Archiv 2010

"Wo wenn nicht hier"
Die Präsentation eines außergewöhnlichen Buches zum zehnjährigen Jubiläum des Fördervereins

Kirche ist Heimat. Eine Heimat, die weit über die eigenen vier Wände und das eigene Leben hinausweist, und doch untrennbar mit diesen verbunden ist. Dies mag eine Erklärung dafür sein, wieso selbst hoch engagierte Mitglieder des Fördervereins der Stiftung KiBa - also Menschen, denen der Erhalt von Kirchengebäuden erwiesenermaßen am Herzen liegt - in ihrer Jugend bisweilen versucht haben, ein paar Buchstaben oder Initialen in eine Kirchenbank einzuritzen.
"Hand aufs Herz", hatte Petra Bahr, die Kulturbeauftragte der EKD, am Freitagabend die 170 anwesenden Mitglieder des Fördervereins und ihre Gäste gefragt: "Hand aufs Herz: Wer hat schon einmal etwas in eine Kirchenbank zu ritzen versucht?" Die Zahl der Hände, die nach oben schnellten, hat den ein oder anderen vielleicht überrascht, verraten wird sie hier nicht.
Kirche ist Heimat - das wurde an besagtem Abend vielfach deutlich. Denn nicht eigentlich um Jugendsünden zu gestehen, hatte man sich an Bord eines Spreedampfers versammelt, sondern um - dem Anlass des zehnjährigen Fördervereinsjubliäums entsprechend - einer Buchpräsentation beizuwohnen. Dieses Buch, eine Kooperation der Stiftung KiBa mit der edition chrismon, enthält 14 "Geschichten unterm Kirchturm", eine Vielzahl unterschiedlichster Perspektiven auf Kirchengebäude, aber eben auch vielfältige Annäherungen an das, was Kirchen für so viele Christen zu Orten der Heimat, der Erinnerung und Geborgenheit macht.
"Wo wenn nicht hier", so der verheißungsvolle Titel des Buches, der eine Verszeile eines Gedichtes der Lyrikerin Eva Zeller aufnimmt, die, ebenso wie Autor Jürgen Israel, eigens zur Präsentation angereist war. Vorgestellt wurde "Wo wenn nicht hier" von der EKD-Kulturbeauftragten im Zusammenspiel mit zwei weiteren Autoren: Martina Hefter und Wladimir Kaminer zogen das Publikum mit ihren "Kirchenheimatgeschichten" in den Bann.

Autorin Martina Hefter (li.) und Elke Rutzenhöfer (edition chrismon)

Autor Wladimir Kaminer
Mit leiser, präziser Anschaulichkeit ließ Martina Hefter die zeltförmige Kirche ihrer Jugend vor den Augen der Zuhörer entstehen, und ihr spontanes Befremden und spätere Befreunden mit dieser modernen Kirchengestalt nachempfinden. "Erinnerung ist organisch, sie lebt in und mit den Menschen, wächst und schrumpft, blüht und welkt", heißt es in Hefters Geschichte. Die in ihr blühenden Erinnerungen an das "Zelt der Begegnung" ihrer Jugend, wurden für alle, die ihr lauschten, lebendig.
Von vergleichsweise handgreiflicher Lebendigkeit strotzt die Erzählung Wladimir Kaminers. Er habe erst gar nicht für dieses Buch schreiben wollen, berichtete er, da die Kirchengebäude seiner Jugend nicht selten in eher trauriger Gestalt, als Kartoffellager oder Ruinen dahergekommen seien. "Der Sozialismus war unsere Kirche, die Evangelien kamen von Lenin und Stalin." Zum Glück ist ihm dann doch noch eine merkwürdige Geschichte eingefallen, die vom Entstehen und Vergehen der "beflügelten Kirche".
"Schon manches Mal sind wir aus Anlass einer Mitgliederversammlung zu einem festlichen Essen zusammengekommen", bilanzierte Thomas Begrich, Geschäftsführer der Stiftung, nach der Vorstellung des KiBa-Buches, "aber noch nie wurde uns dabei so schön und anregend vorgelesen". Der Beifall gab ihm Recht.
Die Inspiration von "Wo wenn nicht hier" war auch am zweiten Tag der Mitgliederversammlung noch zu spüren. Zum Beispiel in der Predigt von Pröpstin Friederike von Kirchbach am Samstagfrüh in der Berliner Marienkirche, die gleich über ihre eigene erste prägende Kirchen-Erinnerung als Schutzraum während eines Gewitters berichtete. Ob Schutz, Trost oder andere "Antworten" - Kirchengebäude sollen die Orte sein, in denen wir finden, was wir suchen, betonte die Pröpstin. Sie dankte den Mitgliedern des Fördervereins für ihr Engagement, das in diesem Jahr erneut auch St. Marien zugute kommt.
Die "Arbeitssitzung" der versammelten Mitglieder schließlich fand in der Französischen Friedrichstadtkirche am Berliner Gendarmenmarkt statt. Dort bestimmten die Vereinsmitglieder unter anderem ihren neuen Vorstand: Das siebenköpfigen Gremium gehören an: Lutz Baumann, Diplomingenieur (Chemnitz), Dr. Ulrich Böhme, Oberkirchenrat i.R. (Kleinröhrsdorf), Professor Dr. Manfred Fischer, Landeskonservator i.R. (Bamberg), Ilse Junkermann, Landesbischöfin der EKM (Magdeburg), Kirsten Kramer, Stellvertretende Direktorin der Thüringer Landesmedienanstalt (Erfurt), Christine Lieberknecht, Ministerpräsidentin Thüringens (Erfurt) sowie Dr. Arnold Seul, Mitteldeutscher Rundfunk (Leipzig).
Darüber hinaus erfuhren die Fördermitglieder, wie viel die Stiftung KiBa ihnen zu verdanken hat: Seit Bestehen des Fördermitgliedervereins 2000 brachten seine Mitglieder stolze 1.229.508,23 Euro für die Projektförderung auf. Diese bemerkenswerte Bilanz ließ sich in den Briefmarkenheftchen mit KiBa-Briefmarken, die eigens zum Zehnjährigen den anwesenden Mitgliedern überreicht wurden, nachlesen.
Insgesamt hat der Förderverein der Stiftung KiBa inzwischen 2262 Mitglieder. Die nächste Versammlung wird in Leipzig stattfinden. Wer das KiBa-Buch bis dahin gelesen haben möchte: Es erhältlich im Stiftungsbüro erhältlich. Ein Anruf unter 0511/2796-333 genügt. Für Bestellungen, die vor Ende September eingehen, sind die Versandkosten im Preis von 16 Euro inbegriffen.





