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Gefragtes Kleinod am Radwegesrand

"KiBa-Kirche des Monats Juli 2016" in Seehausen

Das ehemalige Fischerdorf Seehausen in der brandenburgischen Uckermark war einst der Sitz eines Zisterzienser-Nonnenklosters. Nachdem das Kloster abgebrannt war, fand nur wenige hundert Meter von seinem Standort entfernt im 18. Jahrhundert eine kleine Fachwerkkirche ihren Platz. Trotz ihrer geringen Größe ist diese Dorfkirche bis heute alles andere als ein Mauerblümchen am Radwegesrand von Berlin nach Usedom: Zum einen ist sie die einzige Kirche aus Fachwerk und Ziegelstein weit und breit. Aber auch das Innere des Kirchleins ist sehenswert, zumal sich darin wesentliche Teile eines ansonsten unbekannten Vorgängerbaus befinden. Kräftige Renaissanceformen und Beschlagwerk schmücken beispielsweise das Altarretabel, das vor 1600 gefertigt worden sein muss. Der Kanzelkorb trägt die Jahreszahl 1619 und zeigt - ebenfalls reich mit Gold verziert - die Evangelisten mit ihren Symbolen. Wer genau hinschaut, kann auf dem Schalldeckel über der Kanzel eine überraschende Entdeckung machen: Zwischen zahlreichen Verzierungen steht eine kleine Madonnenfigur,  die sogar schon um 1500 entstanden ist.

Ein "gewisser Zauber" geht von diesem wertvoll ausgestatteten Gebäude aus, meint Sabine Sieker. Sie ist in Seehausen gleich neben der Dorfkirche aufgewachsen und engagiert sich als Vorsitzende des "Fördervereins Dorfkirche Seehausen-Uckermark e.V." für deren Erhalt. Wie die 70-jährige ehemalige Maschinenbauingenieurin betrachten viele Seehausener die Kirche als schützenswertes Kleinod. 46 Mitglieder hat der Förderverein. "Die Sanierung der Kirche war von Anfang an die Sache vieler", sagt Sabine Sieker, die sich erinnert, dass die Gründung des Fördervereins im Jahr 2008 von der damaligen Pfarrerin gemeinsam mit dem zuständigen Bürgermeister initiiert wurde. "Deshalb sind wir im Förderverein genauso viele Nicht-Kirchenmitglieder wie Menschen, die der Kirche angehören".

Sabine Sieker selbst ist kein Gemeindemitglied. Was sie nicht daran gehindert hat, eine Ausbildung zur Kirchenführerin zu machen. Sie will auskunftsfähig sein, wenn vor allem im Sommer die vielen Touristen in Seehausen vorbeikommen und die Kirche besichtigen möchten. "Wenn ich etwas anfange, dann auch richtig", sagt die Fördervereinsvorsitzende. In diesem Jahr kann die Rentnerin allerdings nur sehr wenigen Besuchern die Tür zum Kirchgebäude aufschließen. Nicht, weil keine Touristen kämen. "Die Leute fragen nach der Kirche". Sondern weil das gesamte Gelände der dringend notwendigen Sanierung wegen gesperrt ist. Nachdem die Restaurierung von Turm und Westgiebel der "KiBa-Kirche des Monats Juli" kurz vor dem Abschluss steht, soll es noch in diesem Monat mit den Seitenwänden und dem Dach weiter gehen. Die Stiftung KiBa hat  diese Maßnahmen sowie den vorangegangenen Bauabschnitt mit insgesamt 35.250 Euro gefördert. Insgesamt wird das Projekt rund 313.000 Euro kosten.

Spenden sammelt der Förderverein vor allem durch regelmäßige Veranstaltungen. "Rappelvoll" sei die Kirche zum Beispiel bei zwei Benefizkonzerten gewesen, bei dem die drei Kinder einer Kollegin aus dem Förderverein gespielt hätten, berichtet Sabine Sieker. Auf großes Interesse seien aber auch die Vorträge über die "sagenhaften Funde" von Archäologen gestoßen, die im nahen Oberuckersee mehr als 20.000 Gegenstände aus dem ehemaligen Zisterzienserkloster entdeckt hatten. Ein besonderes Ereignis waren außerdem die "Lichterfeste" in den vergangenen Jahren. Was mit einer festlichen Kirchenführung, mit Kerzenschein und Musik in der Kirche begann, mündete in ein großes Dorffest mit Wein und Würstchen vor dem bunt beleuchteten Gebäude. "Das ist sehr gut angekommen", sagt Sabine Sieker, die immer wieder Anrufe bekommt von Menschen, die sich erkundigen, wann das nächste "Lichterfest" geplant ist.

Für dieses Jahr muss sie alle Hoffnungen enttäuschen: In den nächsten Wochen werden keine Veranstaltungen in der Kirche stattfinden können: In Kürze wird das gesamte Gebäude luftdicht eingehüllt, weil drinnen entsprechende Gase zur Bekämpfung von Holzschädlingen eingebracht werden. Erst wenn die Luft im wörtlichen Sinne wieder rein ist, kann Sabine Sieker vereinzelt Besucher in die Kirche lassen. Zum Beispiel zum Tag des offenen Denkmals im September. Solche Öffnungszeiten zwischendurch sind der Vereinsvorsitzenden wichtig: "Wir wollen doch nicht, dass unsere kleine Kirche in Vergessenheit gerät".

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Publikationsdatum dieser Seite: Dienstag, 3. Januar 2017 13:03