auslands- und Inlandserfahrungen mit einander verbindet.

(Bild: Aus einem Projekt "Erste Schritte wagen" des Albert-Martmöller-Gymnasiums in Witten, Kontakt zur Ausleihe der Ausstellung: Tel.: 0202-82736)



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