Salt Lake City 2002
Farewell Salt Lake City
Abschied von den Spielen und welcome - Paralympics
Mit dem Besuch von Bundespräsident Johannes Rau im Olympischen Dorf und seiner Teilnahme an der Abschlusszeremonie hat der Endspurt der Spiele 2002 begonnen. Nach seinen Besuchen in Detroit und Washington, die wirtschaftliche und kulturelle Bezüge zum Inhalt hatten, erweist er nun dem Sport seine Reverenz. Und natürlich lassen es sich die Verantwortlichen in Utah und Salt Lake City nicht nehmen, unseren Bundespräsidenten mit Studenten der größten Mormonen-Universität in Provo (ca. 30.000 Studenten) und dem Präsidenten der "Latter-Day-Saints-Church" in Kontakt zu bringen. Sportlich wird es für ihn als Zuschauer beim 5.000 m Eisschnelllauf der Frauen und dem Vierer-Bob zugehen; außerdem steht ein Gespräch mit IOC-Präsident Jacques Rogge auf dem Programm. In seinen Gesprächen mit Georg Hackl oder Silke Otto wurden die Besonderheiten der Rodel- und Bobbahn erläutert, mit Bundestrainer Reinhard Hess über die Erfolge der Skispringer gesprochen und auch die seelsorgerliche Begleitung des Sportpfarrers der EKD wurde erläutert.
Es mag den Historikern und Geschichtsschreibern der Olympischen Bewegung überlassen bleiben, Salt Lake City und die XIX. Olympischen Winterspiele einzuordnen. Aber einige Beobachtungen können schon jetzt als kleines "Fazit" angestellt werden: Es waren Spiele mit großartigem Sport und tollen Leistungen - vor allem natürlich auch aus deutscher Sicht. Großartig unsere "Außenseiter" der Nordischen Disziplin, beim Skispringen, Eisschnelllaufen oder Biathlon - beim Rodeln und Bob hatte man ja im Stillen schon mit sehr guten Platzierungen gerechnet. Die Stimmung im Team war dementsprechend gut und ausgeglichen, da war (vielleicht außer den Snowboardern) kein Mannschaftsteil, der leer ausging, auch Curling und Eishockey "schlugen" sich prächtig.
Zum Glück litten die Spiele nicht unter den gründlichen Sicherheitsmassnahmen nach dem 11. September. Die Fahrbereitschaften zu den Trainings- und Wettkampfstätten funktionierten ohne Probleme; Amerika das Land des "Autos" hatte keine Mühe, über 1.500 Kleinbusse (einschließlich FahrerInnen) zur Verfügung zu stellen, die auf den 3-4spurigen Highways dahinrollten und die Distanzen mühelos überbrückten.
Die Kooperation im Team der SeelsorgerInnen war vorbildlich - allerdings bieten die Fülle des olympischen Programms und die wettkampfbedingten Außenstellen immer weniger Raum und Zeit für gemeinsame Gottesdienste. Aber ein Ort der Stille und des Gebets wird dringend gebraucht; gerne wurde die alte Kapelle im Olympischen Dorf als Ort des stillen Gebets von so mancher Athletin oder manchem Betreuer genutzt. Und die Angebote des Interreligiösen Zentrums gehören zu den wenigen Programmangeboten und Räumen, die gleichberechtigt von Teammitgliedern und Helfern besucht werden können.
Besonders erfreulich gestalteten sich die Aufnahme und das Zusammensein im deutschen Team. Durch die letzten Spiele in Nagano konnten Kontakte aufgebaut werden, die hier in Salt Lake City das Wiedersehen erleichterten. Die kleine Olympiabroschüre "Mittendrin" wurde dankbar angenommen; manch kleiner Hinweis "hab ich gelesen" - "den Gedanken fand ich gut" entschädigte für die Mühen der Auswahl und die redaktionelle Bearbeitung. Sechzehn Tage Olympische Winterspiele am Fuß der Rocky Mountains, da lebte und bebte der "Wilde Westen" mit einer großen amerikanischen Party - Sport zwischen Show, Kultur, Natur, Geschäft und Religion.
Wenn vom 7. bis 16. März die Paralympics stattfinden, werden hoffentlich die Spuren der Spiele und die Begeisterung der Zuschauer noch greifbar und nachvollziehbar sein. Die Paralympics mit dem großartigen Sport der Menschen mit Behinderungen haben es verdient. Für die EKD wird dann Pfarrerin Claudia Rudolff aus der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck das deutsche Team begleiten.
Es sind nicht allein die Spiele, die Spuren hinterlassen, die großen Helden oder die "Champions", die neuen Stars und auserkorenen Sternchen. Es sind die Spuren des Zusammenlebens in diesen Tagen im Tal von Salt Lake City, denen wir im Alltag folgen sollten. Über die Bedeutung "göttlicher und menschlicher Spuren" heißt es einmal:
Deine Spuren
Jeder Mensch hinterlässt Spuren:
im Schnee, im Gedächtnis, im Herzen.
Manchmal sind sie ganz deutlich, manchmal
blass und sogar vergessen.
Auch du Gott, hast dieser Welt deine Spuren
eingeprägt: in der Schöpfung, im menschlichen
Antlitz, in der Liebe. Es gibt Schicksale, Begebenheiten
und Ereignisse in unserem Leben,
die uns blind machen für deine Spuren.
Da wir ohne diese Spuren unsere Ziele verfehlen
können, bitte ich:
"Zeige mir, Herr, deine Wege" (Psalm 25,4)
Welcome Salt Lake City - Paralympics - neue Ziele warten auf uns - bei den Sportfesten und im Alltag.